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Verkehr:Auf dem Weg zum "Radl-Highway" zwischen Dachau und München

Fahrradschnellweg

Eine bei Radfahrern beliebte Route: die Augustenfelder Straße.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Pläne für einen Radschnellweg in die Landeshauptstadt werden konkreter. Er soll über die Augustenfelder Straße durch die Rothschwaige führen. Die Stadträte befürworten die Idee.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Ein Blick in die ferne Zukunft: Ein Pendler steigt morgens in Dachau auf sein Rad. Sein Ziel: die Münchner Innenstadt. Er fährt mit seinem Fahrrad in Dachau die Augustenfelder Straße entlang, passiert geschmeidig die Rothschwaige, in Karlsfeld geht es ohne Hindernisse an der Würm entlang nach München. Die Route führt über die Ludwigsfelder Straße. Nach einem kurzen Abstecher an der B304 biegt der Radler ab in die Dachauer Straße, legt zwischen Königsplatz und Karolinenplatz einen Endspurt hin und kommt schließlich am Stachus an. Der radelnde Pendler muss kaum anhalten, da der Radweg so gut ausgebaut ist. Im Durchschnitt ist er mit 20 Kilometer pro Stunde unterwegs - und damit mit großer Wahrscheinlichkeit schneller als ein Auto im Berufsverkehr.

Das ist Zukunftsmusik. Doch Radschnellwege spielen eine wichtige Rolle in den Überlegungen von Experten und Kommunalpolitikern, wie der Verkehrskollaps vermieden werden kann. Neben dem Pilotprojekt, dem Münchner Radschnellweg, der von der Landeshauptstadt nach Garching führen soll, prüfen Verkehrsplaner weitere Routen, welche die Landeshauptstadt mit dem Umland verbinden sollen. Darunter ist auch der Korridor München-Karlsfeld-Dachau. Nun haben Planungsbüros eine sogenannte "Bestvariante" für einen Radschnellweg von Dachau über Karlsfeld nach München erstellt. Diese verläuft - wie oben dargestellt - in Dachau beginnend ab der Bahnhofstraße über die gesamte Augustenfelder Straße bis zur Rothschwaige in Karlsfeld.

Bei den Dachauer Stadträten, welche die Präsentation der Strecke in der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses zu sehen bekamen, kommen die Überlegungen der Planer sehr gut an. Entscheidend für das positive Feedback der Kommunalpolitiker: Für die Stadt Dachau würden bei der Realisierung des geplanten Radschnellweges kaum Kosten entstehen, da die Stadt bei einer Führung über die Augustenfelder Straße keine teuren Grundstücke kaufen müsste. Nach Ansicht der Stadtverwaltung müsste man lediglich an der Augustenfelder Straße ein paar Verkehrsschilder aufstellen. Denn wenn der Radschnellweg kommt, würde die Augustenfelder Straße zur Fahrradstraße werden. Radfahrer haben auf Fahrradstraßen Vorrang und es ist explizit erlaubt, nebeneinander zu fahren. Autos und andere Kraftfahrzeuge dürfen den Radverkehr weder gefährden noch behindern. Zudem ist die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt, was in der Augustenfelder Straße ohnehin bereits jetzt fast überfall der Fall ist.

Eine große Mehrheit im Umwelt- und Verkehrsausschuss sprach sich für die vorgelegte Variante über die Augustenfelder Straße aus. "Es macht Sinn, mit relativ einfachen Mitteln einen Radschnellweg für Alltagspendler zu schaffen", sagte Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD). Auch Peter Strauch (CSU) begrüßte die Pläne. Es sei sehr gut, dass fast keine Kosten entstünden. Auch mit der Fahrradstraße könne seine Fraktion leben. Nur der AfD-Stadtrat Jürgen Henritzi lehnte das Projekt ab. Der Beschluss ist nur ein erster Schritt. Es wird noch ein langer Weg bis zur Realisierung des Radschnellweges im Landkreis Dachau. Als Nächstes wird sich die Gemeinde Karlsfeld mit der "Bestvariante" befassen.

Radl-Highways sollen vier Meter breit und zweispurig sein. Die Radler können hier mit durchschnittlich mindestens 20 Stundenkilometern unterwegs sein. Im verdichteten Raum wie der Münchner Region funktioniert das aber nur, wenn die Fahrer mittels vieler Unter- und Überführungen sowie Ampelanlagen mit Priorisierung für den Radverkehr Hindernisse wie Kreuzungen zügig überwinden können. Allein dadurch wird der Bau der Schnellwege sehr teuer. Experten schätzen die Kosten für einen Kilometer auf bis zu zwei Millionen Euro. Doch in Bayern ist nach wie vor unklar, wer für Bau, Planung und Unterhalt der Radlautobahnen bezahlen soll: Kommunen, Land oder Bund? Es fehlen klare Zuständigkeiten.

Auch bei der Realisierung des Pilotprojektes, des 23 Kilometer langen Münchner Radschnellweges nach Garching und Unterschleißheim, geht es deshalb eher im Schneckentempo vorwärts. Es gab schon Vergleiche mit dem Berliner Flughafen. Zuletzt kam Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach Garching. Im Gepäck hatte er 2,3 Millionen Euro Fördergeld des Bundes. Der Bau des Radschnellweges soll im Stadtgebiet München voraussichtlich im Jahr 2021 und im Landkreis München 2022 beginnen.

© SZ vom 15.10.2020

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