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Nannen-Preisverleihung in Hamburg:"Zeit"-Reporterin Xifan Yang gewinnt Kisch-Preis

Online-Verleihung Nannen Preis 2021

Ein Blick ins Studio, in dem die Nannen-Preise 2021 verliehen wurden.

(Foto: Gruner+Jahr/dpa)

Ausgezeichnet wird sie für die Reportage "Die Gesandte des Konfuzius". Über Nannen-Preise dürfen sich auch Sophie Passmann und Mai Thi Nguyen-Kim freuen.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Es sind irre Zeiten für Reporter, spannend und schwierig, weil sie außer auf die üblichen Widerstände auch noch auf dieses Virus treffen. Lockdown. Absagen. Versammeln darf sich ja niemand zurzeit, auch Journalisten nicht, weshalb die Nannen-Preise des Verlags Gruner+Jahr am Dienstagabend erneut im Netz vergeben wurden statt wie früher mit Party auf einer Hamburger Bühne. Gute Geschichten gab und gibt es glücklicherweise so oder so. Den sehr begehrten Egon-Erwin-Kisch-Preis bekam Xifan Yang von der Zeit für ihre Reportage "Die Gesandte des Konfuzius" über eine junge Chinesin, die in einem Pflegeheim bei Hannover zu arbeiten begann. Die begeisterte Jury vermisste an diesem Meisterwerk "nur eines: die Fortsetzung". Der Philosoph Richard David Precht hatte die schöne Idee, solch wunderbare Texte zu inhalieren.

Der Kisch-Preis ist die traditionellste Kategorie der Auszeichnungen im Namen des Verlegers Henri Nannen und wie gehabt nur für das gedruckte Werk gedacht. Viele Schreiber in Zeitungen oder Magazinen würden dafür durchs Eismeer schwimmen. Ansonsten geht Gruner+Jahr mehr denn je über Print hinaus. Vor einem Jahr hatte bereits ein Nannen-Preis für den Youtuber Rezo Aufsehen erregt. Diesmal durften sich alle journalistischen Formate bewerben, in vier weiteren Sparten plus Sonderpreis. Den bekamen Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf und Sophie Passmann im Speziellen für die Beiträge "A Short Story of Moria" und "Männerwelten" auf Pro Sieben und im Allgemeinen für das "aufklärerische Engagement und ihr erweitertes Verständnis von Journalismus".

Der Drosten-Podcast geht leer aus

Auf die Suche nach der Wahrheit im Falle eines russischen Verbrechens begaben sich sieben Rechercheure vom Magazin Der Spiegel (Roman Dobrokhotov, Matthias Gebauer, Christo Grozev, Roman Lehberger, Fidelius Schmid, Jörg Diehl, Christian Esch). Mit ihrem Beitrag "Das sind die Männer, die Nawalny töten sollten" gewannen sie den Nannen-Preis für Investigation in Kooperation mit Bellingcat, CNN, The Insider.

In der Sparte Lokales wurde Stefan Proetel vom Mannheimer Morgen geehrt ("Die Geschäfte des Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel"). In der neuen Rubrik "Republik" ist der Auserwählte Daniel Deckers von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für seine "Berichterstattung zum Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche der Katholischen Kirche". Und dann war da eine weitere Premiere, sie trägt den Titel "Geschichte des Jahres". Es ist "das Ding des Jahres, das alles überstrahlt", wie die Stern-Chefin Anna-Beeke Gretemeier sagt, "über das in ganz Deutschland gesprochen wird."

In der ganzen Welt wird über diese Seuche gesprochen, die "Geschichte des Jahres" ist allerdings nicht der ebenfalls für die Endauswahl nominierte Drosten-Podcast des NDR, der Soundtrack der Pandemie. Sondern "Corona geht gerade erst los" von Lars Dittrich, Melanie Gath und Mai Thi Nguyen-Kim (Mailab/funk).

Corona ist hoffentlich bald vorbei. "Machen Sie etwas, das Sie glücklich macht", riet am Ende der virtuellen und zuweilen etwas abgehackten Nannen-Gala Michel Abdollahi, der einsame Moderator.

© SZ/pamu/jael
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