Flughafen München:Event-Arena für 20 000 Besucher geplant

Beladung eines Flugzeugs am Flughafen in München, 2020

Am Münchner Flughafen wollen Investoren eine Event-Halle für bis zu 20 000 Besucher errichten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Den Investoren schwebt ein modernes Veranstaltungs-, Tagungs- und Kongresszentrum mit "Landmark-Charakter" vor. Das Projekt stößt nicht überall auf Zustimmung, Kritiker befürchten den Verkehrs-Kollaps.

Von Petra Schnirch

Der Vorschlag, am Flughafen eine große Event-Arena für bis zu 20 000 Besucher zu bauen, stößt in Freising auf unterschiedliche Reaktionen. Während ein Teil der Kommunalpolitiker, darunter OB Tobias Eschenbacher (FSM), darin eine Chance für die Stadt sieht, stehen die Grünen im Stadtrat dem Vorhaben sehr kritisch gegenüber. Eine endgültige Standortentscheidung ist nach Aussage der Projektentwickler noch nicht gefallen. Für sehr geeignet halten sie eine Fläche im Westen des Flughafengeländes, auf Freisinger Flur. Den Investoren schwebt ein modernes Veranstaltungs-, Tagungs- und Kongresszentrum mit "Landmark-Charakter" vor. Entwickelt wird das multifunktionale Convention Center von der in Freising beheimateten SW Munich Real Estate GmbH - einem Joint Venture des Freisinger Unternehmens Logo Partners GmbH und der KGAL GmbH & Co KG aus Grünwald. Geschäftsführer sind Lorenz Schmid und Gert Waltenbauer. Die beiden stellten die Grundzüge des Projekts am Mittwoch im nichtöffentlichen Sitzungsteil des Planungsausschusses vor.

Gedacht ist das Convention Center einerseits für Kongresse, Konferenzen und Firmenevents, andererseits für Konzerte, Shows, Kabarett oder TV-Produktionen. "München und Bayern haben hier klaren Nachholbedarf im Vergleich zu den anderen deutschen und europäischen Metropolregionen", sagt Schmid. Die Kapazitäten bestehender Veranstaltungsstätten seien begrenzt und "in den meisten Fällen auf vergleichsweise starre Besucherkontingente ausgelegt". Zur Programmgestaltung und auch zur Architektur lassen sich laut Schmid noch keine genauen Angaben machen. Als Referenzprojekt nennt er beispielsweise die Royal Arena in Kopenhagen. Die SW Munich Real Estate GmbH will das Center nach seinen Worten langfristig halten und nach Fertigstellung nicht weiterveräußern.

Für das Gelände am Flughafen spricht laut Schmid die bereits vorhandene Infrastruktur mit Parkhäusern, ÖPNV-Anbindung und Fernwärmenetz. Innerhalb des Münchner Stadtgebiets gebe es keine geeigneten Flächen. Das Grundstück gehört der Flughafen München GmbH (FMG), Gespräche hätten bereits stattgefunden. Das bestätigt auch die FMG, sie will sich aber nicht weiter zu dem Projekt äußern. Ob der Flughafen der richtige Ort für eine große Veranstaltungshalle ist, darüber gehen die Meinungen in Freising stark auseinander. Susanne Günther, Sprecherin der Grünen-Stadtratsfraktion, spricht von "Kultur-Fastfood an einem Un-Ort", Kultur gehöre in die Städte, sagt sie. Sie befürchtet, dass am Flughafen "eine zweite Stadt" entstehen werde, wenn Hotels und Gastronomiebetriebe dazu kommen sollten. "Das wollen wir nicht." Und sie warnt vor zusätzlichen Belastungen. Den Flughafenbetreibern gehe es darum, wieder mehr Flüge zu generieren, sie hätten kein Interesse an echter Kultur.

Auch die ÖDP-Stadtratsfraktion übt heftige Kritik und wirft der FMG einen "großen Relaunch ihres bisherigen Wachstumskurses" vor: "nämlich noch mehr Verkehr an den Airport zu ziehen und das Interesse der Bevölkerung am klimaschädlichen Fliegen mittelfristig wieder in gewohnter Weise nach oben zu fahren". OB Eschenbacher spricht dagegen von einem "durchaus interessanten Projekt" - und glaubt auch, dass die Freisinger Hotellerie profitieren würde, beispielsweise bei Kongressen. In der Stadt gibt es seit Jahren Überlegungen, eventuell gemeinsam mit der TU München ein Kongresszentrum zu bauen. Gerade in der finanziell angespannten Lage durch die Corona-Krise sehe er solche Privatinvestitionen eher positiv, sagt Eschenbacher, weil der Stadt keine Kosten entstünden. Die Auswirkungen auf den Verkehr müssten aber geprüft werden.

Das ist auch für die Freien Wähler ein entscheidender Punkt. "Jeder weiß, welche Probleme es rund um das Olympiastadion und die Allianz-Arena gibt", sagt Robert Weller. "Da müssen wir mit einem strengen Maßstab hinschauen." Er hofft, dass die Pläne für eine Event-Arena wichtige Verkehrsprojekte wie den vierspurigen Ausbau der B 301 beschleunigen könnten. Das Vorhaben selbst beurteilt er aber sehr positiv. "Das Konzept ist absolut gut", findet Rudi Schwaiger (CSU). Es könnten sich "ungeahnte Synergieeffekte ergeben", sagt er, die Stadt Freising brauche dringend ein Kongresszentrum. Ihm stößt allerdings auf, dass Informationen aus der nichtöffentlichen Sitzung nach außen getragen wurden. Das sei kontraproduktiv, weil dies Grundstücksspekulationen antreiben und zu einer "Preistreiberei" führen könnte. Auch Eschenbacher zeigt sich darüber verärgert. Die Präsentation sei als "Vorab-Information" für die Stadträte gedacht gewesen, so etwas sei künftig vielleicht nicht mehr möglich.

Die Projektentwickler versichern, dass sie das Thema Verkehr "sehr ernst nehmen". 2019 habe es bereits eine Machbarkeitsstudie gegeben. Erste Ergebnisse zeigten, dass die Erschließung des Convention Centers grundsätzlich möglich sei, erklärt Schmid, vor allem auch wegen der "antizyklischen Nutzung" bei großen Veranstaltungen an Abenden und am Wochenende. Weitere Untersuchungen seien geplant.

© SZ vom 04.08.2020/imei
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