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Elektromobilität:Deswegen sind E-Auto-Besitzer genervt

Schon besetzt: Der Platz vor den Ladestationen wird oft zum Parken zweckentfremdet.

(Foto: Andreas Schubert)
  • Die Stadt München fördert E-Autos - doch dazu müssen auch die Ladestationen weiter ausgebaut werden.
  • Bis dahin dürften E-Auto-Besitzer weiterhin oft genervt sein: Aufladen ist nicht leicht bis unmöglich, wenn Fahrer normaler Autos die Parkplätze vor den Ladestationen belegen.
  • Noch immer scheuen sich viele, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Von Andreas Schubert

Elektromobilität ist ein Thema, an dem man in München nicht mehr vorbeikommt. Die Stadt hat 11,6 Millionen Euro an Mitteln freigesellt, um das abgasfreie Fahren zu fördern. So sollen allein dieses Jahr 100 neue öffentliche Ladestationen der Stadtwerke (SWM) aufgestellt werden, 34 davon stehen bereits.

Weil die meisten Stationen mehrere Ladepunkte haben, soll es bis Ende des Jahres etwa 250 solcher elektrischer Zapfsäulen geben. Doch das ist laut Alexandra Volkwein von den SWM "noch nicht das Ende der Fahnenstange". Noch vor der Sommerpause komme das Thema noch einmal in den Stadtrat. Dann, sagt Volkwein, die bei den SWM für die Gesamtkoordination beim Thema E-Mobilität verantwortlich zeichnet, sollen weitere Weichen für die emissionsfreie Zukunft auf den Straßen gestellt werden.

Bis dahin müssen diejenigen, die einen der rund 1800 in München zugelassenen E-Wagen fahren, in puncto Komfort wohl noch Abstriche machen. Thomas Maxhofer zum Beispiel. Der Besitzer eines Geschäfts am Weißenburger Platz hat sich vor einem Jahr einen elektrisch betriebenen Renault Kangoo als Lieferwagen zugelegt. Doch inzwischen ist der Geschäftsmann einigermaßen genervt von den Umständen, mit denen er als Besitzer eines E-Autos zurechtkommen muss.

Nur einen Steinwurf von seinem Laden, am Rosenheimer Platz wäre zwar eine E-Ladestation mit vier Ladepunkten. Doch die dazugehörigen Stellplätze sind, wie er sagt, zuweilen nicht nur von Elektroautos belegt. Fahrer normaler Autos ignorieren oft, dass die vier Parkplätze für E-Autos zum Aufladen reserviert sind. Und so ist es schon mal vorgekommen, dass der Kangoo mangels einer freien Ladestation fast leer war. Der verzweifelte Versuch, den Wagen auf dem Gehsteig vor dem Geschäft mit einem Verlängerungskabel aufzuladen, scheiterte an der Polizei. Und in der Tiefgarage, in welcher der Lieferwagen einen Stellplatz hat, gibt es keine solche Ladestation.

Maxhofer zweifelt deshalb daran, dass sich wegen der aus seiner Sicht noch mangelhaften Lademöglichkeit in der Stadt die Wende zum Elektromobil so leicht hinbekommen lässt. Und dennoch fährt er seinen Stromer mit Überzeugung - auch wenn er für das Laden an normalen Ladesäulen schon mal bis zu fünf Stunden braucht. Selbst an einer Schnellladesäule dauert es bei den meisten Modellen zirka 30 Minuten, wenn die Batterie leer ist.

Maxhofer dürfte nicht der einzige Elektro-Pionier sein, der noch mit Widrigkeiten zu tun hat. Das will die Stadt ändern. Seit diesem Jahr gilt: Wer auf seinem Privatgrund eine Schnellladestation baut, bekommt dafür bis zu 5000 Euro Zuschuss. Seit 1. Januar wurden im Rahmen des Förderprogramms Elektromobilität insgesamt 29 Ladepunkte beantragt . Dazu kommen weitere 168 Normalstationen aus dem Jahr 2016 .

Expertenforum

Im Rahmen des Fachtags "Elektro-Mobilität" mit Vorträgen, Ausstellung und Probefahrten bietet das "Bauzentrum München" des Umweltreferats am Samstag, 8. Juli, von 9 bis 13 Uhr auch ein spezielles Forum für Fachleute aus der Bau- und Immobilienbranche sowie für Wohnungseigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen an. Dabei geht es insbesondere um bauliche und technische Rahmenbedingungen, die für einen weiteren Ausbau der Elektromobilität wesentlich sind. Behandelt werden unter anderem Fragen wie die Regeln der Technik bei der Elektroinstallation, der Datenschutz, die optimale Ladeinfrastruktur oder die Auswahl der richtigen Fahrzeuge. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Anwendung der Ladesäulenverordnung (LSV) und der VDE-Vorschriften. Anmeldung: bauzentrum.rgu@muenchen.de, Fax: (089) 54 63 66-25. schub

Wer sich außerdem einen Elektroroller oder ein Lastenpedelec, also ein Lastenrad mit elektrischer Unterstützung, zulegt, bekommt bis zu 1000 Euro Zuschuss. Wer dafür nachweislich ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verschrottet, bekommt außerdem bis zu 1000 Euro Abwrackprämie.

Doch noch immer scheuen sich viele, sich einen Stromer zuzulegen. Gegenargumente sind oft die geringe Reichweite, der hohe Anschaffungspreis und - vor allem - die immer noch ausbaufähige Lade-Infrastruktur. Im Zusammenhang mit Elektromobilität ist oft vom "Henne-Ei-Problem" die Rede: Was braucht es zuerst? Die Nachfrage, also die Autos, damit es sich lohnt, Ladestationen zu bauen? Oder erst einmal ausreichend viele Ladestationen, damit die Leute überhaupt auf die Idee kommen, sich einen Stromer anzuschaffen?

Aktuell stehen den Elektrofahrzeugen 55 Ladesäulen der SWM mit 117 Ladepunkten zur Verfügung, dazu kommen laut Volkwein etwa 80 öffentlich zugängliche Ladestationen anderer Anbieter, die zum Beispiel in öffentlichen Parkhäusern oder vor Supermärkten installiert sind. Gezielt suchen lassen sich die Stationen im Internet unter anderem auf den Seiten swk.de, Bennet.org oder goingelectric.de.

Bis Ende des Jahres wollen die SWM weitere 66 Ladestationen errichten, insgesamt sollen so Ende des Jahres etwa 250 SWM-Ladepunkte zur Verfügung stehen. Nach Auskunft der SWM sollen 2018 zudem weitere 33 Stationen plus zehn sogenannte Multicharger mit Schnelllademöglichkeit entstehen. Auch Alexandra Volkwein spricht vom "Henne-Ei-Problem". Am einfachsten wäre es ihrer Meinung nach, wenn es dort, wo die Autos am häufigsten stehen - am Arbeitsplatz und zu Hause - Lademöglichkeiten gäbe. Denn in der Stadt stünden die Autos ohnehin mehr herum, als dass sie bewegt würden. "Das sind keine Fahrzeuge, sondern eher Stehzeuge."

© SZ vom 12.06.2017/ebri
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