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Christkindlmarkt:Der "Winterzauber" auf dem Viktualienmarkt ist ein Flop

Es ist wie verhext: Der Winterzauber auf dem Viktualienmarkt zieht die Kunden nicht gerade magisch an.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Das Geschäft beim "Winterzauber" auf dem Viktualienmarkt läuft schlecht.
  • Die städtischen Markthallen wollten den Viktualienmarkt mit dem kleinen Christkindlmarkt im Winter stärker beleben.

Von Franz Kotteder

Die kleine Runde sieht recht gesellig aus. Um einen Stehtisch auf dem Viktualienmarkt haben sich drei Männer und eine Frau versammelt, sie trinken Glühwein und rauchen. Weil die drei Buden drumherum leer sind, ist unschwer zu erraten, um wen es sich hier handelt. "Wie läuft das Geschäft?" Blöde Frage. Einer der Männer lacht nur laut auf: "Des sehen sie ja!"

Ja, das sieht man. Das Geschäft läuft nicht besonders gut beim "Winterzauber" auf dem Viktualienmarkt. 23 kleine Holzbuden haben die Markthallen München, ein Eigenbetrieb des städtischen Kommunalreferats, hier in diesem Jahr zum ersten Mal aufgestellt. Eine davon, sie steht bei der Frauenstraße, ist schon wieder zu, der Pächter hat aufgegeben, weil viel zu wenig Kundschaft kam. So war das eigentlich nicht gedacht. "Die Idee zum Winterzauber entstand", sagt Pressesprecher Bernhard Plank vom Kommunalreferat, "um den Viktualienmarkt auch in den Wintermonaten stärker zu beleben."

Nun ist der Viktualienmarkt selbst im Winter nicht ganz menschenleer, wie jeder weiß, der ihn gelegentlich aufsucht. Ob man aber noch mehr Leute anzieht mit der Sparversion eines Christkindlmarkts, wo doch das Original nur in 150 Metern Luftlinie Entfernung am Marienplatz und am Rindermarkt stattfindet? Und die Gaststätte Pschorr in ihrem Biergarten an der Schrannenhalle den "Alpen-Wahn" mit einer Glühweinbar und Essensständen veranstaltet? Tatsächlich geht eigentlich nur an den Ständen in der Mitte des Marktes beim Biergarten etwas, und auch dort nur donnerstags bis samstags, sagen die Händler. Mag sein, dass es besser läuft, wenn der Christkindlmarkt an Heiligabend endet. Der Winterzauber dauert ja noch bis zum 5. Januar.

1200 Euro Pacht zahlen die Händler für gut sechs Wochen Standzeit. Wer einen Platz in der Mitte hat oder an den Hauptzugängen, der rechnet damit, noch auf seine Kosten zu kommen. Pirka Bergmeister etwa, die mit ihren Südtiroler Krippen und dem Weihnachtsschmuck aus Holz extra aus dem Grödnertal angereist ist und am Eingang zum Rosental steht. Aber auch Alexander Kolano aus Berg am Starnberger See, der am Anfang der Blumenstraße steht, ist noch zuversichtlich. Er verkauft handgemachte Clogs und Kuhfelle. "Wir haben hier eh nicht viel erwartet", sagt er, "es ist ja auch zum ersten Mal."

Mit dem Rücken zum Markt

Andere Händler sind hingegen sehr enttäuscht. Will Roest hat einen Stand für Weihnachtsdeko bei der Ampel an der Corneliusstraße. Er erzählt, am ersten Tag hätten die normalen Markkaufleute um ihn herum bereits um 16 Uhr zugemacht. Weil er dann mit seiner Hütte allein im Dunkeln stand, sperrte er eine Stunde später auch zu, um noch etwas zu besorgen. Und bekam von der Stadt prompt eine Vertragsstrafe in Höhe von 250 Euro aufgebrummt: Der Pachtvertrag verpflichte ihn, seinen Stand bis um 18 Uhr offen zu halten.

"Dabei nehme ich bloß 20 Euro am Tag ein, der Standort hier ist extrem schlecht", klagt er. Die Strafe findet er ungerecht: "Beim Fußball kriegst du erst mal eine gelbe Karte, nicht gleich die rote." Die Stadt will sich zu dem Vorfall nicht äußern. "Zu derartigen Interna geben wir keine Auskünfte", heißt es aus dem Kommunalreferat.

Dabei ist die Behörde durchaus auch mal kooperativ. Klar könne sie ihren Stand hinter Fisch Witte um 180 Grad drehen, damit sie besser ins Geschehen eingebunden sei, hatte sie beispielsweise Doreen Heß mitgeteilt. Allerdings müsse sie das schriftlich beim Kreisverwaltungsreferat beantragen. Heß, die trockenen italienischen Glühwein aus eigener Herstellung verkauft, ließ es dann aber bleiben und steht nun weiterhin mit dem Rücken zum Markt: "Jetzt in der Vorweihnachtszeit bekomme ich doch keine Genehmigung mehr vom Amt", sagt sie.

Es sieht danach aus, dass der Winterzauber ein rechter Flop ist. Die Markthallen sagen, sie seien dabei, Erfahrungen zu sammeln - und weiter: "Wir versuchen, dies nächstes Jahr zu berücksichtigen, damit die zusätzlichen Händlerinnen und Händler optimale Bedingen vorfinden." Vorausgesetzt, es gibt dann noch genug Bewerber für die Zauberhütten.

© SZ vom 15.12.2016/amm

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