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"Hart aber fair" zur Kanzlerkandidatur:Ein Luxusproblem, das zum Drama wird

Titel: Showdown der Kandidaten âÄ" verstolpert die Union das Kanzleramt?; hart aber fair" am Montag, den 12.04.2021

Diskutieren über Söder und Laschet: Herbert Reul (CDU-Politiker und NRW-Innenminister), Lars Klingbeil (SPD-Generalsekretär), Kristina Dunz (Journalistin), Albrecht von Lucke (Politikwissenschaftler), Alexander Graf Lambsdorff (Stellv. Fraktionsvorsitzender der FDP) und Moderator Frank Plasberg (von links).

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

Armin Laschet und Markus Söder haben die K-Frage beide vergeigt, darin ist sich die Runde um Moderator Plasberg einig. Aber wie wollen sie da jetzt wieder rauskommen?

Von Peter Fahrenholz

Zu den wichtigsten Fragen im Leben gehört ohne Zweifel die Schuldfrage. Wie konnte es nur so weit kommen, fragen sich nicht nur Paare, wenn sie vor den Trümmern ihrer Ehe stehen. Das müssen sich jetzt auch Armin Laschet und Markus Söder fragen - und mit ihnen ihre beiden Parteien CDU und CSU. Die Entscheidung, wer von beiden Kanzlerkandidat der Union werden soll, wurde lange vertagt, jetzt wollen es beide werden, und damit ist wenige Monate vor der Bundestagswahl ein Drama daraus geworden. Selbst in der CSU wird Generalsekretär Markus Blume wohl mit dem Befund alleine dastehen, in Wahrheit sei es doch ein "Luxusproblem", zwei geeignete Kandidaten zu haben.

Blume war zu Gast in der Talkshow "Hart aber fair" und hatte es etwas schwer. Wenn man wegen der Aktualität kurzfristig das Thema wechselt, muss man auch als Talkmaster an Gästen nehmen, was man noch kriegen kann. Insofern war die Runde von Frank Plasberg etwas laschetlastig geraten. Neben dem NRW-Innenminister Herbert Reul und dem NRW-Liberalen Alexander Graf Lambsdorff fand auch auch die Journalistin Kristina Dunz, dass Söders Beharren trotz des eindeutigen Votums der CDU-Führungsgremien für Laschet eher kein Luxusproblem ist, sondern eine klare "Kampfansage", geeignet, die Union in die Spaltung zu treiben.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil beklagte zwar pflichtgemäß, dass die Union in dieser schwierigen Phase für das Land so außer Tritt geraten sei, konnte seine Schadenfreude aber nur schwer verbergen. "Wenn die sich zerlegen, muss ich das aushalten", sagte Klingbeil. Ist ja auch schön, wenn auch mal die anderen eins auf die Mütze kriegen und nicht immer nur seine notorisch glücklose SPD. Einzig der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke fand, dass Söder in der Sache "völlig recht" habe, nur komme leider sein Schachzug, auf die Abgeordneten zu setzen, "viel zu spät". Einig war sich die Runde, dass beide, Laschet und Söder, die Kandidatenfindung vergeigt haben, weil sie es weder geschafft haben, rechtzeitig miteinander zu reden, noch ein irgendwie geordnetes Verfahren ins Werk zu setzen, um das Problem zu lösen. "Es sind beide beschädigt", befand Dunz.

Interessant wurde es, als CSU-Generalsekretär Blume kurz zugeschaltet wurde und naturgemäß gewaltig rumeiern musste auf die Frage, warum sich Söder denn nicht an seine Zusage halte, weiter in Harmonie zusammenzuarbeiten, wenn die CDU sein Angebot ablehne. Auf Plasbergs mehrfache Frage, was denn passieren müsse, damit Söder doch noch der Kandidat werde, wich Blume mit der üblichen Politikerroutine aus. Es gehe jetzt darum, "auszuloten, mit wem haben wir die besten Chancen", und das dauere halt ein paar Tage. Da wurden andere deutlicher. "Es soll die CDU-Basis revoltieren", sagte Lucke über Söders Kalkül, und Lambsdorff assistierte ihm: "Es müsste eine Revolution kommen." Aber die kommt ja bekanntlich selten.

Die interessanteste Frage des Abends stellte Laschet-Freund Reul, und sie wird beide Parteien noch gewaltig quälen. "Wie kriegen wir das hin, dass CDU und CSU gemeinsam in den Wahlkampf ziehen?" In der Tat, wie wollen die das hinkriegen? Dunz sieht die Union schon in den gleichen Abgrund schauen wie 2018, als sich CDU und CSU wegen der Flüchtlingspolitik heillos zerstritten hatten. Und Lambsdorff, der an einen Kanzler Laschet glaubt, auch wenn der in den Umfragen noch hinter Olaf Scholz (SPD) liegt, wagte die schrecklichste Prophezeiung in der Runde. Wenn Laschet nicht Kanzlerkandidat werde, "wird er die Saskia Esken der CDU". Das würde ihm noch nicht mal sein Rivale Söder wünschen.

fahrenholz

Peter Fahrenholz wünscht sich, dass Talkshows nicht immer dieselben Gäste einladen. Denn politische Diskussionen brauchen spannende Argumente statt altbekannter Standpunkte.

© SZ/aner
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Kommentar von Nico Fried

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