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Firmengründung:Stadtwerke München planen Milliardendeal mit britischem Energiekonzern

Clipper South ist eines der Erdgasfelder in der Nordsee, die von den Stadtwerken München ausgebeutet werden dürfen.

(Foto: Bayerngas)
  • Die Stadtwerke München (SWM) wollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ihr komplettes Gasgeschäft mit einem Partner aus Großbritannien zusammenlegen.
  • Nach derzeitiger Planung würden sie knapp ein Drittel des neuen Unternehmens kontrollieren, die britische Firma gut zwei Drittel.
  • Die Stadtwerke wollen so vor allem finanzielle Risiken bei der Förderung von Erdgas in der Nordsee senken.

Niedrige Preise, technische Probleme und ungewisse Prognosen: Im Geschäft mit Erdgas läuft nicht alles rund für die Stadtwerke München (SWM), nun soll ein Milliardendeal die Zukunft sichern. Das städtische Unternehmen will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sein komplettes Gasgeschäft mit einem Partner aus Großbritannien zusammenlegen. In die neu zu gründende Firma sollen alle Beteiligungen der SWM-Tochter Bayerngas Norge an Vorkommen in Norwegen, Dänemark und Großbritannien eingehen. Die SWM wollten sich wegen der laufenden Verhandlungen nicht äußern.

Nach derzeitiger Planung würden sie knapp ein Drittel des neuen Unternehmens kontrollieren, die britische Firma gut zwei Drittel. So berichten es gut unterrichtete Kreise. Nach frühestens drei Jahren könnte das Joint Venture an die Börse gehen. Im Jahr 2006 stiegen die Stadtwerke in die Gas- und die damit verbundene, aber deutlich geringere Ölförderung in der Nordsee ein. Dafür investierten sie seitdem gut zwei Milliarden Euro.

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Die Stadtwerke haben sich mit Unterstützung des Stadtrats das Ziel gesteckt, den Gasbedarf Münchens durch eigene Produktion zu decken. Wie unberechenbar Investitionen in diesem Geschäft sein können, erleben die Stadtwerke beim Feld Hejre in der Nordsee. Technische Schwierigkeiten zwangen sie dort, die Produktion zu stoppen. Bis heute. Zugleich macht ihnen der konstant niedrige Gaspreis Sorgen. Die SWM-Tochter konnte deshalb die Investitionen in weitere Gasfelder, die dringend entwickelt werden mussten, nicht mehr selbst stemmen. Das machte ein Darlehen von 400 Millionen Euro nötig, das die SWM der Bayerngas Norge gaben.

Mittlerweile läuft dort die Produktion, zusätzlich bereitgestellte 350 Millionen Euro mussten nicht mehr abgerufen werden. Mit einem neuen, starken Partner, der ebenfalls bereits in der Nordsee tätig ist, sollen solche Risiken künftig nicht mehr auf die Stadtwerke und ihre Töchter zurückfallen. Welches britische Unternehmen dies ist, wird noch strikt geheimgehalten.

Das Joint Venture soll beiden Partnern Vorteile bringen: Der eine bringt das Kapital ein, der andere lukrative Lizenzen, die mit dem Geld genutzt werden können. Beide hoffen dadurch auf eine gesunde Zukunft im extrem schwierigen Energiemarkt. Der Hauptsitz des gemeinsamen Unternehmens soll in Großbritannien liegen. Die neue Firma soll sich selbst tragen, für die kommenden zehn Jahre werden stabile Gewinne erwartet, die die Erschließung weiterer Gas- und Ölfelder ermöglichen sollen. Würde mehr Geld benötigt, müsste das künftige Unternehmen selbst Kredite aufnehmen.

Leiten soll es ein Mitarbeiter des englischen Partners. Nach zwei Jahren sollen ihn die Münchner ablösen lassen können, falls er zu einseitig oder nicht erfolgreich arbeitet. Bei Grundsatzentscheidungen wie der über eine Verlagerung des Firmensitzes, eine Kapitalerhöhung oder Aufnahme neuer Gesellschafter sollen die SWM ein Vetorecht erhalten.

Bevor sich die Stadtwerke auf die Suche nach einem neuen Partner machten, spielten sie mit externen Beratern mehrere Optionen für die Zukunft durch. Grund dafür waren die dramatisch fallenden Preise für Gas und Öl im Herbst 2015. Damals hatten die Stadtwerke nur noch kleinere Partner, weil andere abgesprungen waren. De facto gehören ihnen heute direkt oder indirekt etwa 90 Prozent der Bayerngas Norge.

Grundsätzlich wäre auch ein Verkauf aller Gas- und Ölgeschäfte in der Nordsee möglich. Dadurch flösse eine ordentliche Summe in die Kasse, jedoch deutlich weniger, als die SWM in den vergangenen zehn Jahren investiert haben. Diesem Verlust stünde gegenüber, dass fast alle Risiken für die investierten Milliarden beseitigt würden. Allerdings widerspräche der Verkauf dem Ziel der Stadt, den eigenen Gasbedarf selbst zu decken. Die Möglichkeit eines Teilverkaufs wurde noch schlechter bewertet - denn das Feld Hejre bliebe den Stadtwerken als Problem.

Geprüft wurde auch eine dritte Möglichkeit: ohne Partner weitgehend auf eigene Rechnung weiterzuarbeiten. Das würde bedeuten, dass die SWM und ihre Töchter die Kontrolle über das Gas- und Ölgeschäft behalten könnten. Allerdings blieben alle Risiken, inklusive der Frage nach der Finanzierung weiterer Investitionen. Also schied auch diese Option aus, ebenso wie die Möglichkeit, einfach die bestehenden Felder komplett auszubeuten und das Engagement danach zu beenden. Das würde nämlich bedingen, dass man Rechte an noch nicht erschlossenen Feldern dann nicht mehr oder nur deutlich unter Wert verkaufen könnte.

Die Partnerschaft mit einem Unternehmen, das bereits im Gasgeschäft engagiert ist, soll noch einen Vorteil bieten: Der derzeit geringe Wert ihrer Investitionen in Gasfelder spielt kaum eine Rolle. Beide bringen nur ihr bestehendes Geschäft ein, es fließen keine Kaufsummen, die derzeit wegen des niedrigen Gaspreises beide schmerzen würden.

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