Drittligaspiel Hooligans schlagen Polizisten krankenhausreif

  • Vor und während dem Spiel von 1860 München gegen den Halleschen FC ist es zu massiven Ausschreitungen gekommen.
  • Bei der Ankunft der Gäste-Fans wird einem Polizisten derart ins Gesicht geschlagen, dass er mit Nasenbeinbruch ins Krankenhaus muss. Im Stadion werden Beamte mit Flaschen und Bechern beworfen.
  • Sieben Hooligans werden festgenommen.
Von Martin Bernstein

Fußball-Hooligans des Halleschen FC haben am Samstag vor, während und nach dem Drittligaspiel gegen den TSV 1860 München (Endstand 1:1) in der Stadt, in der U-Bahn und im Stadion an der Grünwalder Straße randaliert. Bei den Ausschreitungen wurde ein Polizist krankenhausreif geschlagen. Sieben Hooligans wurden festgenommen - einer von ihnen, weil er den Hitlergruß gezeigt hatte.

Die Fans aus Sachsen-Anhalt hatten alle 1500 Karten des ihnen zustehenden Gäste-Kontingents gekauft. Laut Münchner Polizei hatten sich sogar noch rund 200 Fans mehr auf den Weg nach München gemacht. Einigen von ihnen ging es erkennbar nicht um Fußball. Schon am Hauptbahnhof, an dem der Sonderzug aus Halle gegen 12.20 Uhr ankam, ereignete sich ein erster folgenschwerer Zwischenfall.

Sportticker Polizei warnt vor neuem Hooligan-Problem
Bundesliga

Polizei warnt vor neuem Hooligan-Problem

Die Gewerkschaft spricht von einer "Renaissance der Gewalt" außerhalb von Stadien. Dynamo Dresden wirft den Trainer raus.   Sportmeldungen im Überblick

Die Gäste drängten am Bahnsteig des eigens eingerichteten U-Bahn-Sonderzugs derart, dass die Polizisten erstmals an diesem Nachmittag eingreifen mussten, um eine Gefahr zu verhindern. Als sie versuchten, die Halle-Fans zurückzudrängen, schlug einer der Hooligans einem Polizisten ins Gesicht. Der Beamte musste mit gebrochener Nase ins Krankenhaus gebracht werden. Auch auf dem Weg zum Stadion und am Gästeeingang waren die Fans aus Halle nur mit Mühe zu bändigen.

Während des Spiels wurden aus dem Gästeblock Flaschen und Becher auf Polizeibeamte geworfen. Das USK griff ein und holte mehrere Halle-Anhänger aus deren Tribünenteil. Mindestens vier Körperverletzungsdelikte wurden registriert. Halle-Ultras blockierten Treppen und Fluchtwege und zündeten verbotene Pyrotechnik. Insgesamt sieben Tatverdächtige im Alter von 24 bis 47 Jahre wurden wegen Körperverletzung, Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen festgenommen. Mindestens ein Halle-Fan zeigte während der Ausschreitungen den Hitlergruß. In der Vergangenheit sind Halle-Ultras und Hooligans, insbesondere der Fangruppierung "Saalefront" und ihrer Jugendgruppe, immer wieder durch Gewalt sowie durch rassistische und antisemitische Parolen und Aktionen aufgefallen.

Auch der Abpfiff beendete die Randale am Samstag nicht. Obwohl erneut eine eigene Sonder-U-Bahn für sie bereit stand, brachten die Halle-Anhänger den öffentlichen Nahverkehr komplett durcheinander. Sie stoppten ihren Zug per Nothalt und benutzten an drei Stellen Feuerlöscher. Verzögerungen bis zu 30 Minuten im U-Bahn-Verkehr waren die Folge.

Was in der Fan-Szene für besondere Empörung sorgen dürfte: Einem Anhänger der Münchner Löwen wurde gegen 17.30 Uhr von Halle-Anhängern der Vereinsschal geraubt. Auch während des Abmarschs flogen Flaschen gegen die mehr als 200 Polizeibeamten, die ihren Einsatz erst gegen 18.40 Uhr beenden konnten. Und die wohl schon mit Sorge und Ärger auf den 30. März vorausblicken: Dann nämlich gastieren der Hallesche FC und seine Anhänger bei der Spielvereinigung Unterhaching.

Fußball "Gewalt ist keine Pflicht"

Ultras im Fußball

"Gewalt ist keine Pflicht"

Ultras sorgen in den Fußballstadien für Stimmung - oder für Randale und Kopfschütteln. DFB-Präsident Grindel fürchtet ihren Protest, mit den Verbänden reden sie nicht mehr. Stephan Schell, Vorsänger von Kölns Südkurve, erklärt ihre Anliegen.   Interview von Sebastian Fischer