Alfons Schuhbeck:Offensiv gescheitert

Fernsehkoch Schuhbeck

Hat Kräuter, Eis, Müsli, Fertiggerichte, einen Partyservice, eine Dinnershow und Kochbücher im Angebot: Alfons Schuhbeck.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Promikoch Alfons Schuhbeck spielte seine Rolle als bayerischer Gaudibursch mit Bravour und machte fast alles zu Geld, was nur entfernt zu einem Kochlöffel passt. Wer ist der Mann, der nun doch Insolvenz anmelden musste?

Von Franz Kotteder

"Offensiv scheitern" könnte man das nennen, was Alfons Schuhbeck, 72, da gerade macht. Er hat Insolvenz angemeldet für seine Restaurants und seinen Partyservice. Schuld daran habe die Pandemie, so der Promikoch, weil "die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind". Das erstaunt ein bisschen, weil allein in München bislang fast 700 Millionen Euro an das Gastgewerbe ausgezahlt wurden, und warum sollte ausgerechnet der prominente Starkoch leer ausgehen? Weil er seit Mitte 2019 im Verdacht steht, mit seinen Gastro-Unternehmen Steuern in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro hinterzogen zu haben und die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss stehen vielleicht?

Natürlich nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Die Sache ist komplizierter und hat mit der Vielzahl von Geschäften zu tun, die Schuhbeck mit seinen 14 verschiedenen Firmen betreibt. Denn die Bedingungen für Staatshilfen änderten sich mehrmals. Und es gibt sie nur, wenn die Umsätze unter einen gewissen Schwellenwert geraten. Schuhbecks Partyservice und seine Restaurants fielen offenkundig durch das Raster.

1949 als Alfons Karg in Traunstein geboren, legte Schuhbeck eine illustre Karriere hin. Nach der Ausbildung zum Fernmeldetechniker spielte er in einer Beatband und lernte dabei in Waging am See den Wirt Sebastian Schuhbeck kennen. Der fand, er solle eine Lehre als Koch machen, adoptierte ihn - wohl auch, weil der Name "Karg" zu einem Koch nicht so richtig gut passt - und machte ihn zum Erben seines Kurhausstüberls. Schuhbeck stellte sich geschickt an und landete nach Stationen in Genf, Paris und London in München bei Eckart Witzigmann in dessen Drei-Sterne-Restaurant Aubergine. In seinem Waginger Kurhausstüberl erkochte er sich seinen eigenen Michelin-Stern, und er machte das Gasthaus, günstig gelegen auf halber Strecke zwischen München und Salzburg, schnell zu einem Geheimtipp für die Prominenz aus Bayern und Österreich.

In seinem Online-Shop gibt es ein Nudelwasser-Gewürzsalz für 4,90 Euro

Die Nähe zu den Reichen und Schönen ließ ihn wohl auch übermütig werden. 1994 wurde er wegen der Verwicklung in dubiose Anlagegeschäfte, bei denen viele seiner Gäste viel Geld verloren, wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Er selbst sah sich damals weniger als Täter, sondern selbst als Opfer skrupelloser Geschäftemacher.

Schuhbeck zog sich jedenfalls aus dem Sumpf und spielt seither seine Rolle als bayerischer Gaudibursch, der immer mal "ein Extra-Gangerl" für seine Lieblingsgäste ins Menü einschiebt, mit Bravour. Am Münchner Platzl eröffnete er ein Restaurant und ein Geschäft nach dem anderen, machte fast alles zu Geld, was nur entfernt zu einem Kochlöffel passt. In seinem Online-Shop gibt es ein Nudelwasser-Gewürzsalz für 4,90 Euro. Der rührige Unternehmer hat eine Kochschule, verpflegt den FC Bayern bei dessen Champions-League-Spielen und erklärt den Zuschauern des Bayerischen Fernsehens Woche für Woche, was sie auf den Tisch bringen sollen. Er hat Kräuter, Eis, Müsli, Fertiggerichte, einen Partyservice, eine Dinnershow und Kochbücher im Angebot. Schuhbeck ist ungeheuer fleißig und sehr gründlich. Oft sieht man ihn schon in aller Herrgottsfrühe zwischen seinen Lokalen und Läden am Platzl hin und her laufen, für sein erstes Gewürzbuch recherchierte er kurz vor dem Bürgerkrieg auf dem berühmten Gewürzmarkt im syrischen Aleppo, ohne das medienwirksam zu streuen. Letzteres ist eher ungewöhnlich, denn Schuhbeck weiß, wie man Aufmerksamkeit bekommt. Dafür erträgt er bereitwillig den Spott, der ihm zuteilwird, wenn er wieder einmal sein Lieblingsgewürz Ingwer über den grünen Klee lobt.

Momentan freut ihn Aufmerksamkeit weniger, die Kommunikation haben seine Anwälte und Berater übernommen. "Ich habe schon viele Krisen überstanden", lässt er mitteilen, "mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden wir auch die Insolvenz meistern."

© SZ/fzg
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