Social Media:CSU-Bürgermeister spuckt Markus Söder in die Suppe

Social Media: Richard Reischl mag gerne Gurkensalat, Buttergemüse und Spätzle. Was sagt das über ihn als Politiker aus?

Richard Reischl mag gerne Gurkensalat, Buttergemüse und Spätzle. Was sagt das über ihn als Politiker aus?

(Foto: Toni Heigl)

Richard Reischl aus Hebertshausen schmeckt es nicht, dass der Ministerpräsident auf Instagram ständig Bilder von seinem Essen postet. Über eine politische Küchenschlacht.

Glosse von Thomas Radlmaier

Der Mensch ist, was er isst. Der Philosoph Ludwig Feuerbach hat diese Weisheit als Erster gesagt. Im 19. Jahrhundert war das, als es sich nur die Bourgeoisie leisten konnte, Fleisch zu essen, während leere Arbeitermägen knurrten. Auf den Tellern lag neben Nahrung also schon immer auch eine Portion Politik. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil, die Politisierung des Essens hat durch Social Media so sehr zugenommen, dass ein Philosoph wie Feuerbach die Gegenwart vielleicht in die Epoche des Post-Futterismus einordnen würde.

Markus Söder ist so ein Bauchpolitiker. Der machthungrige Ministerpräsident führt sich Nahrung zu und sendet dabei Botschaften aus. Unter dem Hashtag "#söderisst" finden sich auf Instagram Bilder vom ganz persönlichen Freiheitskampf des Ministerpräsidenten gegen die grünen Reiter der Nahrungsapokalypse und die drohende Gefahr, dass die Menschheit - Franz Josef behüte! - einmal etwas weniger Fleisch essen könnte.

Da brat mir doch einer ein Hendl

Söder isst den woken Veggie-Wahn metaphorisch auf. Kürzlich verspeiste der CSU-Obelix einen McRib mit Pommes, ein paar Tage davor dinierte er Blut- und Leberwürste aus Niederbayern und am Sankt-Martinstag filetierte er eine Martinsgans mit Knödeln, Blaukraut und Maronen. Als Söder im Wahlkampf im Dachauer Bierzelt auftrat, lagen auf den Tischen Flyer aus. Auf einem wurde für ein Gewinnspiel geworben. Der Preis: eines von 30 Söder-isst-Kochbüchern mit je 25 "Genuss-Rezepten angelehnt an die besten Instagram-Posts von Ministerpräsident Dr. Markus Söder". Da brat mir doch einer ein Hendl, könnten glückliche Buch-Gewinner denken.

Doch diese Art, Politik zu machen, schmeckt Richard Reischl nicht. Der Hebertshausener Bürgermeister ist so etwas wie ein Anti-Söder. In der Vergangenheit kritisierte der CSU-Politiker seinen Parteichef mehrmals für dessen teils scharfe Rhetorik in der Flüchtlingspolitik. In einem Brandbrief erinnerte Reischl die Parteispitze einmal daran, dass das "C" in CSU für "christlich" und das "S" für "sozial" steht.

Jetzt hat es Reischl wieder getan: "#reischlisst - Haltung zeigen wäre besser!", hat er kürzlich auf Facebook geschrieben. Manche "großen Politiker" würden Aufmerksamkeit auf Social Media dadurch erreichen wollen, indem sie einen Einblick geben würden, "was sie alles so zu sich nehmen", schreibt Reischl. Dies sei der Versuch, Sympathie zu erhalten. "Ich finde, es wäre viel einfacher, wenn man eben auch mal Haltung zeigen würde zu gewissen Themen (...) Dafür würde man auch Anerkennung und Respekt erhalten und muss nicht sein (oft bedauernswertes aufgewärmtes) Essen posten." Der Beitrag endet mit: "Guten Appetit". Versehen ist der Post übrigens mit einem Bild von Reischls Abendessen. Zu sehen sind Gurkensalat, Buttergemüse und Spätzle in Töpfen.

Da hat der Reischl dem Söder aber in die Suppe gespuckt, metaphorisch gesprochen. Dabei macht er prinzipiell das Gleiche wie Söder. Wie der Ministerpräsident weiß der Bürgermeister sich auf Social Media in Szene zu setzen. Auch ihm geht es um Aufmerksamkeit. Und auch ihm fliegen mit seinen regelmäßigen Stänkereien gegen die "großen Politiker" die Likes und Herzchen zu. Eine Facebook-Nutzerin kommentiert unter Reischls Post, wie sympathisch sie es finde, dass dieser Töpfe auf den Tisch stelle. Prost, Mahlzeit!

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