Immobilien Der Tölzer Bahnhof verrottet

Das Bahnhofsgebäude in Bad Tölz im Frühjahr 2018.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
  • Der denkmalgeschützte Tölzer Bahnhof ist stark sanierungsbedürftig.
  • Weil der Eigentümer keine Sanierung beantragt, fordern Lokalpolitiker nun, juristische Möglichkeiten zu prüfen.
  • Im Falle eines Verkaufs bemüht sich die Stadt um ein Vorkaufsrecht.
Von Klaus Schieder

An der Decke sind Schimmelflecken zu sehen, Putz blättert ziemlich großflächig von den Wänden, die Heizung ist defekt, Restaurant und Toiletten sind seit Jahren geschlossen, der Geruch ist leicht modrig: Der Tölzer Bahnhof kommt zunehmend herunter.

Weil eine Sanierung durch den Eigentümer nach wie vor nicht beantragt ist, forderten CSU-Fraktionssprecher Ingo Mehner und Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU) die Stadtverwaltung in einem Antrag auf, alle juristischen Möglichkeiten abzuklopfen, um den Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes zu verhindern. In der jüngsten Sitzung kam der Stadtrat überein, dies im Rathaus prüfen zu lassen. Auch eine Enteignung des Besitzers soll dabei untersucht werden.

Den Auftrag bekommt zunächst einmal das Bauamt der Stadt. Das kenne sich sehr gut aus, sagt Bürgermeister Josef Janker (CSU). Für vertrackte Fragen des Baurechts könnten die Mitarbeiter auch noch einen Fachjuristen hinzuziehen. Außerdem sei CSU-Fraktionschef Mehner selbst Rechtsanwalt und könne die Situation durchaus einschätzen, betont Janker.

Vor eine Enteignung hat der Gesetzgeber in Deutschland allerdings hohe, fast unüberwindbare Hürden gestellt. Das weiß auch der Bürgermeister. "Das ist ein ganz heikles Thema - mit Recht", sagt er. Einen solch drastischen Schritt möchte er gleichwohl nicht von Vorneherein ausschließen.

Für das erste Quartal dieses Jahres hatte Eigentümer Erwin Fritz, Geschäftsführer der Firma Tektogrund aus Bad Tölz, noch im Dezember 2017 einen Bauantrag für das Erdgeschoss angekündigt. Damals hatte er erklärt, dass es gleich drei Zentralheizungen in dem 1924 erbauten Gebäude gebe - eine für die Gaststätte, eine fürs Erdgeschoss, eine fürs Obergeschoss.

Es sei kompliziert, alle drei Anlagen zu einer Heizung zusammenzufassen. Außerdem verwies er auf die hohen Anforderungen des Denkmalschutzes, des Brandschutzes und der Statik im Dachgeschoss, das ausgebaut werden soll. Was die mangelhafte Sauberkeit angeht, verwies er auf die DB Station & Service, die dafür zuständig sei. Marode sei der Bahnhof jedoch nicht.

"Was die Optik angeht, kann sich jeder selbst ein Bild machen", hält Janker dagegen. Das bald 100 Jahre alte Gebäude mit dem Uhrenturm bezeichnet er als "in die Jahre gekommen" und es mache "einen erbärmlichen Eindruck". Nicht eben eine Visitenkarte für einen Touristenort wie Bad Tölz. Schon mehrmals hatte die Stadt angeboten, den Bahnhof zu kaufen. Man hätte ein Wertgutachten erstellen lassen, das Gebäude erworben, "und dann machen wir was draus", so Janker. Aber ein Verkauf kommt für den Eigentümer nicht in Frage.