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Bayerische Oberlandbahn:"Warum fährt die BOB nicht einfach mit mehr Zügen?"

BOB Bayerische Oberlandbahn Tegernsee Schliersee München Hauptbahnhof

Die Bayerische Oberlandbahn am Münchner HBF an einem Samstag Vormittag: Wer mit will, muss sich beeilen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Viele Münchner wollen am Wochenende mit dem Zug zum Tegernsee oder zum Schliersee. Und erleben eine Fahrt, bei der man sich fühlt wie eine Sardine.

Noch schwitzt niemand. Es ist halb neun am Samstagmorgen, München Hauptbahnhof, und nach und nach finden sich am Gleis all die Menschen zusammen, die am Wochenende die Stadt verlassen möchten. Es sind viele. Sie kommen mit Rädern und Bollerwagen und Prosecco und Gleitschirmen. Man sieht, wer von ihnen eine ehrgeizige Tour vor sich hat und wer einfach nur ein wenig Spaß haben will, am Lago di Bonzo. Also am Tegernsee.

Die Bayerische Oberlandbahn, die BOB, wird um vier Minuten nach neun Uhr abfahren. Eines ist schon eine halbe Stunde vorher klar: Das mit dem Sitzplatz wird schwierig. Denn mit der BOB verhält es sich wie mit der Stadt selbst, es kommen immer mehr Menschen - und wie in München generell stellt sich also auch in der Oberlandbahn die Frage: Können die alten Strukturen dem Andrang noch gerecht werden?

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Ganz vorne am Gleis stehen zwei ältere Damen mit Wanderstöcken, sie warten auf ihre Trauergruppe, gemeinsam wollen sie in der Natur Kraft finden. Ein paar Meter weiter schieben acht Urlauber aus Westfalen ihre Räder den Weg entlang, sie sind seit fünf Tagen unterwegs. Neben ihnen zwei Studentinnen, sie wissen, worauf sie sich einlassen, sie haben neulich die Fahrt auf dem Fußboden der Bahn verbracht. Und dann ist da noch der Junggesellinnenabschied, zehn Frauen mit einem Bollerwagen. Der müsse bitte ins Fahrradabteil, sagt die BOB-Mitarbeiterin, aber das ist der Gruppe egal, eine der Frauen zieht ihn rein in den Zug.

Die Hauptaufgabe an diesem Gleis ist jetzt erst einmal: den richtigen Waggon zu finden. Es gehört zu den ungeschriebenen Regeln Münchens, dass wer in der Stadt ankommen will, einmal mit der BOB weggefahren sein muss - und dazu gehört auch, in den falschen Wagen gestiegen zu sein. Der Zug teilt sich das erste Mal in Holzkirchen, ein Teil fährt dann über Miesbach und den Schliersee bis nach Bayrischzell, der andere Teil bis nach Schaftlach, dort teilt er sich noch einmal. Auf der einen Strecke geht es nach Lenggries, auf der anderen bis zum Tegernsee.

Schon als die Bahn den Hauptbahnhof verlässt, stehen die Menschen in den Gängen. Es fehlt nicht mehr viel, um sich zu fühlen wie in einer Regionalbahn zum Oktoberfest. Eine Gruppe öffnet den ersten Prosecco, ein Ehepaar sucht die erste Klasse, Mitfahrer zweifeln an, dass es in der BOB überhaupt eine erste Klasse gibt, zwei ältere Wanderer teilen sich einen Sitz in der Ecke. Neben ihnen parkt ein Fahrrad. "Ich bin hier schon öfters drin gesessen wie eine Sardine", sagt die Frau. Aber immerhin drin.