bedeckt München 30°

Regional einkaufen im Landkreis:Auf Nummer sicher

Die Hofläden im Landkreis Erding, aber auch die Wochenmärkte, haben mehr Zuspruch seit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Geschätzt wird die große Vielfalt an frischer Ware und dass man genau weiß, woher sie stammt.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Corona-Pandemie hat auch das Einkaufsverhalten geändert. Hofläden sind so gefragt wie nie zuvor. Viel mehr Menschen legen jetzt großen Wert auf Ware, von der man weiß, woher sie kommt

Von Thomas Daller, Erding

Corona hat das Einkaufsverhalten vieler Menschen verändert. Manche horteten anfangs Nudeln und Klopapier, und wer ins Homeoffice geschickt wurde, konnte nicht mehr in die Kantine gehen, sondern musste selbst kochen, weil auch die Gasthäuser eine Zeitlang geschlossen hatten. Hinzu kam dann noch, dass Großschlachtereien wie Tönnies und Wiesenhof in die Schlagzeilen gerieten und vielen den Appetit verdarben. Seit Corona erinnern sich viele an die Direktvermarkter in der Region. Die Hofläden haben mehr Zuspruch, neue Kunden sind hinzugekommen, die großen Wert auf Ware legen, bei der man weiß, wo sie herkommt.

Hofläden haben in der Regel eine Stammkundschaft, weil sie eher in kleineren Dörfern oder direkt auf einem Weiler zu finden sind. Laufkundschaft verirrt sich selten dorthin. Doch in der Corona-Krise hat sich auch die Mobilität verändert, und das hat den Hofläden zusätzliche Kunden gebracht. Denn durch den Trend zum Fahrrad wurden mehr Menschen bei Ausflügen auf Hofläden aufmerksam. Aus einem ersten Probeeinkauf wurde dann oftmals ein dauerhaftes Kundenverhalten, berichteten mehrere Inhaber von Hofläden. Statt mit dem Auto zum Discounter fuhr man nun mit dem E-Bike zum Erzeuger.

"Die Kunden kaufen bewusster ein", sagt Sieglinde Huber vom Finsinger Hofladen.

(Foto: Renate Schmidt)

Mariella Fürmetz vom Doislhof in Pretzen ist das auch aufgefallen: "Die Leut' sind extrem viel Radl gefahren" und hätten dabei auch die Hofläden bewusster wahrgenommen. Die Nachfrage sei vor allem beim regionalen Fleisch spürbar gestiegen. Das sei schon vorher sehr beliebt gewesen, aber während der Corona-Krise habe man gespürt, dass die Kunden sensibler für das Thema Tierwohl geworden seien. Das habe definitiv auch mit den Zuständen in einigen großen Schlachtbetrieben zu tun, über die in jüngerer Zeit vermehrt berichtet wurde: "Das hat keiner vorher so wahrgenommen", sagte Fürmetz.

Die Inhaber der Hofläden kommen mit ihren Kunden auch ins Gespräch, und Fürmetz sagte, es gehe offenbar auch ganz konkret darum, die kleinen und mittelständischen Bauern zu unterstützen. Ob das auch dauerhaft nun so bleibe, sei jedoch noch nicht absehbar. Gewisse Discounter seien deutlich günstiger als die Lebensmittel im Hofladen. Wenn die Corona-Krise noch länger anhalte und durch Kurzarbeit mehr Leute sparen müssten, könnte sich der Trend wieder umkehren. Aber sie hoffe, dass die Leute weiterhin Wert auf regionale Lebensmittel legen würden.

Auch Mariella und Andreas Fürmetz vom Doislhof in Pretzen haben das festgestellt.

(Foto: Renate Schmidt)

Auch bei der Hofmetzgerei Kronseder in Wambach bei Taufkirchen ist der Umsatz seit Beginn der Corona-Krise gestiegen. Fleisch und Wurst gehe beides gut, auch auf den Bauernmärkten, auf denen sie vertreten sind, sagte Irmgard Kronseder. "Die Leute kochen auch wieder mehr selbst, weil die Wirtshäuser zu hatten." Und es gebe ein großes Interesse daran, wo die Sau herkomme und wie sie gehalten worden sei. "Darauf legen die Leute sehr viel Wert", sagte Kronseder. Gerade im Kontext mit den in Verruf geratenen Großschlachtereien wolle nun jeder genau wissen, dass man nur Betriebe unterstütze, die sich besser um das Tierwohl kümmern würden. Irmgard Kronseder ist der Auffassung, dass dieser Trend zumindest in den nächsten Monaten weiter anhalten werde. Der Urlaub sei heuer in den Hintergrund geraten, viele würden zuhause bleiben und nun mehr Wert aufs Essen legen.

"Wir sind mit dem Ansturm sehr zufrieden", lautet auch das Fazit von Sieglinde Huber vom Finsinger Hofladen. Dort gibt es Eier, Gemüse, Brot und Molkereiprodukte, darunter vor allem eine große Käseauswahl. Bei allen Produkten sei die Nachfrage gut. Und sie bekomme viele Fragen zur Herkunft der Produkte gestellt. "Die Kunden kaufen bewusster ein." Hamsterkäufe habe sie auch zu Beginn der Corona-Krise nicht erlebt: Die Kunden würden Wert auf frische Ware legen. "Wir hatten vorher schon einen guten Kundenstamm", sagt Huber. "Wir haben eine private Stimmung und kennen uns beim Namen." Aber auch auf ihren Hofladen seien nun noch mehr Leute aufmerksam geworden - weil nun viel mehr Radtouren gefahren würden.

Direktvermarkter im Landkreis Erding

Biohof Lex, Emling 17, Bockhorn, Di-Fr 9-11 Uhr und 14.30-18 Uhr, Sa 9-12.30 Uhr, Tel. 08122/4477, www.biohof-lex.de.

Naturlandhof Brandl, Erdinger Str. 18, Reithofen, Do 9-11 und 19.30-20.30 Uhr, Fr 8-11 und 19.30-20.30 Uhr, Sa 14.30-16.30 Uhr, Tel. 08124/910268, www.naturlandhofbrandl.de.

Wendls Hofladen, Harlachen 6, Neuching, Do 15-17 Uhr, Sa 9-11 Uhr, Tel. 08121/61696, www.hofladen-neuching.de.

Biogeflügelhof Graf, Kögning 21a, Steinkirchen, Tel. 08084/41339, www.biogefluegel-graf.de.

Hofgärtnerei Barbara Franzl, Oberkorb 1, Dorfen, Di 9-12 Uhr, Do 9-18 Uhr, Sa 9-12 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 08086/1371.

Doislhof, Tannenstr. 34, Erding-Pretzen, Mo-Sa 7-20 Uhr, Tel. 08122/2288111, www.doislhof.de.

Erdbeeren & Himbeeren & Freilandeier Ippisch, Fliederweg 13, Oberding, Tel. 08122/20916, www.erdbeeren-ippisch.de.

Hupferhof, Familie Wachinger, Erdingermoos Str. 3, Notzing, mit Bedienung Mo-Sa 7-20 Uhr, Selbstbedienung rund um die Uhr.

Deangerhof, Mühlanger 3, Notzing, Selbstbedienung zu den üblichen Öffnungszeiten, Tel. 08122/41894, www.ippisch-georg.de.

Martls Haselnuss Shop, Urtelweg 8, Moosinning, Mo-Sa 9-18 Uhr, Tel. 0171/8506672, www.martls-haselnuss-shop.de.

Wolfgang Schmid, Obere Hauptstr. 16, Eitting, Mo 8-13 Uhr, Fr 8-18 Uhr, Sa 8-13 Uhr, Tel. 08122/42986.

Finsinger Hofladen, Geltinger Str. 20, Finsing, Do und Fr 9-18 Uhr, Sa 9-12 Uhr, Tel. 08121/79680.

Hofkäserei Hodersberg, Hodersberg 1, St. Wolfgang, nach Vereinbarung, Tel. 08085/331, www.hofkaeserei-hodersberg.de.

Franz Gaßner, Erdinger Str. 44, Moosinning, Mo-Sa 8-12 Uhr, Mo-Do 16-18 Uhr, Fr 13-18 Uhr, Tel. 08123/4455, www.gassner-moosinning.ibk.me.

Stanglhof, Stalleringer Str. 12, Wörth, Selbstbedienungstheke, Tel. 08122/6802, www.bauernhofeis-stangl.de.

Christine Deutinger, Kartoffeln, Herzogstr. 29, Langenpreising, August bis April bei Anwesenheit mit Bedienung, sonst Selbstbedienung, Tel. 08762/2730.

"Beim Hoizmann", Holzmann 1, Dorfen, Mo-Do und Sa 8-18 Uhr, Tel. 08082/366.

Pürstlinger Hofladen, Pürstling 1, Dorfen, Do 8-19 Uhr, Fr 8-12 Uhr, Sa 9-12 Uhr, Tel. 08081/2028.

Biohof Fritz Kratzer, Neuharting 3, Dorfen, Sa 9-12 Uhr, 08081/2166.

Hofmetzgerei Kronseder, Wambach 26, Taufkirchen, Fr 12-18 Uhr, Sa 8-12 Uhr, Tel. 08084/8731, www.hofmetzgerei-kronseder.de.

Imkerei Schwarzer, Oberhausmehring 4, Dorfen, Mo-Do 17-19 Uhr, Fr 15-19 Uhr, Sa 9-15 Uhr, Tel. 08081/3540, www.imkerei-schwarzer.de.

Wildspezialitäten Heigl, Haselbach 22, Bockhorn, Mo-Do 16-20 Uhr, Sa 8-12 Uhr, Tel. 08122/42929, www.wild-heigl.de.

Bauernmarkt Erding, im Bauernhausmuseum, Taufkirchener Str. 24, Freitag 12-16.30 Uhr.

Bauernmarkt Dorfen, im Forsterstadl, Flutkanal 1, Freitag 11.30-16 Uhr.

Vilstaler Bauernmarkt, Bahnhofstr. 11, Moosen, Freitag 10-16 Uhr.

© SZ vom 11.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite