Pilotprojekt in Kirchdorf:Minimallösung Mitfahrbank

WIPPENHAUSEN. Mitfahr-Bank

Wer eine Fahrgelegenheit sucht und nicht nur in der Sonne sitzen will, klappt das Schild mit dem jeweiligen Zielort aus und wartet auf Autos.

(Foto: Johannes Simon)

Wippenhausen, das zu Kirchdorf gehört, ist extrem schlecht an das Bussystem im Landkreis angebunden. Jetzt sollen Mitfahrbänke die enormen Taktlücken überbrücken. Gefördert wird das Test-Projekt über die Ile Ampertal.

Von Petra Schnirch, Kirchdorf

Das Busangebot auf dem Land weist noch immer große Lücken auf. In manchen Orten sogar sehr große. "Beim ÖPNV ist Wippenhausen die am schlechtesten angebundene Teilgemeinde im Landkreis", sagt der Kirchdorfer Mobilitätsmanager, Grünen-Gemeinderat Martin Heyne. Zwar komme man in der Früh mit dem Bus in den Hauptort Kirchdorf, zurück nach Wippenhausen aber ginge es erst am nächsten Tag. Mit Mitfahrbänken versucht die Gemeinde jetzt, die Mobilität etwas zu verbessern.

Ausklappbare Tafeln mit Zielort signalisieren, dass man eine Mitfahrgelegenheit sucht

Seit Ende September stehen sie in Wippenhausen sowie beim Netto-Einkaufsmarkt in Kirchdorf, ausklappbare Tafeln an einer Stele mit dem Zielort signalisieren, dass man tatsächlich eine Fahrgelegenheit sucht und nicht nur ein Päuschen auf der Bank einlegt. Gefördert wurde die Anschaffung aus dem Regionalbudget des Kulturraums Ampertal. Zur Verwirklichung kleinerer Projekte stehen in diesem Jahr insgesamt 100 000 Euro zur Verfügung, wie Regionalmanagerin Nina Huber erklärt. Voraussetzung ist, dass die einzelnen Vorhaben nicht mehr als 20 000 Euro kosten, für bis zu 80 Prozent der Ausgaben kann dann ein Zuschuss gewährt werden, maximal 10 000 Euro. Für die Bänke waren es inklusive Pflasterung und Baumpflanzungen etwa 8000 Euro.

Das Amt für ländliche Entwicklung stellt Ile-Verbänden (Arbeitsgemeinschaften für integrierte ländliche Entwicklung) diesen Topf zur Verfügung, um gute Ideen von Gemeinden, aber auch Bürgerinnen und Bürgern sowie Vereinen umsetzen zu können. Auch im kommenden Jahr hat die Ile Ampertal laut Huber bereits eine Zusage, dass sie über ein entsprechendes Budget, das es seit 2020 gibt, verfügen kann.

Gefördert wurden in diesem Jahr beispielsweise eine Ausschankhütte des Burschenvereins Attenkirchen, die Digitalisierung von drei Büchereien oder das Naherholungsgebiet Grüne Au in Allershausen und eben die Mitfahrbänke in Kirchdorf.

Bisher scheiterten alle Versuche, Wippenhausen an das öffentliche Busnetz anzuschließen

Sie sollen dazu motivieren, Alternativen zum privaten Auto zu testen - und können eine Erleichterung für all jene bedeuten, die kein eigenes Fahrzeug besitzen. Alle Versuche der Gemeinde, Wippenhausen an das öffentliche Busnetz anzuschließen, seien bisher gescheitert, sagt Heyne. Ein weiteres Ausklappschild ist auch für den Zielort Freising vorhanden. Allerdings könnte die Rückfahrt wegen der fehlenden Mitfahrbank dort schwierig sein.

Mit diesem Pilotprojekt im Ampertal will die Ile testen, ob solche Angebote angenommen werden. Wichtigste Regel sei, dass man nur mit einem guten Gefühl zu jemandem ins Auto steigt, sagt Nina Huber. In Wippenhausen kenne man sich aber, vielleicht sei ja gerade der Nachbar nach Kirchdorf unterwegs und nehme einen mit.

Sofern das Konzept angenommen wird, könnten weitere Mitfahrbänke folgen

Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU) könnte sich vorstellen, dass in Kirchdorf mehr Mitfahrbänke aufgestellt werden - sofern das Konzept angenommen wird. In einem Jahr werde man Bilanz ziehen, sagt er. Vielleicht könnte man dann mit Freising verhandeln, ob auch dort eine Bank für die Kirchdorfer aufgestellt wird, für den Weg zurück nach Hause. Optisch findet der Bürgermeister die Warteplätze jedenfalls sehr gelungen.

Der Startzeitpunkt ist nicht ganz einfach. Der Winter steht bevor, die Infektionszahlen steigen gerade wieder. Vor allem jüngere Leute reagierten aber sehr positiv, schildert Heyne. Viele sagten, dass sie das Angebot nutzen wollen - nach Ende der Corona-Krise. Nicht erfüllt hat sich sein Wunsch nach Recyclingbänken mit Solarzellen zum Aufladen von Handys. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Gemeinderat wieder aufgehoben. Zu groß war laut Gerlsbeck die Angst vor Vandalismus.

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