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Forschungsprojekt:Schwangere, die gezielt beraten werden, nehmen weniger zu

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Die Beratung sollte die Frauen motivieren, sich ausgewogen zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen.

(Foto: dpa-tmn)
  • In die Studie mit 12 000 Teilnehmerinnen flossen auch Ergebnisse der Freisinger Wissenschaftlerin Kathrin Rauh ein.
  • Auch nach der Geburt schnitten die Frauen mit den zusätzlichen Beratungseinheiten prozentual besser ab.

Frauen, die gezielt beraten werden, nehmen während der Schwangerschaft weniger stark zu. Auch das Risiko für eine Schwangerschaftsdiabetes sinkt deutlich um fast 25 Prozent. Das zeigt eine Analyse, die vor kurzem im Fachmagazin British Medical Journal veröffentlich wurde.

Ihr liegen Daten von über 12 000 Frauen zu Grunde. Darin eingeflossen sind auch Forschungsergebnisse der Freisinger Wissenschaftlerin Kathrin Rauh. "Es gibt weltweit nicht viele Studien in dem Bereich", sagt sie. Es freue sie, dass die Qualität ihrer Studie von dem internationalen Fachgremium anerkannt werde.

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Für ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl für Ernährungsmedizin an der TU München (TUM) verglich Kathrin Rauh die Werte von 250 Schwangeren in acht gynäkologischen Praxen in München. Die eine Hälfte der Teilnehmerinnen an der Studie - nach den Initialen des englischen Titels kurz Felipo genannt - erhielt zusätzlich zwei Beratungseinheiten zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil durch die Doktorandin - dies sollte die Frauen motivieren, sich ausgewogen zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen.

Die andere Hälfte nutzte das übliche Angebot der Routinevorsorge und diente als Vergleichsgruppe. Aus den Erfahrungen mit den Beratungsgesprächen wisse sie, erzählt Rauh, wie hoch der Informationsbedarf der Schwangeren sei. "Viele sind mit der Fülle an Informationen aus dem Internet, aus Zeitschriften und ähnlichen Medien überfordert. Ein persönliches Gespräch, in dem gezielt auf die Bedürfnisse der Schwangeren eingegangen wird, tut not."

Denn Rauh kommt in ihrer Doktorarbeit zu dem Schluss, dass sich die zusätzliche Beratung positiv auswirke. Nach den Empfehlungen des US-amerikanischen Institute of Medicine sollte eine normalgewichtige Frau während der Schwangerschaft möglichst nicht mehr als 16 Kilogramm zunehmen. In Rauhs Felipo-Studie war der Anteil der Frauen, die übermäßig, also über diese Obergrenze hinaus, an Gewicht zulegten, geringer als in der Vergleichsgruppe.

Wie wirkt sich eine zusätzliche Beratung auf die Gesundheit von schwangeren Frauen und Säuglingen aus - mit dieser Frage setzt sich die Wissenschaftlerin Kathrin Rauh auseinander.

(Foto: privat)

Und auch die Freisinger Wissenschaftlerin stellte fest, dass bei der betreuten Gruppe weniger häufig Schwangerschaftdiabetes diagnostiziert wurde - es waren 5,4 gegenüber 12,2 Prozent bei der anderen Hälfte. Zudem waren laut Rauh Tendenzen erkennbar, dass weniger Kaiserschnitte notwendig waren als in der Vergleichsgruppe, weil es weniger Komplikationen gab.

Die Doktorandin interessierte zudem, wie sich das Gewicht der Mütter nach der Geburt entwickelte. Vier Monate und ein Jahr nach der Entbindung fragte sie deshalb noch einmal nach: Auch hier schnitten die Frauen mit den zusätzlichen Beratungseinheiten prozentual besser ab.

"Die Daten meiner Felipo-Studie sprechen für mich dafür, dass Lebensstilinterventionen, wie ich sie Schwangeren angeboten habe, wirksam sind. Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis eine zusätzliche Beratung in den Bereichen Ernährung und Bewegung Teil der Routineversorgung für Schwangere geworden ist", bilanziert Kathrin Rauh.

Das Thema beschäftigt die 32-Jährige, die selbst eine eineinhalb Jahre alte Tochter hat, über ihre Promotion hinaus: Das Ergebnis der Felipo-Studie stieß in der Staatsregierung auf Interesse, die geringe Teilnehmerzahl machte es aber schwierig, wirklich aussagekräftige, für Fachkreise statistisch-signifikante Ergebnisse daraus abzuleiten. Anfang 2013 startete deshalb die bayernweite Studie "Gesund leben in der Schwangerschaft" (Gelis) mit fast 2300 Teilnehmerinnen.

Kathrin Rauh betreut auch diese Untersuchung, diesmal in neuer Funktion als zentrale Projektkoordinatorin am Kompetenzzentrum für Ernährung (Kern) mit Sitz in Freising. Zusammen mit Projektleiter Hans Hauner, Inhaber des TUM-Lehrstuhls für Ernährungsmedizin in Weihenstephan, plante und begleitet sie die neue Studie. Die Erhebungen sind abgeschlossen, in wenigen Wochen wird die Auswertung vorgestellt. Das Ergebnis wird in Fachkreisen bereits mit Spannung erwartet.

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