Corona:Was Söder weiß - und Laschet nicht glaubt

Klausur der Spitzen von CDU und CSU

Der Wind hat gedreht, aber einer hat's nach Ansicht der CSU nicht gemerkt: Kanzlerkandidat Armin Laschet und Ministerpräsident Markus Söder (rechts).

(Foto: Kay Nietfeld/picture alliance/dpa)

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder hält die Corona-Politik von Kanzlerkandidat Armin Laschet für grundfalsch. Deshalb verschärft er seinen Ton. Aber dahinter steckt noch eine ganz andere Sorge.

Kommentar von Peter Fahrenholz

In der Politik können sich die Verhältnisse oft sehr schnell ändern, was vor allem in Wahlkampfzeiten zum Problem werden kann. Eine Strategie, die gestern noch richtig war, kann morgen plötzlich falsch sein. Die Kunst besteht darin, rechtzeitig zu merken, dass sich der Wind dreht und entsprechend zu reagieren. Aus Sicht der CSU hat Unionskanzlerkandidat Armin Laschet beim Thema Corona nicht gemerkt, dass sich der Wind gedreht hat. Vielleicht war er auch zu sehr mit dem Hochwasser beschäftigt, das in seinem Bundesland schwerste Schäden angerichtet hat.

Laschets Hoffnung, angesichts sinkender Corona-Zahlen könnten die Menschen unbeschwert ihren Sommerurlaub genießen und das ganze düstere Corona-Thema werde bis zur Bundestagswahl keine große Rolle mehr spielen, hat sich zerschlagen. Die hochansteckende Delta-Variante lässt die Infektionen nach oben schnellen, immer mehr Urlaubsgebiete werden zu Risiko- oder gar Hochinzidenzgebieten erklärt. Von unbeschwertem Urlaub kann also keine Rede sein, im Gegenteil: Wer die Ferien noch vor sich hat, steht vor der Frage, ob er seinen Urlaub nicht stornieren muss, weil Quarantänepflichten verhindern, dass Kinder zum Schulstart in den Unterricht kommen können. In diesem Fall sind hohe Geldbußen möglich.

Es ergäbe keinen Sinn, die Regeln erst nach Ferienende zu verschärfen

Der Einzige, der keine Wolken am Himmel zu sehen scheint, ist Armin Laschet. Der verheerende Auftritt des Kanzlerkandidaten beim ZDF-Sommerinterview, in dem Laschet sinngemäß erklärte, über mögliche Verschärfungen von Corona-Maßnahmen könne man ja auch später noch nachdenken, hat vor allem bei CSU-Chef Markus Söder die Alarmglocken schrillen lassen. Söder drückt bei der Verschärfung von Testpflichten für Reiserückkehrer aufs Tempo und hat dabei den Terminkalender auf seiner Seite. Denn es ergibt tatsächlich keinen Sinn, die Regeln erst dann zu verschärfen, wenn die Schulferien schon überall vorbei sind.

Dass Söder auf diese Weise die Corona-Politik wieder auf die Agenda gehoben hat, liegt nicht nur an seiner Rivalität mit Laschet. Söder weiß genau, dass er mit seiner Sorge vor einer vierten Welle in der Union nicht allein ist. Diese könnte nicht nur Laschets Schlafwagen-Wahlkampf verhageln, sondern auch alle Lockerungen zunichtemachen, die von vielen als erster Schritt zurück zur Normalität empfunden werden.

Die CSU bangt um ihr Wahlergebnis in Bayern

In der CSU hat man die Forderungen von Kanzleramtschef Helge Braun nach mehr Rechten für Geimpfte aufmerksam registriert. Söder hatte das Gleiche schon Tage zuvor gefordert. Niemand in der CSU glaubt, dass Braun eigenmächtig vorgeprescht ist, sondern mit Billigung, wenn nicht gar im Auftrag der Kanzlerin. In Wirklichkeit, so die CSU-Lesart, handele es sich bei der Kontroverse zwischen Braun und Laschet um einen Stellvertreterkrieg. Einen offenen Konflikt zwischen Kanzlerin und Kandidat um die Corona-Politik, wie es ihn schon gegeben hat, kann die Union im Moment natürlich überhaupt nicht gebrauchen.

Söder wird bei seinen Vorstößen aber auch von der Sorge über das eigene CSU-Ergebnis in Bayern getrieben. Nach aktuellen Umfragen steht die CSU nur bei 36 Prozent, für die Partei, aber auch für Söder selbst wäre ein solches Ergebnis ein Desaster. Der CSU-Chef muss seine Attacken jedoch sorgfältig dosieren. Denn erfahrungsgemäß schätzen die eigenen Anhänger internen Streit überhaupt nicht.

© SZ/kus
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