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Erdinger Ringschluss:Jetzt ist die Bahn am Zug

Vertragsunterzeichnung Ringschluss

Der Bau der unterirdischen Verbindung von Flughafenbahnhof mit dem Erdinger Ringschluss kommt gut voran. 115 Millionen Euro investiert die FMG in den Tunnel, der 2021 fertig werden soll.

(Foto: Stephan Görlich/Flughafen Muenchen GmbH)

Verkehrsministerin Kerstin Schreyer übergibt im Namen des Freistaats offiziell den Teilabschnitt vom Flughafen bis Schwaigerloh in die Verantwortung der Deutschen Bahn. Der Realisierungs- und Finanzierungsvertrag ist unterzeichnet. Inbetriebnahme ist für 2025 geplant.

Von Regina Bluhme, Flughafen

Wer heute von Erding in den Öffentlichen an den Münchner Flughafen will, muss für nicht mal 20 Kilometer eine Fahrtzeit mit dem Bus von fast 40 Minuten einrechnen. Mit dem künftigen S-Bahn-Ringschluss werden es nur noch knapp zehn Minuten sein. Bis diese Rechnung der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) aufgeht, wird es allerdings noch Jahre dauern. Ein erster Bauabschnitt, die Strecke vom Flughafen zum neuen Kopfbahnhof in Schwaigerloh, ist jetzt aber unter Dach und Fach. Am Mittwoch haben Schreyer und Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB), am Flughafen den Realisierungs- und Finanzierungsvertrag unterzeichnet. Insgesamt kostet der 4,5 Kilometer lange Bauabschnitt 95 Millionen Euro.

Die Finanzierung für den Abschnitt Flughafengrenze bis Schwaigerloh ist verteilt auf den Freistaat, den Bund und die Bahn. Bayern zahlt 26 Millionen Euro, die Bahn 12 Millionen und der Rest wird über Bundeszuschüsse finanziert. Unterstützt wird das Projekt durch die Flughafen München GmbH (FMG), die auf ihrem Gelände und auf eigene Kosten den Flughafenbahnhof unterirdisch verlängert.

Verkehrsministerin Schreyer sprach bei der offiziellen Projektübergabe an die Deutsche Bahn von einem "Meilenstein". Mit dem Bau der Strecke vom Flughafen bis Schwaigerloh nehme der Erdinger Ringschluss, der Freising über den Airport mit Erding verbinden wird, weiter Gestalt an. Ein Etappenziel sei erreicht. Die neue zweigleisige Strecke wird von der Grenze Airportgelände bis zur künftigen Abstell- und Wendeanlage in Schwaigerloh, Gemeinde Oberding, erstellt. Laut Josel wird Schwaigerloh zwei Außenbahnsteige und eine barrierefreie Personenunterführung erhalten. Das Projekt umfasst auch den Bau mehrerer Brücken. Er freue sich auf die Inbetriebnahme im Jahr 2025, sagte Josel, "das ist ein realistisches Ziel". Mit der Unterzeichnung des Vertrags könne mit der Vergabe der Bauleistungen und anschließend mit dem Bau begonnen werden.

Für den folgenden Bauabschnitt hat das Genehmigungsverfahren gerade erst begonnen

Wann es mit dem zweiten Bauabschnitt losgeht, der von Schwaigerloh durch das Erdinger Stadtgebiet führen wird, steht noch nicht fest. Erst vor wenigen Tagen ist das Planfeststellungsverfahren für diese Strecke eingeleitet worden. Ziel ist laut Bahn eine Fertigstellung 2029.

Bereits die Teilstrecke Flughafen bis Schwaigerloh werde zu deutlichen Verbesserungen führen, betonte Schreyer. Denn dadurch werde das "Nadelöhr" Flughafenbahnhof entlastet, es könnten dann auch mehr Züge zum Airport fahren. Mit dem Ringschluss soll nicht nur eine durchgehende Verbindung von Freising nach Erding geschaffen werden. Nach dem Motto "Mit dem Zug zum Flug" soll generell dafür gesorgt werden, dass noch mehr Fluggäste bei der Anreise zum Airport auf die Öffentlichen umsteigen.

Als "erstes Teilstück", so Schreyer, sei 2018 die Neufahrner Kurve in Betrieb genommen worden. Seitdem kann man aus Regensburg, Landshut und Freising mit der Bahn an den Münchner Flughafen fahren. Als weiteren wichtigen Schritt nannte sie die Walpertskirchener Spange, über die Züge später über Dorfen und Mühldorf bis nach Salzburg fahren können. Hier läuft das Genehmigungsverfahren.

Jost Lammers, Geschäftsführer der FMG, erwartet sich vom Ringschluss nicht nur ein besseres Angebot bei S- und Regionalbahn, sondern auch langfristig die Anbindung an das Fernbahnnetz. Er sprach von einem "Quantensprung" für die Vernetzung von "Schiene und Luft". Die FMG investiert 115 Millionen Euro in den Bau eines S-Bahn-Tunnels auf ihrem Gelände. 2018 war Spatenstich für die unterirdische zweigleisige Strecke. Der Rohbau soll 2021 fertig sein. "Wir liegen hier voll im Zeit- und Kostenplan", so Lammers.

Nach der Vertragsunterzeichnung ging es am Mittwoch zur Besichtigung der gewaltigen Tunnelbaustelle am Airport. Nur eine Zahl: Laut FMG beträgt das Gewicht des bislang verbauten Bewehrungsstahls 16 000 Tonnen, etwa das eineinhalbfache des Eiffelturms.

© SZ vom 30.07.2020
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Von Florian Tempel

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