Nahverkehr in München:Mit der S-Bahn nach Landshut

Nahverkehr in München: Mit der S-Bahn nach Landshut fahren. Das soll mit Einführung der zweiten Stammstrecke in München Realität werden.

Mit der S-Bahn nach Landshut fahren. Das soll mit Einführung der zweiten Stammstrecke in München Realität werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Laut Verkehrsministerin Kerstin Schreyer soll eine Express-Linie mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke in München nach Niederbayern verlängert werden. Profitieren werden davon vor allem zwei Gemeinden.

Von Petra Schnirch, Freising

Voraussichtlich 2028 wird die S-Bahn von Freising weiter über Moosburg bis Landshut fahren. Die Linie soll laut Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke in München eingerichtet werden. Vorgesehen sei ein ganztägiger Stundentakt, teilt sie auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Johannes Becher mit. Die Regionalbahnen entfallen dann allerdings. Dennoch zeigt sich Becher mit dem in Aussicht gestellten Angebot zufrieden: Profitieren werden in erster Linie Marzling und Langenbach. Dort würden Lücken im Takt, die vor allem an den Wochenenden bestehen, geschlossen.

Auch eine Befürchtung Bechers entkräftet Schreyer in ihrem Antwortschreiben. Mit Einführung der Express-Linie S21X gehe in Freising und Moosburg kein Zughalt von Regionalexpress, Alex und Üfex verloren, versichert sie. In Ostbayern gebe es Begehrlichkeiten, möglichst schnell nach München zu kommen, sagt Becher. Für eine Stadt wie Moosburg mit fast 20 000 Einwohnern und vielen Pendlern dürfe sich die Anbindung aber nicht verschlechtern. Ein leistungsfähiges Zugangebot sei für die Region "wahnsinnig wichtig".

Mit Eröffnung der zweiten Stammstrecke wird sich auf der Linie S 1 einiges ändern. Zwischen Moosach und Neufahrn gibt es dann einen 15-Minuten-Takt. Allerdings entfällt die Teilung der S-Bahn in Neufahrn, sodass sie künftig nur alle 30 Minuten nach Freising und zum Flughafen fahren wird. Allerdings, darauf verweist Becher, bestehe durch die neue Regional-S-Bahn weiterhin in etwa ein 20-Minuten-Takt aus und nach München. Die bisher verkehrenden Regionalbahnen aus Richtung Landshut enden meist in Freising.

Chronisch überlastet

Probleme sieht Becher jedoch, weil die Bahnstrecke zwischen München und Freising schon jetzt chronisch überlastet ist. Deshalb gebe es viele offene Fragen, wie das Konzept in der Praxis umsetzbar ist. Schon jetzt komme es zu "überdurchschnittlichen Verspätungen". Auf dem Abschnitt zwischen Moosach und Freising werden laut Schreyer werktags künftig in der Summe voraussichtlich 88 Züge des Regionalverkehrs, 160 Züge der S 1 und 40 der Regional-S-Bahn von und nach München unterwegs sein. Bisher sind es mit 91 Zügen und 147 S-Bahnen deutlich weniger. Informationen zum Güterverkehr liegen nach Angaben der Ministerin nicht vor.

Die Engpässe sind im Verkehrsministerium bekannt. Die Bahnstrecke zähle zu den am stärksten ausgelasteten im Großraum München, schreibt Schreyer. "Dem Freistaat Bayern ist deshalb sehr daran gelegen, die Leistungsfähigkeit der Bahnstrecke zu steigern." Zuständig für den Ausbau und Erhalt des DB-Schienennetzes sei jedoch der Bund. Die Staatsregierung werde sich aber für Verbesserungen einsetzen. Eine Variante zur Kapazitätssteigerung sei bereits 2017 im Auftrag des Freistaats untersucht worden. "Herzstück ist dabei eine rund 40 Kilometer lange Neubaustrecke von München-Neulustheim bis Neufahrn." Geprüft würden derzeit aber auch weitere Lösungen wie ein "abschnittsweiser bestandsnaher Ausbau".

Becher dringt darauf, dass die ausgearbeiteten Vorschläge möglichst rasch "auf den Tisch kommen". Eine 40-Kilometer-Neubaustrecke "bedarf einer sorgfältigen Planung", sagt der Abgeordnete aus Moosburg. Auch eine Kapazitätserweiterung auf der bestehenden Strecke sei nicht so einfach umzusetzen, weil sie rechts und links teils zugebaut sei. "Mit den Bürgern muss diskutiert werden, was die sinnvollste Lösung ist", fordert Becher.

Für die Regional-S-Bahn müssen jeweils beide Bahnsteige in Marzling und Langenbach sowie der am Gleis eins in Freising umgebaut werden, um die erforderliche Höhe zu erhalten. Wo dies noch nicht erfolgt ist, sollen die Bahnhöfe barrierefrei werden. Die Kommunen seien bereits im September 2018 bei einem Dialogforum über die Pläne informiert worden, so Schreyer, die Deutsche Bahn werde sie "in geeigneter Form beteiligen". Die Fahrtzeit mit der neuen Regional-S-Bahn soll von Freising nach München-Hauptbahnhof 29 Minuten betragen, von Moosburg aus 42 Minuten. Halten wird sie ab Freising in Neufahrn, Unterschleißheim, Feldmoching, Moosach und Laim.

© SZ vom 01.07.2021
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