Heinz-Bosl-Preis 2023:Zeichen für den Frieden

Heinz-Bosl-Preis 2023: Nachwuchstalente aus der Ukraine: Varvara Lobanova und Serhii Zharikov, hier mit Ivan Liška, Vorstand der Heinz-Bosl-Stiftung.

Nachwuchstalente aus der Ukraine: Varvara Lobanova und Serhii Zharikov, hier mit Ivan Liška, Vorstand der Heinz-Bosl-Stiftung.

(Foto: Heinz-Bosl-Stiftung)

Der Heinz-Bosl-Preis geht in diesem Jahr an zwei Ballettkunst-Talente aus der Ukraine.

Von Jutta Czeguhn

Der Heinz-Bosl-Preis, mit dem alle zwei Jahre junge Tänzerinnen und Tänzer gefördert werden, geht in diesem Jahr an zwei ukrainische Nachwuchstalente, die aufgrund des russischen Angriffskrieges ihre Heimat verlassen mussten. Der Preis, den die Heinz-Bosl-Stiftung am Sonntag bei der Herbst-Matinee im Nationaltheater verliehen hat, ist mit je 2500 Euro dotiert. Ausgezeichnet wurden Varvara Lobanova, die seit September 2022 an der Academia Teatro alla Scala in Mailand studiert, sowie Serhii Zharikov. Er besucht seit Frühjahr 2022 die John Cranko Schule in Stuttgart.

Der Preis, den Konstanze Vernon und Fred Hoffmann initiierten, erinnert an den Namensgeber der Stiftung, den großen Tänzer Heinz Bosl, der 1975 mit nur 28 Jahren starb. In diesem Jahr bestand die Jury, neben Ivan Liška, Vorsitzender der Heinz-Bosl-Stiftung, aus Bettina Wagner-Bergelt (Tanzmanagerin und Kuratorin, ehemalige Intendantin des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch), Gigi Hyatt (Ballettschule Hamburg Ballett John Neumeier), Frédéric Olivieri (Ballettschule der Accademia Teatro alla Scala) sowie Tadeusz Matacz (John Cranko Schule). Mit der Wahl der diesjährigen Preisträger sollen die Jurorinnen und Juroren ein "Zeichen des Friedens in konfliktreichen Zeiten setzen".

Varvara Lobanova ist 19 Jahre alt, sie stammt aus Charkiw, bis Kriegsbeginn studierte sie Ballett in Kiew. Bei der Preisverleihung am Sonntag zeigte die Studentin der Accademia Teatro alla Scala eine Variation aus dem ersten Akt von "Giselle" in der Version Jules Perrot. Serhii Zharikov ist ebenfalls 19 Jahre alt, er kommt aus Krasnyj Lyman in der schwer umkämpften Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Mit 15 Jahren hat er seinen Unterricht an der Ballettschule in Kiew begonnen. Am 22. Februar 2022 gewann er den dritten Platz bei seinem ersten Tanzwettbewerb, dem "Tanzolymp" in Berlin. Zwei Tage später begann der Krieg. Dank der Vermittlung von Youth America Grand Prix konnte er an der John Cranko Schule weiterstudieren. Er tanzte zur Verleihung gemeinsam mit Kaela Tapper "Sonate", ein Pas de deux von Uwe Scholz zur Musik von Sergej Rachmaninoff.

Neben dem Heinz-Bosl-Preis vergibt die Stiftung, ebenfalls in zweijährigem Rhythmus, in Erinnerung an ihre Gründerin und Gründungsdirektorin des Bayerischen Staatsballetts den Konstanze-Vernon-Preis. Erste Preisträgerin war 2015 die Brasilianerin Ivy Amista, ehemalige Erste Solistin und Ballettmeisterin am Bayerischen Staatsballett. 2017 folgte Jonah Cook, der Erste Solist hat das Staatsballett ebenfalls mittlerweile verlassen und tanzt heute in Russland. 2019 ging die Auszeichnung an den Italiener Jacopo Bellussi, Erster Solist am Hamburg Ballett. Zuletzt wurde 2022 die Brasilianerin Rafaelle Queiroz mit dem mit 10 000 dotierten Preis geehrt. Sie ist Christian Spuck, dem ehemaligen Direktor des Balletts Zürich, als Solotänzerin ans Staatsballett Berlin gefolgt.

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