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Schule in München:"Für Kinder ist es wichtig, auch andere Kinder zu sehen"

Corona: Grundschule  bereitet  sich  auf Unterricht vor

"Für den Tag zu Hause bekommen die Schüler ein großes Hausaufgabenpaket": Rektor Norbert Rinck (links) und sein Stellvertreter Raphael Schmidt.

(Foto: Robert Haas)

Grundschüler und Lehrer dürfen nach der Pandemie-Pause wieder in die Klassenzimmer. Das geht aber nur im Wechselunterricht und hat Folgen: Eine Notbetreuung ist kaum noch möglich.

Von Kathrin Aldenhoff

Vor der Grundschule an der Regina-Ullmann-Straße stehen Eltern mit ihren Kindern in einer Reihe, mit Abstand natürlich und mit FFP-2-Masken im Gesicht. Die Klassenlehrerin der 1a gibt ihnen Unterrichtsmaterial für den bevorstehenden Start an diesem Montag. Ihre Kollegin hat im Klassenzimmer der 1d vor dem Wochenende noch die Tische und Stühle verrückt. Zehn Tische stehen dort jetzt, mit großem Abstand zueinander. Nach sechs Wochen Distanzunterricht begrüßen die beiden Klassenlehrerinnen ihre Schüler nun wieder im Schulgebäude. Allerdings nicht alle auf einmal.

In ganz Bayern kehren die Grundschüler an diesem Montag in die Schulen zurück. Voraussetzung ist, dass die örtliche Sieben-Tage-Inzidenz unter dem Wert 100 liegt; die Zahl gibt an, wie viele neue Corona-Infektionen den Behörden innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner gemeldet wurden. Und noch eine Bedingung gibt es: Die Schüler müssen im Klassenzimmer einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten. In München wird wohl nur die Hälfte der Grundschüler ihr Schulgebäude betreten können. Oft sind die Räume zu klein, als dass die ganze Klasse dort unterrichtet und der Mindestabstand eingehalten werden könnte.

In der Grundschule an der Regina-Ullmann-Straße haben sie die Schüler deshalb in zwei Gruppen eingeteilt, erklärt Rektor Norbert Rinck. Gruppe A bleibt diesen Montag zu Hause, Gruppe B kommt in die Schule. Und so wechselt das dann Tag für Tag. "Für den Tag zu Hause bekommen die Schüler ein großes Hausaufgabenpaket, um die Inhalte zu üben und zu vertiefen", sagt Rinck. Er sieht den Wechselunterricht als Fortschritt gegenüber dem Distanzunterricht. "Der Distanzunterricht kann noch so sorgfältig geplant sein, er ist Mist", sagt Rinck. "Unterricht geht über Beziehung."

Sein Kollege und Konrektor Raphael Schmidt erzählt von der Videokonferenz mit seinen Schülern am Freitagmorgen. Seine Drittklässler hätten sich gefreut, dass am Montag endlich wieder die Schule losgeht. "Für Kinder ist es wichtig, auch andere Kinder zu sehen."

Es sei höchste Zeit, dass die Kinder in die Grundschulen zurückkehren, sagt Michael Hoderlein-Rein, Leiter der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße. "Die Not bei den Kindern ist sehr groß." Die Erstklässler seien beim Lesenlernen längst nicht so weit, wie sie sein sollten. Die Zweitklässler hätten das Lesen wieder verlernt, weil der Prozess noch nicht abgeschlossen war. Und bei den Viertklässlern stehe der Übertritt an.

Auch an der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße gibt es Wechselunterricht, die Mindestabstände seien sonst unmöglich einzuhalten, sagt Hoderlein-Rein. Die Lehrer bekommen vom Freistaat OP-Masken gestellt, berichtet der Schulleiter. Die sollen ausreichen, weil die Lehrer ja Abstand halten können. Dem widerspricht er energisch. "Der Unterricht in der Grundschule lebt von der unmittelbaren pädagogischen Begegnung. Gemeinsames Lernen setzt Nähe zueinander voraus." Lehrer müssten sich neben ihre Schüler setzen, um ihnen etwas zu erklären, müssten ihnen zeigen, wo im Mund die Laute der Buchstaben gebildet werden. Und deshalb, sagt Hoderlein-Rein, kaufen sich die Lehrer eben selbst ihre FFP-2-Masken.

Die Öffnung der Schulen habe für sie und ihr Kollegium zwei Seiten, sagt Ilona Peters, Leiterin der Grundschule Manzostraße. "Wir freuen uns für die Kinder und sind froh, sie wiederzusehen. Aber wir sind besorgt, was es für uns bedeutet." Die Lehrkräfte ihrer Grundschule waren auch in den vergangenen Wochen fast täglich in der Schule, wegen der Notbetreuung von fast 100 Kindern. Nun werden die Klassenzimmer aber wieder voller sein, werden die Lehrer noch mehr Kontakte haben.

Corona: Grundschule  bereitet  sich  auf Unterricht vor

Ohne Regeln geht es nicht: Die Grundschule an der Regina-Ullmann-Straße in Oberföhring bereitet sich auf den Unterricht vor.

(Foto: Robert Haas)

Sie haben sich für zwei Präsenzschichten pro Tag entschieden, sagt Ilona Peters. Erst wird die eine Gruppe unterrichtet, danach die andere. Am Freitag wird kein Unterricht angeboten, nur eine Notbetreuung bis mittags. Der Grund dafür ist, dass es mehr Lehrerstunden braucht, wenn eine Klasse geteilt und jede Gruppe einzeln unterrichtet wird. Am Freitag sind dann nicht mehr ausreichend Lehrerstunden übrig. "Organisatorisch und planerisch ist das der völlige Wahnsinn", sagt die Schulleiterin.

Das Kultusministerium mahnt in einem Schreiben an die Eltern, die Notbetreuung in der Schule nur noch dann in Anspruch zu nehmen, wenn sie sonst keine Betreuungsmöglichkeit haben. Denn Klassenräume und Lehrkräfte werden nun wieder für den Präsenzunterricht gebraucht. Das bestätigen die Schulleiter. In der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße waren fast 200 Kinder von 540 in der Notbetreuung, 21 Gruppen hatten sie. "Wir haben das Personal nicht für diese große Anzahl an Notbetreuungsgruppen", sagt Schulleiter Hoderlein-Rein.

Der Gemeinsame Elternbeirat der Grundschulen erklärt, die Rückkehr in die Schulen gebe den Kindern die dringend notwendige Struktur. Allerdings hätten manche Eltern erst spät Informationen bekommen, an welchen Tagen ihre Kinder zur Schule gehen dürfen und wie der Unterricht abläuft.

Der Gemeinsame Elternbeirat der städtischen Horte und Tagesheime München sieht noch ein ganz anderes Problem: Der Vorsitzende Daniel Gromotka mahnt analoge Regeln für Grundschulen und Horte sowie Tagesheime an. "Es geht ja um die gleichen Kinder." Im Moment sei es aber so, dass ein negativ getestetes Kind nach fünf Tagen die Quarantäne wieder verlassen und zur Schule gehen kann.

Für Hort und Tagesheim gilt das aber nicht, dort müsse die Quarantänephase bis zum Ende eingehalten werden. Und der Verein Initiative Familien kritisiert, dass die Schüler der weiterführenden Schulen, die keine Abschlussklasse besuchen, noch immer nicht wissen, wann sie wieder zur Schule gehen dürfen.

© SZ vom 22.02.2021/amm
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