Corona im Landkreis Freising:Krankentransport von Bayern nach Südtirol

Lesezeit: 3 min

FREISING: Kreisklinikum - Krankenhaus - Aussenansicht

Mit dem Hubschrauber hat ein Freisinger Covid-Patient nach Bozen geflogen werden müssen, weil in der Klinik kein Intensivbett mehr frei war.

(Foto: Johannes Simon)

Die Intensivstationen sind voll. Ein Covid-19-Patient wird von Freising nach Bozen geflogen, ein weiterer im Rettungswagen nach Meran gefahren.

Von Florian Tempel und Petra Schnirch, Erding/Freising

Die Intensivstationen im Rettungsdienstbereich Erding-Freising-Ebersberg sind voll und mehrheitlich mit schwerkranken Covid-19-Patienten belegt. In Erding waren am Freitag sechs der zehn Beatmungsplätze mit Coronakranken belegt, in Ebersberg sechs von 14 und in Freising acht von zehn. Verlegungen sind in ganz Bayern äußerst schwierig geworden. Alle drei Krankenhäuser arbeiteten intensiv daran, ihre eigenen Angebote auszubauen, sagt Rainald Kaube, der Ärztliche Leiter der lokalen Krankenhauskoordinierung.

In dieser angespannten Lage ist es Kaube am Donnerstag gelungen, die Verlegung von zwei Schwerkranken nach Italien zu organisieren. Ein Patient wurde vom Klinikum Freising aus mit dem am Münchner Uni-Krankenhaus Großhadern stationierten Hubschrauber Christoph München der DRF Luftrettung nach Bozen geflogen. Der Flug mit dem Intensivtransport-Helikopter dauerte, reine Flugzeit, nur 45 Minuten. "Mit dem ganzen Drumherum war es aber schon eine längere Aktion", sagt Kaube.

Begleitfahrzeug für den Sauerstoff

Ein weiterer Covid-19-Patient aus Freising war viel länger unterwegs. Er wurde in einem Rettungswagen der Malteserstation am Flughafen München nach Meran gefahren. Eine ehemalige Erdinger Kollegin von Kaube begleitete den Patienten auf der mehrstündigen Fahrt. Die Anästhesistin und Notärztin "hat sofort gesagt, ich habe gerade Zeit, ich mach' das gerne". Da ein Rettungswagen "für so eine lange Fahrt nicht genügend Sauerstoff dabei hat", erklärt Kaube weiter, "war auch noch ein Begleitfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Moosburg mit mehreren Sauerstoffflaschen dabei. Die binnen eines halben Tages organisierten Verlegungen seien "aufgrund privater Kontakte von hohen Funktionsinhabern" möglich gemacht worden. Die beiden angefragten Südtiroler Kliniken hätten ohne Umschweife der Aufnahme der Patienten zugestimmt.

Die neuerliche "Feststellung des Katastrophenfalls in Bayern" begrüßt Kaube ausdrücklich. Es sei nun einfacher, etwa die Hilfskräfte im Rettungsdienst wie Malteser oder Rotes Kreuz anzufordern, weil der Freistaat die Kosten dafür vollständig übernimmt. Auch eine Anfrage an die Bundeswehr um dringend benötigte personelle Unterstützung laufe noch.

Landratsamt Erding

Krankenhauskoordinator Rainald Kaube.

(Foto: Stephan Goerlich)

Inzidenz steigt auf 400

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Freising ist unterdessen weiter gestiegen, am Freitag lag sie laut Robert-Koch-Institut bei 400,4. Im Klinikum Freising wurden 15 Corona-Patienten betreut, davon acht auf der Intensivstation. Von diesen waren sechs ungeimpft und mussten beatmet werden, zwei hatten einen Impfdurchbruch, einer von ihnen musste ebenfalls beatmet werden. 1131 Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, befinden sich im Landkreis aktuell in Quarantäne, in allen Gemeinden sind die Fallzahlen im zwei- oder sogar dreistelligen Bereich. Die meisten Betroffenen gibt es in Freising, dort sind mittlerweile 253 Fälle bekannt. In Moosburg sind es 146, in Neufahrn 113. Höhere zweistellige Zahlen werden aus Eching (95), Hallbergmoos (72) und Au (69) gemeldet.

In Marzling sind es 38, in Attenkirchen und Fahrenzhausen 31, in Kirchdorf 30, in Rudelzhausen 26, in Nandlstadt 24, in Haag 23, in Allershausen 22, in Zolling 21, in Kranzberg und Wang 19, in Hörgertshausen und Langenbach 16, in Hohenkammer, Paunzhausen und Wolfersdorf 15, in Mauern 12, in Gammelsdorf 10.

Polizei kontrolliert, ob Auflagen eingehalten werden

Die Leiterin des Gesundheitsamts Freising versicherte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag , dass die gemeldeten Zahlen ans RKI tagesaktuell seien, auch wenn es beim Contact-Tracing-Team, das Infizierte und Kontaktpersonen informiert, derzeit aufgrund der hohen Fallzahlen zu einem Rückstau von mehreren Tagen komme. Das Personal soll aufgestockt werden.

Durch die erheblich steigenden Corona-Fallzahlen und die Krankenhausampel, die inzwischen auf "Rot" steht, gelten für die Menschen in ganz Bayern verschärfte Auflagen, wenn sie Veranstaltungen, Sportstätten oder Lokale besuchen wollen. Das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord teilt mit, dass seine Beamtinnen und Beamten bereits damit begonnen haben, die Einhaltung der derzeit gültigen Verhaltensregeln in Zusammenarbeit mit den zuständigen Gesundheitsämtern zu überprüfen.

Appell des Polizeipräsidenten

Polizeipräsident Günter Gietl richtet sich mit einem Appell insbesondere an die Verantwortlichen in der Gastronomie und bei Veranstaltungen: "Bitte nehmen Sie die Auflagen ernst und führen Sie ihre Zugangskontrollen gewissenhaft durch." Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. "Außerdem lassen sich so empfindliche Bußgelder vermeiden." Auch am kommenden Wochenende werden die Einsatzkräfte laut Gietl im gesamten Zuständigkeitsbereich einen Schwerpunkt auf diese Kontrollen setzen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusCoronavirus
:"Mich nicht impfen zu lassen, war eine Art Rebellion"

Vor den Impfstationen in München stehen die Menschen wieder Schlange. Manche bringen sogar Tee und Wärmflasche mit. Die meisten Menschen wollen die Booster-Impfung - und doch gibt es auch solche, die zum ersten Mal da sind.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB