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Gleichberechtigung:Schlechtes von gestern

Frau putzt Waschbecken/Geschirr 1950 Fünfzigerjahre

Kein Feminismus in Sicht: Diskriminierende Hashtags, Donald Trump und der Gender Pay Gap haben die vergangene Woche geprägt.

(Foto: Getty Images)

Ivanka Trump verteidigt ihren Vater, Barbie ist zu dick und ein Magazin twittert Sexistisches: Das Frauenbild ist auf dem Weg zurück in die Fünfzigerjahre. Ein Rückblick auf eine schwarze Woche in Medien und Politik.

Von Susan Vahabzadeh

Es war eine schwarze Woche für Frauen. Zumindest für alle, denen die Rollenzuweisungen aus den Untiefen des vorigen Jahrtausends auf die Nerven gehen. Zu den Neuerungen des herrschenden Zeitalters, nennen wir es mal die Ära Trump, gehört es, dass jetzt alle wieder sagen, schreiben und tweeten dürfen, was ihnen in den Sinn kommt - da weiß man dann schnell, warum immer noch eine Frauenkonferenz gebraucht wird wie der W-20-Gipfel, der gerade in Berlin stattfand. Das Frauenbild ist auf dem Rückschritt in die Fünfziger, weswegen das Wichtigste an Ivanka Trumps Auftritt in Berlin denn auch nicht die Frage war, was denn nun genau Ivanka Trumps Vater Donald zu einem "Champion" für Frauen macht. Sondern: Ist das nicht toll, Feminismus im Blümchenkleid?

Es war aber gar kein Feminismus in Sicht - Ivanka Trump ist reich geboren, hat dann, weil das nicht genug ist, reich geheiratet und ist alles andere als ein Beispiel für unabhängigen Erfolg von Frauen. Die bezahlte Elternzeit, von der sie behauptete, auch ihr Vater setzte sich für sie ein, war auch nicht Gegenstand irgendeines der rekordverdächtig vielen Dekrete, die der US-Präsident unterschrieb.

Die "dicke" Barbie soll schuld an Umsatzeinbußen sein

Dann ist da noch Emmanuel Macron, der am Sonntag in Frankreich in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vorne lag, und das, obwohl er gegen die Norm verheiratet ist, mit einer Frau, die 24 Jahre älter ist als er. Oskar Lafontaine ist 26 Jahre älter als Sahra Wagenknecht; inspiriert das auch dazu, die Wahlberichterstattung mit Texten unter der Überschrift: "Kann eine solche Ehe funktionieren?" aufzupeppen (Bild)? Aber welcher Teufel aus den Fünfzigerjahren mag den Stern geritten haben, als man dort auf Twitter, auf den Altersunterschied zwischen Macron und seiner Frau Bezug nehmend, einen Hashtag "#AufaltenPferdenlerntmanreiten" in die Welt postete? Da hilft's dann auch nicht, den Post zu löschen - der Gedanke zählt.

Und der hat dann wohl auch stern.de befeuert, die sinkenden Umsätze des Spielwarenherstellers Mattel mit der Einführung neuer Barbiepuppen mit realistischeren Figuren zu begründen - unter der Überschrift "Keiner will die dicke Barbie kaufen". Unklar ist nach Lektüre des Artikels, woher diese Weisheit stammt. Denn nicht nur hat Mattel die Diversity-Linie überhaupt nur erfunden, weil die standardisierte weiße Magerbarbie mit dem Riesenbusen nicht mehr genug einbrachte; im Oktober 2016 hatte der Konzern verkündet, der Barbie-Verkauf habe seit Einführung der pummeligen, bunten Puppen wieder angezogen.

Und in dem Bericht über das erste Quartal 2017, aus dem die Zahl mit dem Gesamtumsatzrückgang von 15 Prozent stammt, gehört die Barbie-Reihe zu den Mattel-Produkten mit dem geringsten Einbruch - er lag bei 13 Prozent; welche Barbies sich schlechter verkaufen, es gibt ja auch noch dünne, wird nicht aufgeschlüsselt. Der Umsatz der anderen Mattel-Reihen für Mädchen ging um 34 Prozent zurück, und insgesamt alles, vom Bastelspielzeug bis zu Fisher Price, hat sich schlechter verkauft als im Vorjahr. Woran mag das wohl liegen, haben die Baby-Bauklötzchen auch einen dicken Hintern? Oder ist es doch eher so, dass das der Wunsch der Vater der Gedanken war, es mögen die pummeligen Puppen schuld sein?

Gender Pay Gap, sogar bei nicht existenten Jobs

Manche Vorstellungen scheinen unausrottbar zu sein. Weswegen sich auch kaum jemand interessierte für die untergeordneten Details von "Penelopegate", dem Skandal, der dazu beitrug, dass der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon an der zweiten Runde der Wahl nicht mehr teilnehmen wird. Fillon war im Vorfeld unter Beschuss geraten, weil er seine Frau Penelope, einen Sohn und eine Tochter als Assistenten aus öffentlichen Kassen bezahlte - gut dotierte, nicht existente Jobs. Fillon zahlte seiner Tochter 3800, seinem Sohn 4300 Euro monatlich. Vielleicht kam ihm das glaubwürdiger vor. Oder er fand es einfach richtig. Das widerlegt jedenfalls Donald Trumps kühne These, es gebe den Graben zwischen der Bezahlung von Männern und Frauen gar nicht. Seine Position: Frauen würden, hat er im Wahlkampf gesagt, "doch genauso bezahlt, wenn sie einen genauso guten Job machen". Ach so? Nicht mal in Fillons Fiktion.

© SZ vom 28.04.2017/khil
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