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Stadtrat Dachau:"Schnellschuss des Freistaats"

Coronavirus - Fernunterricht am Laptop

Für Homeschooling brauchen nicht nur die Schüler, sonder auch die Lehrer Laptops und Tablets.

(Foto: dpa)

Die Stadt soll für die Landesregierung Dienstlaptops für Lehrer besorgen. Doch das zur Verfügung gestellte Geld reicht nicht

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Wenn der Inzidenzwert weiter steigt, könnten die Schulen im Landkreis Dachau wieder in den Distanzunterricht wechseln. Doch beim Homeschooling hakt es nach wie vor. Eines von vielen Problemen: An einigen Bildungseinrichtungen fehlen technische Geräte, um digitalen Unterricht zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund soll die Stadt Dachau nun im Auftrag des Freistaates 114 Dienstlaptops und -tablets für die Lehrkräfte an den sechs Dachauer Grund- und Mittelschulen beschaffen. Dafür stellt der Freistaat im Rahmen seiner "Richtlinie - Sonderbudget Lehrdienstgeräte" (SoLD) 114 000 Euro zur Verfügung, also 1000 Euro pro Gerät.

Bei der Stadt Dachau und den örtlichen Schulen hält sich die Freude darüber gleichwohl in Grenzen. 114 Geräte reichen aus Sicht der Stadt und den Bildungseinrichtungen nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Nach Angaben der Stadtverwaltung braucht es mindestens 167 Geräte, um alle Lehrkräfte und Lehramtsanwärter im zweiten Jahr technisch auszustatten. Die Schulen selber rechnen sogar mit einem Bedarf von 178 Laptops und Tablets. Die Stadtverwaltung spricht daher von einem "Schnellschuss des Freistaates".

Die Stadt Dachau sieht mehrere Probleme. Einerseits decken die 114 Geräte weniger als zwei Drittel des gesamten Bedarfs. Andererseits genügt es aus Sicht der Stadtverwaltung nicht, nur Geld für die Beschaffung der Geräte zu geben. Wenn die Laptops und Tablets einmal da sind, ist stetiger technischer Support nötig, für den die Schulen aber laut der Regierung von Oberbayern nach aktuellem Stand keinen Etat bekommen. Die Stadt könne diese technische Unterstützung nicht leisten, so die Verwaltung. Diese verweist zudem auf das rasante Bevölkerungswachstum in Dachau. Wenn mehr Kinder in die Dachauer Schulen gehen, brauchen diese auch mehr Lehrkräfte. Damit werde die "Diskrepanz zwischen den zu wenig bewilligten und tatsächlich benötigen Geräten noch größer", so die Stellungnahme der Verwaltung.

Die Stadt Dachau ist mit ihrer Kritik an der Förderrichtlinie nicht allein. Der Bayerische Städtetag appellierte bereits Mitte Februar in einem Rundschreiben an die Kommunen als Sachaufwandsträger, über das vom Freistaat bereit gestellte Geld keine weiteren Mittel einzusetzen. Schließlich würden die Kommunen bei der Beschaffung der Lehrerdienstgeräte nur "im Auftrag des Freistaates Bayern" handeln. Die Kommunen sind zwar Sachaufwandsträger der Grund- und Mittelschulen, die Lehrkräfte sind aber angestellt beim Freistaat Bayern.

Die Stadträte behandelten das Thema in der Sitzung des Ferienausschusses, das Gremium tagte in Vertretung des Stadtrates. Schulreferentin Katja Graßl (CSU) regte an, dass die Stadt versuchen sollte, mit dem gleichen Geldbetrag mehr Geräte zu kaufen. Schulamtsleiter Max Haberl sieht allerdings wenig Spielraum. Er sagte, man habe den Markt bereits gründlich ergründet. Zudem sollte die Stadt umgehend die Laptops und Tablets beschaffen. "Die Lehrkräfte wollen die Geräte möglichst schnell haben."

Während man an den Dachauer Schulen auf die neuen Laptops und Tablets für die Lehrer noch ein wenig warten muss, sind zumindest inzwischen Co₂-Messmaschinen an den städtischen Bildungseinrichtungen eingetroffen. Darüber informierte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in der Ferienausschusssitzung. Die Geräte sollen die Luft in den Klassenzimmern messen. Wird dieses zu stickig, pfeifen die Maschinen und geben damit das Zeichen zum Durchlüften.

© SZ vom 24.03.2021
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