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Impfungen und Infektionen:Grandioses Finale des Impfmarathons

Impfschlange Realschule Dachau

Vor der Realschule Dachau bildete sich schon am Sonntagvormittag eine lange Schlange. Die Menschen warteten auf eine Erstimpfung.

(Foto: privat/oh)

In zehn Tagen hat das Gesundheitsamt Dachau alle über 60-Jährigen im Landkreis mit Astra Zeneca gegen das Coronaviurs geimpft

Von Helmut Zeller, Dachau

Am Sonntagabend, die Menschenschlange vor der Realschule Dachau hat sich stark gelichtet, sind die Akteure des Impfmarathons im Landkreis erschöpft - und glücklich. 80 Helfer und Helferinnen haben allein an der kurzerhand zum Impfzentrum umfunktionierten Realschule zum Abschluss der zehntägigen Aktion mitgewirkt, Ärzte und Personal aus den Arztpraxen, Frauen und Männer der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, der Johanniter und andere Ehrenamtliche. Landrat Stefan Löwl (CSU) ist dabei, es war ja seine Idee, und er sagt: "Wir hatten eine Superstimmung unter den Akteuren, und der Impfturbo ist ein gewaltiger Erfolg." Die genauen Zahlen folgen noch. Aber so viel ist jetzt schon klar: In den zurückliegenden zehn Tagen wurde allen über 60-jährigen Landkreisbewohner mehrfach ein Impfangebot gemacht.

Das Ziel der Aktion von 10 000 Impfungen innerhalb von zehn Tagen war bereits am Samstag weit überschritten: 13 000 Menschen waren erstgeimpft, insgesamt haben im Landkreis (Stand: Sonntag) seit dem Impfstart mehr als 34 000 Personen eine Erstimpfung erhalten. Am diesem Montagabend dürfte, wie der Landrat sagt, der Landkreis bei einer Impfquote von mehr als 25 Prozent liegen, ein Ergebnis, das nicht viele bayerische Landkreise vorweisen können. Löwl sagt noch: "Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten, auch den Bürgern und Bürgerinnen." Gemeinsam habe man eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewältigt. Denn eine Impfung gegen das Coronavirus schützt nicht nur einen selbst, sondern auch die anderen. Die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber dem Vakzin des Herstellers Astra Zeneca ist, wie Landrat Löw beobachtete, geschwunden. In fast 50 Fällen in ganz Deutschland war es bei Jüngeren nach der Aufnahme des Impfstoffs zu gefährlichen Thrombosen im Gehirn gekommen, weshalb die Ständige Impfkommission das Vakzin nur noch Menschen über 60 Jahren empfahl. Grundsätzlich können sich aber auch Jüngere nach entsprechender Aufklärung und ärztlicher Entscheidung damit impfen lassen. Zu der breiten Verimpfung des Vakzins von Astra Zeneca war es gekommen, weil der Freistaat Bayern seine Reserven freigegeben hatte. Landrat Löwl hatte mehrere Tausend Impfdosen für den Landkreis gesichert. Er sagte, dass bei keinem in den beiden Impfzentren des Landkreises Geimpften eine der befürchteten Nebenwirkungen aufgetreten sei.

Von neun Uhr an bildete sich am Sonntag vor der Realschule bereits eine Schlange Menschen. Alle impfwilligen Personen über 60 Jahre waren eingeladen, auch ohne eine Impftermin. Vor dem Haupteingang der Schule war am Vortag eine Fläche von 300 Quadratmeter mit Zelten überdacht worden, damit die Wartenden vor möglichen Regenfällen geschützt waren. Die freiwilligen Helfer hatten zehn Registrierungsplätze und zehn Impfplätze im Schulgebäude eingerichtet. Im Einsatz waren neben der Kreisbrandinspektion die Feuerwehren Dachau, Giebing, Haimhausen, Pellheim, Petershausen, Schwabhausen und Vierkirchen mit ihren Logistikfahrzeugen sowie insgesamt 19 Einsatzkräften. Sie leisteten dabei insgesamt 85 Einsatzstunden. Bei der Aktion des Gesundheitsamts wurden auch Dienstleistende der Feuerwehren aus Dachau und Pellheim eingesetzt. Der Abbau der Zeltanlagen ist für Montagnachmittag geplant.

Über das Wochenende ist der Inzidenzwert im Landkreis Dachau erneut gestiegen. Am Sonntagnachmittag lag der Wert bei 152,4. Der Kampf gegen das Virus geht weiter. Via Facebook kritisierte Landrat Löwl vor allem, dass knapp 25 Prozent der Infizierten unter 18 Jahre alt seien. Unverständlich seien für ihn Berichte von Abituriententreffen, "welche gestern auch die Polizei beschäftigt haben", schrieb Löwl am Sonntagmorgen. "Den Wunsch nach gemeinsamen Stunden in dieser - auch ohne Corona - schwierigen und besonderen Zeit kann ich vollkommen nachvollziehen, aber alle Hygienekonzepte und Beschränkungen helfen nichts, wenn man sich am Abend ungeschützt in großen Gruppen trifft. Und keiner will Quarantänefälle in der Abi-Zeit!" Auch niedergelassene Ärzte waren am Sonntag am "Impfturbo" beteiligt und impfen von Montag an wieder Patienten in ihren Praxen, ebenso wie die beiden Impfzentren.

© SZ vom 19.04.2021
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