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Bürgermeister im Landkreis:Vom Rathaus-Chefsessel zu Fuß bis zum Dachstein

(Foto: Christian Endt)

Für acht Bürgermeister im Kreis Ebersberg geht die Zeit in der Politik zu Ende. Auf manche wartet eine lange To-do-Liste - auf andere eine anspruchsvolle Wegstrecke.

Wenn Staatsfrauen und -männer abtreten, gönnen sie sich oft erst einmal einen ausgedehnten Urlaub, sie setzen sich an ihre Memoiren oder arbeiten einfach für die Autolobby weiter. Was aber machen unsere Bürgermeister im Landkreis, die sich beispielsweise aus Altersgründen im Frühjahr 2020 nicht mehr zur Wahl stellen? Wie erleben sie ihre letzten Monate im Amt, worauf freuen sie sich, was werden sie vermissen von ihrer Zeit in der Kommunalpolitik? Die SZ Ebersberg hat nachgefragt.

Eine Wanderung der besonderen Art hat etwa der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) geplant, sobald er in Rente ist. "Ich möchte Mitte Mai allein wandern gehen, von Ebersberg am Chiemsee vorbei bis zum Dachstein in Österreich und wieder zurück. Das habe ich mir fest vorgenommen." Für die etwa 500 Kilometer lange Strecke plane er einen Monat ein. "Das ist fast eine Art Wallfahrt für mich", so Brilmayer. "Ich mache das auch aus Dankbarkeit dafür, dass das eine gute Zeit war." Auf der Strecke kommt Brilmayer an Orten vorbei, die in der Vergangenheit wichtig für ihn waren, etwa wegen früherer Urlaube oder Ereignissen wie einer Herzoperation in Vogtareuth. "Ich war immer sehr gern Bürgermeister, auch jetzt noch", sagt er. "Trotzdem freue ich mich sehr auf den Ruhestand." Im Frühling werde er 68 Jahre, da spüre man schon, dass man sich im Laufe der Jahre in gewisser Hinsicht verbraucht habe. Er sehe auch, dass dieses Amt in Ebersberg einen jungen Bürgermeister brauche, mit neuen Ideen, mit anderen Stärken sowie mit anderen Schwächen. Doch bis zum Stabswechsel freut sich Walter Brilmayer noch auf zwei besondere Höhepunkte des Ebersberger Gemeindelebens: die Bürgerversammlung Ende November und den Neujahrsball.

8 Bürgermeister

müssen im April 2020 definitiv die Rathausschlüssel abgeben, sie dürfen oder wollen nicht noch einmal kandidieren. Elf streben eine weitere Amtszeit an, zwei haben sich öffentlich noch nicht definitiv geäußert.

Udo Ockel (CSU), Bürgermeister von Kirchseeon, erlebt derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Nach 18 Jahren verlässt er das Rathaus und wird damit länger als jeder seiner Vorgänger im Amt gewesen sein. "Einerseits freue ich mich wirklich", sagt er, "aber es hinterlässt nach so langer Zeit natürlich auch Wehmut." Sein Amt als Bürgermeister habe er immer als unwahrscheinlich erfüllend empfunden. Trotzdem, so Ockel, sei es die richtige Entscheidung für ihn gewesen aufzuhören, auch für seine Familie. Mit Blick auf die nächsten Monate nennt Udo Ockel zwei größere Vorhaben, die er gerne noch abschließen würde: Zum einen den Verkauf von Teilflächen des ehemaligen Bundeswehrgeländes an der Waldbahn. Zum anderen ein Großprojekt, das Ockel persönlich am Herzen liegt: "Ich würde mich sehr freuen, wenn ich das neue Kinderhaus noch aufsperren könnte", sagt er. Die Kinderbetreuungsstätte am Spannleitenberg hätte ursprünglich im Herbst 2018 eröffnet werden sollen; durch eine Reihe von Pannen hatte sich die Eröffnung jedoch immer wieder verschoben. Doch auch wenn er im Frühjahr den Schlüssel fürs Rathaus abgibt, muss Udo Ockel sich künftig nicht vor Langeweile fürchten - denn Daheim wartet bereits ein Arbeitsprogramm. Ockel, der nach eigenem Bekunden viel selber am Haus macht, erklärt: "Meine Frau hat schon eine lange To-do-Liste vorbereitet."

Der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer wird im Mai 2020 die Wanderausrüstung herausholen, der Dachstein ist sein Ziel.

(Foto: Privat)

"Es ist tatsächlich so, dass ich heuer 67 Jahre alt werde", sagt der Vaterstettener Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) und klingt dabei so, als würde er es selbst nicht ganz glauben. Eine weitere Kandidatur war für ihn aus Altersgründen nicht möglich. Sein Amt habe er gern ausgeübt, sagt Reitsberger: "Interessant war es für mich, Wünsche aus der breiten Bürgerschaft aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen." Schubladen habe er zwar noch nicht geräumt, aber er sei bereits dabei, seine Amtszeit so gut wie möglich zu dokumentieren und dann dem Archiv zu übergeben. "Die Ordner sind gefüllt", sagt Reitsberger. Weiterhin will er sich auch mit der Ortsgeschichte Vaterstettens beschäftigen, wie zum Beispiel die Chroniken alteingesessener Familien der Gemeinde aktualisieren und archivieren, denn da gibt es, so Reitsberger, großen Nachholbedarf. Auch die neue Freiheit wird nichts an seiner Heimatverbundenheit ändern: "Ich bin mit Sicherheit keiner, der dann große Weltreisen macht", erklärt er. Wie auch - bei dem straffen Programm, das noch auf ihn wartet: Sein Betrieb will vollends übergeben werden, bei dem Reitsberger jedoch dann nach wie vor als Altenteiler beschäftigt ist, und auch das Schnapsbrennen wird er weiter betreiben. Und: "Viele werden mich nach wie vor mit dem Traktor auf dem Reitsberger Erlebnishof herumfahren sehen."

Georg Reitsberger, Vaterstettener Bürgermeister, hat endlich wieder Zeit zum Schnapsbrennen.

(Foto: Christian Endt)

Ein straffes Programm der anderen Sorte wartet auf Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im nächsten Frühling: Tasmanien, einen Teil von Neuseeland, Kuba und die Alte Seidenstraße will er in seiner neu gewonnenen Freizeit bereisen. "Bevor ich Bürgermeister wurde, wollte ich schon immer mal nach Tasmanien", sagt er. Diesen Wunsch will er sich nun im Herbst nächsten Jahres erfüllen. Mit dem Ausmisten hat er noch nicht begonnen, so Hohmann, denn für die Übergabe an seinen Nachfolger habe er den ganzen April 2020 über Zeit. Trotzdem sei bereits die Vorbereitung der Besetzung der Ausschüsse und weiterer Gremien sowie die Überarbeitung der Geschäftsordnung des Marktgemeinderates in Angriff genommen, sagt Georg Hohmann: "Damit der neue Bürgermeister und der Rat auch gleich problemlos mit der Arbeit beginnen können."

Der Markt Schwabener Rathauschef Georg Hohmann, der auch ein begeisterter Radler ist, will Tasmanien erkunden.

(Foto: Christian Endt)

Ein letztes Mal den Christkindlmarkt in Anzing eröffnen, der in seiner Amtszeit eingeführt wurde - darauf freut sich Bürgermeister Franz Finauer (FW). Gerne würde er in den nächsten Monaten auch noch den Grundstein für das geplante Kinderzentrum legen. "Natürlich beende ich meine Amtszeit mit einer gewissen Wehmut", so Finauer. Aber es überwiege die Freude über das, was er in seinen zwölf Jahren als Erster Bürgermeister zusammen mit den Gemeinderäten erreicht habe. Angst vor der Leere danach? Die kenne er nicht, sagt Finauer und lacht. "Ich habe ja schon einen Job", sagt er. Als Vorsitzender des Meisterprüfungskommission für Schreiner der Handwerkskammer München-Oberbayern ist er bereits seit Januar unterwegs. "Ich werde mich in der Nachbarschaftshilfe oder in Sachen Senioreneinrichtung einbringen", so Franz Finauer. Außerdem habe er elf Enkelkinder, die müssten auch zu Musikunterricht und Sportvereinen kutschiert werden. Vielleicht werde er mit seiner Frau eine Radreise unternehmen, sagt Finauer, zum Beispiel an der Elbe entlang: "Aber ich mach mir keinen Stress; auch nicht, was den Urlaub angeht."

Keinerlei Zeit für Wehmut hat Albert Hingerl (SPD), Bürgermeister von Poing. "Ich hab einen vollen Tag wie immer", sagt er. "Es gibt kein Ausschleichen." Vielleicht kämen die Abschiedsgedanken an den Weihnachtstagen, mutmaßt Hingerl. Auch über Pläne nach der Zeit im Rathaus habe er noch nicht nachgedacht. "Man redet manchmal in der Familie drüber", sagt Hingerl. "Aber ich werde das entscheiden, wenn es soweit ist." Eines wisse er aber schon mal mit Sicherheit: Er werde dann, nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt, mehr Zeit für sich haben.

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