bedeckt München 14°

Satireheft von Jan Böhmermann:"Besorgniserregend"

"32 Seiten Satire": Jan Böhmermanns "Freizeit Magazin Royale".

(Foto: Freizeitmagainroyale)

Der Bauer-Verlag sieht eine Rechtsverletzung in Jan Böhmermanns "Freizeit Magazin Royale". Über Sinn und Unsinn, sich gegen Satire zu wehren.

Von Aurelie von Blazekovic

Der Bauer-Verlag tappt gerade in eine Falle, in der bekannterweise mal Barbra Streisand gelandet ist. Die Entertainment-Ikone ärgerte sich im Jahr 2003 über eine Luftaufnahme ihrer Villa in Kalifornien auf einer unbedeutenden Webseite. Sie verklagte Fotograf und Seite auf 50 Millionen Dollar Schadensersatz. Erst dadurch bekam die Promivilla Aufmerksamkeit, das Foto verbreitete sich massenhaft. Anstatt es aus der Welt zu schaffen, erreichte die Sängerin mit ihrer Klage das Gegenteil. Heute heißt der fehlgeschlagene Versuch, Informationen zu unterdrücken: Streisand-Effekt.

Bei Bauer ist die Situation etwas anders gelagert, aber auch hier herrscht Ärger. Und zwar über das Satire-Klatschheftchen Freizeit Magazin Royale von Jan Böhmermann. Das am Wochenende erschienene Magazin, ganz im Stil der Regenbogenpresse, zielt mit seinen reißerischen Überschriften nicht wie dort üblich auf Helene Fischer, den europäischen Hochadel oder die Familie von Michael Schumacher ab, sondern auf die Verleger aus den Häusern Burda und Bauer selbst.

Den Unmut aus dem Intranet will Burda nicht öffentlich kommentieren

Bei Burda selbst versucht man, darauf gelassen zu reagieren: "Komödianten genießen Narrenfreiheit. Die Geschichten eines Komödianten werden wir nicht kommentieren," heißt es auf Anfrage der SZ beim Verlag. Den Unmut über die Aktion, den Burda im Intranet gegenüber Mitarbeitern kundtat, wie beim Branchenportal Übermedien zu lesen war, kommentiere man nicht öffentlich.

Ging in die Journalisten-Lehrbücher ein: Barbra Streisand. Hier mit John Wayne.

(Foto: AFP)

Bei der Bauer Media Group hingegen wittert man einen möglichen Rechtsbruch. Satire finde man zwar "richtig und wichtig" - und werte es "als Publisher Nummer 1" sogar als "ein positives Zeichen, wenn Verlage neue Zeitschriften auf den Markt bringen und kreative Magazin-Konzepte möglichst viele Menschen erreichen". Doch dann heißt es in der Stellungnahme: "Allerdings finden wir es besorgniserregend, dass das ZDF offensichtlich die rechtlichen Grenzen seines Rundfunkauftrags verlassen hat, indem es mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert." Nicht die Satire soll also das Problem sein, sondern eine mögliche Überschreitung des öffentlich-rechtlichen Auftrags?

Denn Böhmermanns Sendung läuft im gebührenfinanzierten ZDF, für das schnell ausverkaufte Heft wurde ein Euro kassiert, knapp vier Euro mit Porto für alle, die online bestellt haben.

Beim ZDF weist man den Bauer-Vorwurf auf Anfrage der SZ zurück. Das Magazin sei auf eine Einzelausgabe beschränkt und eine Begleitpublikation des ZDF Magazin Royale vom Freitag - und damit "gemäß Medienstaatsvertrag" veröffentlicht. Im Übrigen werde man die mit dem Satireheft erzielten Gewinne für ein gemeinnütziges Projekt zur Stärkung von Medienkompetenz in Print und Internet spenden.

Auch wenn bislang keine rechtlichen Schritte eingeleitet wurden: Denkt man an Barbra Streisand, wäre das vielleicht auch nicht geschickt. Ihre Klage hatte damals übrigens keinen Erfolg. Geschossen wurde das Foto auch nicht etwa von gierigen Paparazzi, sondern diente bloß einem Projekt, das die Küstenerosion in Kalifornien dokumentieren sollte.

© SZ/hert/hy
Zur SZ-Startseite
Mats Schönauer

SZ PlusRegenbogenpresse
:"Die Magazine sind die Urgroßmütter des Clickbaiting"

Mats Schönauer entlarvt seit Jahren die Mechanismen der Klatschpresse. Jetzt hat er den Satiriker Jan Böhmermann unterstützt, der ein Persiflage-Magazin herausgebracht hat. Ein Gespräch über gedehnte Wahrheiten und unterschätzte Gefahren.

Interview von Moritz Baumstieger

Lesen Sie mehr zum Thema