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Politischer Aschermittwoch:Abwatschen ohne Publikum macht weniger Spaß

Politischer Aschermittwoch in Bayern - CSU

Pappe statt Zuschauer: Politischer Aschermittwoch in Passau

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Der politische Aschermittwoch ist nicht nur anders, weil er digital stattfindet. Es gibt auch nur ein Thema: Corona. Einem nützt das ganz besonders.

Kommentar von Peter Fahrenholz

Auch wenn Franz Josef Strauß immer betonte, der politische Aschermittwoch der CSU sei keine verlängerte Faschingsgaudi, sondern eine ernsthafte Veranstaltung, wusste doch jeder: Wenn Tausende im Dunst von Fischsemmeln und dem Geschepper von Bierkrügen zusammenkommen, dann wollen sie kein politisches Seminar hören, sondern erwarten, dass die Konkurrenz nach Kräften abgewatscht wird.

Weil das Abwatschen aber Zuschauer braucht, die selbst bei den schwächeren Gags noch in Gejohle ausbrechen, war in diesem Jahr alles anders - coronabedingt. Die aus der Zeit gefallenen Veranstaltungen wurden weder ausgesetzt noch abgeschafft, sondern digital abgehalten. Wie schwer es ist, statt vor Publikum in eine Fernsehkamera zu sprechen, hat zuletzt Friedrich Merz auf dem digitalen CDU-Parteitag erlebt. Ohne jedes Feedback kann auch ein begabter Redner aus dem Tritt geraten.

Für einen wie den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, der ja eher ein Anti-Volkstribun ist, kann es hingegen von Vorteil sein, wenn es nicht auf die Entertainer-Qualitäten ankommt. Scholz hielt, wenig überraschend, eine Scholz-Rede: Sachlich, in dem Maße emotional, zu dem Scholz eben in der Lage ist. Attacken allenfalls ganz sanft. Den Wahlkampf hat Scholz damit jedenfalls nicht eingeläutet.

CSU-Chef Markus Söder setzt seine Spitzen gezielt

Aber beim politischen Aschermittwoch ist nun mal die CSU das Maß der Dinge, auch was die Länge der Reden anlangt. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hat als gelernter Fernsehredakteur keine Probleme damit, wenn eine Kamera auf ihn gerichtet wird, er genießt das geradezu. Aber für Söder wird es zunehmend schwerer, seinen strikten Corona-Kurs in den eigenen Reihen durchzusetzen, das Murren in der CSU nimmt zu.

Armin Laschet, sein Rivale im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union, hat beim Thema Corona ganz andere Probleme. Laschet hat sich gerade erst wieder bei einem Auftritt in Baden-Württemberg gewaltig verheddert und neue Rätsel aufgegeben, welche Linie er in Sachen Corona überhaupt vertritt. Würde Söder das zu einem Seitenhieb verleiten und umgekehrt Laschet seine Grußbotschaft nutzen, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen? Nichts von alledem. Laschet umschiffte in einem merkwürdigen Grußwort das Corona-Thema vollständig. Stattdessen säuselte er die Schwesterpartei an; Passau als Olymp des politischen Lebens zu bezeichnen, darauf muss man erst mal kommen.

Söder dagegen nutzte seine Rede zu einer geschickt inszenierten Corona-Mischung. Man hatte ihn in eine bayerische Klischee-Stube gesetzt, mit Kachelofen, Brezn und Brotzeitbrett auf dem Tisch. Söder trat wie der gütige Papa auf, der seine Kinder davor warnt, dass die Gefahr noch nicht vorbei ist, aber gleichzeitig Verständnis dafür zeigt, wie schwer das Durchhalten ist. Gehe ihm doch genauso. Kein Abrücken von seiner Linie, keine konkreten Öffnungsversprechen. Dafür eine en passant eingestreute Botschaft, die dem Lockerungsflügel in der Union, also auch Laschet, in den Ohren klingen wird. Wer in der Union bei der Bundestagswahl auf Merkel-Stimmen hoffe, müsse wissen, dass es Merkel-Stimmen nur mit Merkel-Politik gebe. Da hat einer seinen Anspruch elegant in einen Nebensatz verpackt.

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