bedeckt München

Corona-Impfung:Lehrerinnen und Erzieher nach vorn

Grundschulen und Kitas öffnen wieder teilweise

Erzieher und Lehrerinnen, wie hier in einer Grundschule in Baden-Württemberg, sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Wer im Dienste der Allgemeinheit mit Kindern arbeitet, trägt ein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken - und muss deshalb auch eine Chance auf eine baldige Impfung haben. Ein Änderung der Impfreihenfolge ist aber auch aus einem anderen Grund wichtig.

Kommentar von Christina Berndt

Vorletzte Erwähnung in der vorletzten Gruppe: So stellt sich momentan die Situation von Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern beim Zugang zu einer Corona-Impfung dar. Noch mal kurz zur Erinnerung: Das sind jene Menschen, die sich nicht nur um die personifizierte Zukunft Deutschlands, nämlich um die Kinder und deren Bildung und gesunde Entwicklung kümmern. Es sind auch jene Menschen, die in diesen Tagen einen der vorderen Plätze beim Projekt "Schluss mit dem Lockdown" einnehmen.

Während die meisten anderen Menschen, die in den vergangenen Monaten im Home-Office arbeiten konnten, dies erst einmal weiterhin tun, sollen Lehrer und Erzieherinnen nun also wieder raus ins echte Leben, wo sie auf eine erhebliche Zahl haushaltsfremder Personen treffen werden. In geschlossenen Räumen. Ohne Plexiglas. Ohne Luftfilter. Und mit, je nach Alter der Kinder, unbedingt nötigem beziehungsweise kaum vermeidbarem engem Kontakt.

Dass man diesen Menschen einen höheren Platz in der Priorisierungsliste zur Corona-Schutzimpfung zukommen lässt, wie es Kanzlerin und Gesundheitsminister gerade prüfen lassen, sollte selbstverständlich sein. Denn wer im Dienste der Allgemeinheit ein erhöhtes Risiko trägt, darf auch eine baldige Chance auf eine Impfung erwarten. Nach der aktuellen Impfverordnung aber, in der Lehrkräfte in der dritten von drei bevorzugten Gruppen zu finden sind, wären sie wohl frühestens im Sommer dran.

Jeder Kontakt birgt ein Risiko, auch in der Schule

Schulen sind das Erste, was wieder öffnen soll, wenn die Infektionszahlen es erlauben. Das ist seit Langem anerkannt. Und es ist angesichts der schwerwiegenden Folgen des Homeschoolings für Kinder auch unbedingt richtig. Aber daraus ist logisch zu folgern: Diejenigen, die sich bei ihrer Arbeit in den wieder geöffneten Schulen einem erhöhten Risiko aussetzen, sollten auch zu den Ersten gehören, die geimpft werden. Kinder haben zwar nach allem, was man weiß, ein geringeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken, und sie geben das Virus auch weniger leicht weiter als Erwachsene. Und doch birgt der Kontakt mit ihnen natürlich ein Risiko. Dies ist umso höher, je höher die Infektionszahlen in einer Region sind und je mehr Kinder bei geschlossenen Fenstern in einem Raum sitzen.

Eine geänderte Impfreihenfolge, bei der Lehrerinnen und Erzieher nach oben rücken, ist aber nicht nur aus Gründen der Fairness nötig. Sie ist auch unabdingbar, um den Ausgang aus dem Lockdown vernünftig bewerkstelligen zu können. Nur wenn Lehrer und Erzieherinnen gesund bleiben, lässt sich der für die Kinder so wichtige Schul- und Kitabetrieb schließlich aufrechterhalten. Und indem Infektionsherde in so großen Gruppen wie an Schulen durch Impfung der besonders infektiösen Erwachsenen unterbunden werden, trägt die Impfung der Lehrer und Erzieher letztlich zum Schutz der gesamten Bevölkerung bei.

Dabei dürfen Impfungen allerdings nicht das einzige Instrument bleiben. Ebenso wichtig sind möglichst häufige Schnelltests für Schüler vor dem Schulbesuch. Es ist angesichts der Ausbreitung der neuen Virusvarianten ohnehin schon riskant, jetzt die Schulen wieder zu öffnen. Ohne flankierende Maßnahmen wie Impfungen und Tests werden sie sehr schnell wieder in die Pause gehen müssen.

© SZ/jok/gal
Zur SZ-Startseite
Corona: Grundschule  bereitet  sich  auf Unterricht vor

Schule in München
:"Für Kinder ist es wichtig, auch andere Kinder zu sehen"

Grundschüler und Lehrer dürfen nach der Pandemie-Pause wieder in die Klassenzimmer. Das geht aber nur im Wechselunterricht und hat Folgen: Eine Notbetreuung ist kaum noch möglich.

Von Kathrin Aldenhoff

Lesen Sie mehr zum Thema