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Badeseen im Landkreis Ebersberg:"Wir wollen uns nicht verbarrikadieren"

Am Steinsee in Moosach ist Baden derzeit nur in speziell markierten Bereichen erlaubt.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Am Moosacher Steinsee ist der Zugang seit Anfang der Woche stark eingeschränkt. Andere Gemeinden im Kreis Ebersberg wehren sich gegen solch drastische Maßnahmen.

Der Steinsee in Moosach liegt an einem Naturschutzgebiet mitten im Wald. Doch etwas stört nun diese Idylle: Absperrketten wurden am Ufer angebracht, die Wasserrutsche und der Sprungturm wurden abgebaut und der Zugang zum See massiv eingeschränkt.

Der Steinsee in Moosach ist ein gutes Beispiel dafür, welch drastische Sicherheitsmaßnahmen viele Seen in Bayern derzeit treffen. Im Landkreis Ebersberg gehen die Gemeinden mit der Situation unterschiedlich um. Die einen bauen Badeinseln ab, die anderen setzen auf den Verstand und die Eigenverantwortung der Badegäste. In einem sind sich jedoch alle einig: Passieren kann immer etwas.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs wollen sich viele Gemeinden nun absichern - und erhöhen die Sicherheitsvorkehrungen, denn: Betreiber von Badeseen müssen nun beweisen können, dass sie alles unternommen haben, um Unfälle zu verhindern. Vor zwei Jahren wurde eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz für einen schweren Unfall einer Zwölfjährigen in einem Badesee haftbar gemacht. Das hat für Aufregung gesorgt, viele Betreiber versuchen sich an einem Spagat zwischen übertriebenem Sicherheitswahn und Absicherung - auch im Landkreis Ebersberg.

Am Steinsee in Moosach wurden Absperrungen am Ufer angebracht, die Wasserrutsche und der Sprungturm wurden abgebaut.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Betreiber des Steinsees, Karl-Heinz Wildmoser war am Mittwoch für ein Statement nicht anzutreffen. Auf seiner Homepage gibt er seinen Gästen eine schriftliche Erklärung und bittet um Verständnis: "Die Maßnahmen, die u. a. in Abstimmung mit der Wasserwacht erfolgt sind, dienen Ihrer eigenen Sicherheit".

"Wir sind alle auch so aufgewachsen. Es ist bis jetzt auch nie etwas passiert"

Am Bergfeldsee in Poing vermissen die Badegäste derzeit ihre Badeinsel zum Pausemachen. Die Insel müsste von der Wasserwacht zu den Hauptzeiten beaufsichtigt werden, doch in Poing konnten bis jetzt nicht genügend Freiwillige gefunden werden. Die Badeinsel musste also abgebaut werden. Der Besitzer des Kiosks am Bergfeldsee, Jens Mende, findet das übertrieben: "Wir sind alle auch so aufgewachsen. Es ist bis jetzt auch nie etwas passiert".

Ob die Plattform im Markt Schwabener Badeweiher bleiben darf, muss laut Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) erst noch geklärt werden. Er findet allerdings, man solle sich nicht jeden Lebensspaß verbieten lassen, indem man sich gegen alle Eventualitäten absichert. Ein Zaun ist für den Badeweiher nicht geplant: "Wir wollen uns nicht verbarrikadieren, es wird immer schlimmer". Er sei kein Freund von Einschränkungen, ein Restrisiko gebe es immer, die Gesellschaft müsse mehr Eigenverantwortung übernehmen. Jetzt wird geprüft, ob die Plattform zu den Hauptbadezeiten bewacht werden kann - wenn nicht, wird auch sie verschwinden müssen.

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Viele Ebersberger fragen sich nun, was mit ihrem Sprungturm am Klostersee passiert. Der Geschäftsführer des Rathauses, Erik Ipsen, gibt Entwarnung: "Es wird keine Änderungen geben, der Sprungturm wird stehen bleiben". Das Wasser sei "sau tief", die Treppen seien in Ordnung: es gebe keinen Anlass den Turm wegzunehmen. "Bei uns bleibt der Spaß", so Ipsen weiter. Er hofft, dass die Badegäste mit Vorsicht springen, davon dürfe man aber durchaus ausgehen.

Auch der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer kritisierte kürzlich in seiner Feuerrede am Tag der Sommersonnenwende den aus seiner Sicht übertriebenen Sicherheitswahn der Gesellschaft: "Übertriebene Sicherheitsvorschriften schränken unsere Freiheit ein". Die Verhältnismäßigkeit müsse passen. Eine Umzäunung des Ebersberger Klostersees wäre für ihn ein "extremster Auswuchs, der uns Bürgern jedes eigene Denken, jedes Gefahrenbewusstsein und damit jede Verantwortung abspricht".

Der Kastensee in Glonn hat zwar schon immer einen Zaun, allerdings nicht aus Sicherheitsgründen, sondern wegen des Eintrittsgeldes. Eigentümer des Sees ist der Landkreis Ebersberg. Verbotsschilder für große Schlauchboote und Stand-Up-Paddler wurden zwar aufgestellt, weitere Sicherheitsvorkehrungen sind laut der Pressesprecherin des Ebersberger Landratsamts nicht geplant. Rutschen, Sprungtürme oder schwimmende Badeinseln gibt es ohnehin nicht in Glonn. "Natürlich muss jeder seinen eigenen Kopf benutzen", so die Pressesprecherin weiter, dennoch wird bald über Hinweisschilder zu Gefahren beim Schwimmen diskutiert. Die Wasserwachten im Landkreis, so die Sprecherin, betreiben zudem gute Aufklärungsarbeit an Schulen.

Sonja Reiser von der Wasserwacht in Glonn lässt trotz der Schilder manchmal Kinder mit Luftmatratzen oder Schlauchbooten auf den See. Sie warnt davor, den Kindern den Spaß im Wasser zu nehmen. "Sie sollen ja motiviert sein, schnell und gut schwimmen zu lernen", erklärt sie am Mittwoch. Reiser verstehe aber, dass die Badbetreiber die Verantwortung nicht übernehmen wollen, falls doch etwas passiert - denn passieren kann immer etwas.

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