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Elektromobilität:In München startet ein Verleihsystem für Elektro-Roller

Die Ausleihe der Roller erfolgt über eine Smartphone-App.

(Foto: Sina Scherer)
  • Der Berliner Anbieter Emmy hat in München 50 E-Leihroller aufgestellt.
  • Für das regelmäßige Aufladen der Roller mit Ökostrom ist die Green City Energy AG verantwortlich.
  • Oberbürgermeister Dieter Reiter befürwortet das Projekt vor allem als Alternative zu den vielen luftverschmutzenden Fahrzeugen in München.

Früher, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), sei er selbst auch Motorrad gefahren. Aber das sei lange her, deshalb werde er auch die neuen Elektroroller, die der Berliner Anbieter Emmy in München aufgestellt hat, nicht nutzen. Er wolle die aus 50 Fahrzeugen bestehende Flotte nicht gleich von Anfang an dezimieren.

Am Mittwoch hat die Green City Energy AG das neue Angebot an Leihrollern vorgestellt. Green City arbeitet mit den Berlinern zusammen und sorgt dafür, dass die E-Roller regelmäßig aufgeladen werden, und zwar mit Ökostrom. Und zur Präsentation haben sie auch Reiter eingeladen, der für das umweltfreundliche Sharing-Modell warb. Das Angebot sei ein "weiteres Mosaiksteinchen" auf dem Weg zu einer sauberen Mobilität. Die Roller böten eine gute Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, und er hoffe, dass die Flotte gut von den Münchnern angenommen werde.

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Um das Ziel zu erreichen, die Münchner Luft endlich sauberer zu bekommen, sind dem OB Alternativen zum eigenen Fahrzeug, die die Zahl der Autos in der Stadt verringern können, lieber als Fahrverbote. Über Letztere will Reiter derzeit nicht spekulieren. Er schließt aber nicht aus, dass die Fahrverbotsdebatte nächstes Jahr wieder in Gang kommen könnte, wenn die Stadt es mit anderen Maßnahmen nicht schafft, die Emissionen zu verringern.

Die neuen Roller können zumindest helfen, Abgase in der Innenstadt zu reduzieren. Zwar haben sie eine Reichweite von 100 Kilometern, das Geschäftsgebiet ist aber relativ eng. Es umfasst im Wesentlichen die an das Zentrum angrenzenden Stadtbezirke, einen Ausreißer im Süden bildet der Tierpark Hellabrunn. Eine Karte des Gebiets ist im Internet unter emmy-sharing.de zu finden.

Ähnlich wie beim Motorroller-Anbieter scoo.me oder Carsharing-Firmen wie DriveNow oder Car2Go erfolgt die Ausleihe der Roller über eine Smartphone-App. Über diese lassen sich die Scooter orten, reservieren, und entsperren. In jedem der roten Fahrzeuge, die im Stil der früheren "Schwalben" aus DDR-Zeiten designt sind, sind im Gepäckfach zwei Helme in zwei unterschiedlichen Größen. Damit sich niemand ekeln muss, sind dort auch "Hygienehauben" zur einmaligen Benutzung zu finden. Die Registrierung kostet einmalig zehn Euro. Eine Fahrt 19 Cent pro Minute respektive 59 Cent pro Kilometer, wenn man wegen Staus nur langsam vorankommt. Der für die jeweilige Fahrt günstigere Tarif wird automatisch abgerechnet.

Die E-Schwalbe wird sicher ihre Fans finden, denn das lautlose Dahingleiten ist angenehm, und mit vier Kilowatt Leistung (entspricht knapp fünfeinhalb PS) ist der Abzug bis zur Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern auch ganz ordentlich. Anfang kommenden Jahres will Emmy die Flotte in München erweitern. Benutzen sei besser als besitzen, wirbt OB Reiter für mobile Sharing-Systeme. Bei allem Lob hat er aber nicht für alle Anbieter nur gute Worte.

Bekanntermaßen drängen derzeit mehrere Unternehmen aus Fernost mit Leihrädern auf den Münchner Markt. Die gelben Räder von Obike, einem Startup aus Singapur, sind schon überall in der Stadt zu sehen und verstopfen vielerorts, da ungenutzt, die Fahrradständer. "Meine Begeisterung hält sich in Grenzen", sagt denn auch Reiter über die Bikes. Die Räder stehen vor allem auch in der Kritik, weil beim Fahren sämtliche Bewegungsprofile des Kunden aufgezeichnet werden. Eine rechtliche Handhabe dagegen vorzugehen, habe die Stadt aber nicht.

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