Podcast-Tipps im Juli:Russlands Krieg

Lesezeit: 3 min

Podcast-Tipps im Juli: Illustration: Luis Murschetz

Illustration: Luis Murschetz

(Foto: Illustration: Luis Murschetz)

Recherchen über Troll-Armeen, Gas-Pipelines und ukrainische Schicksale: vier Podcast-Empfehlungen.

Von SZ-Autorinnen und SZ-Autoren

Akte Nord Stream 2 - Gas, Geld, Geheimnisse

ndr.de

Warum nur, die Frage drängt sich mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine derzeit auf, unterstützten so viele deutsche Politiker den Bau der Gas-Pipeline Nord Stream 2? Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), wo das russische Gas irgendwann mal ankommen sollte. Ein Rechercheteam des NDR geht dem in sieben Folgen nach, jede um die 20 Minuten lang. Nebenbei geben die Journalisten, die mit ihrer Neugier an Mauern des Schweigens stoßen, einen Einblick in ihre Arbeit. Gut, man kann das Stillhalten ja durchaus verstehen: Welche Landesregierung würde sich noch mit einem damals ausnehmend guten Draht zu Gazprom rühmen wollen? Oder mit einem Ex-Stasi-Offizier, Geschäftsführer von Nord Stream 2, der regelmäßiger Gast in der Staatskanzlei Schwerin war - und eng mit Putin befreundet ist, wie die NDR-Journalisten recherchiert haben. Und überhaupt: die Posse um die "Klimaschutzstiftung", die den Bau retten sollte. Ein Lehrstück über Lobbyismus, informativ nachbereitet. Johannes Korsche

Troll Army - Russlands Krieg im Internet

open.spotify.com

Als Putins Russland die Ukraine überfällt, sagt Außenministerin Annalena Baerbock etwas Denkwürdiges: "Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht." Von einer Zeitenwende ist die Rede. Altkanzlerin Angela Merkel sagte vor neun Jahren ebenfalls etwas Erinnerungswürdiges: "Das Internet ist für uns alle Neuland." Sie lag nicht ganz falsch. Im Internet hat sich die Zeitenwende schon vor dem erneuten Überfall Putins auf die Ukraine abgezeichnet: als Desinformationskrieg. "Während wir versuchen zu begreifen, was vor Ort wirklich passiert, stoßen wir auf eine Sache, die uns genau das verdammt schwer macht: eine Flut von Desinformationen. Gestreut von einer Troll-Armee im Netz. Ihr Ziel? Wir alle", schildert der Journalist Dennis Kogel die Situation in seinem Podcast, produziert von Spotify und dpa. Das Interessante: Troll Army ist keine abgeschlossene Recherche. Kogel, der von der Investigativjournalistin Anna Loll unterstützt wird, berichtet wöchentlich mit offenem Ausgang. Die Nachforschungen kreisen um Troll-Netzwerke, Betroffene von Troll-Attacken, die Menschen hinter den Fake-Accounts und Kampagnen; in Russland, Amerika, Deutschland. Viele Manipulationsmethoden sind nicht neu, und doch treten immer neue Zusammenhänge zutage. Dabei stellt sich eine Atmosphäre ein wie im Kalten Krieg. Nur: Was Kogel und Loll herausfinden, ist noch nicht Geschichte. Tim Feldmann

Invaded: Voicemails from Ukraine

tortoisemedia.com

Mehr als hundert Folgen - der Podcast führt einem vor Ohren, wie lange der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine nun schon dauert. Darin erzählen Ukrainer und Ukrainerinnen selbst ihre schicksalhaften Geschichten und wie sich mit Kriegsausbruch für sie schlagartig alles geändert hat. Kseniya zum Beispiel hinterließ dem Team der britischen Newswebsite Tortoise Media bereits Ende Februar 2022 eine Voicemail, in der sie berichtet, wie sie vom dumpfen Geräusch über Kiew abgeworfener Bomben geweckt und schließlich von zahlreichen auf dem Smartphone eingegangenen Nachrichten über den Ausbruch des Krieges informiert wurde. Nur wenige Tage später - sie hat beschlossen, die Heimat mit ihrer Familie zu verlassen - befindet sie sich an der Grenze zu Polen und spricht über Schuldgefühle: "guilty for saving my life, for saving my kid's life". Die ein- bis fünfminütigen Sprachnachrichten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass man allen Personen immer wieder begegnet. So erfahren Zuhörende, wie unter anderem Kseniyas Leben, ihr Alltag und der ihrer Landsleute trotz des Krieges weitergehen. Julia Brader

Alles ist anders - Krieg in Europa

ardaudiothek.de

Eine Woche nach dem russischen Einfall in die Ukraine ist dieser Podcast gestartet. Er hat sich von Anbeginn zum Ziel gesetzt, Hintergründe aufzuzeigen, Kontexte herzustellen, Strukturen zu erklären. Er geht Fragen nach, die über tagesaktuelle Entwicklungen hinausreichen. In der ersten Folge etwa haben die beiden Hosts Alina Braun und Alexander Moskovic den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij porträtiert, um zu erklären, wer dieser Mann eigentlich ist, wofür er steht, wie ihn seine Landsleute sehen. Braun und Moskovic sind beide russischstämmig, ihre Sprachkenntnisse und ihre kulturellen Prägungen prädestinieren die beiden Journalisten für diesen Podcast, der eine Gemeinschaftsproduktion der ARD unter Federführung des WDR ist. Unaufgeregt und kompetent führen sie durch die Folgen, in denen sie Recherchen ihres Teams präsentieren und mit Experten und Betroffenen sprechen. Zuletzt ging es darum, wie die russischsprachige Community in Deutschland den Krieg erlebt, wie sich die prorussischen Länder Belarus und Serbien politisch positionieren, inwieweit der Krieg auch die Politik in Südamerika und Afrika beeinflusst - und wie er enden könnte. Stefan Fischer

sz.de/podcast-tipps

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