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Medienkolumne "Unser Beitrag":Hier also verbirgt sich die Vielfalt

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(Foto: Steffen Mackert)

Was die Öffentlich-Rechtlichen senden. Folge 2: Die Talksendung "Five Souls", die der SWR leider auf Youtube versteckt.

Von Aurelie von Blazekovic

Wo ist sie nur, die Diversität im deutschen Fernsehen? Hier zum Beispiel, bei der neuen Talkshow Five Souls vom SWR. Die drei Hosts of Color Hadnet Tesfai, Tasha Kimberly und Thelma Buabeng sprechen jede Woche mit zwei weiteren Gästen freundinnenmäßig über das, "was 30- bis 40-Jährige beschäftigt". In den ersten Folgen geht es um Schwiegermütter, Exfreunde und ums Schwarzsein im Datingleben. Hadnet Tesfai ist Moderatorin, war früher bei MTV, Tasha Kimberly ist auf Tiktok unterwegs, Thelma Buabeng als Schauspielerin in Theater und Film.

Das Gesprächsklima ist lustig, kurzweilig, locker. Und diese Runden haben interessantere Dinge zu erzählen als Fernsehmenschen mit totalen Durchschnittslebenswelten. Angenehm auch, dass die Gäste ihre Diversität nicht ständig bierernst und politisch thematisieren müssen, sondern alles ganz nebenbei passiert. Achtung, Fernsehmacher, das kann auch unterhaltsam sein! Zu ihrer deutschen Hochzeitsfeier in vertrauter Runde hätte Hadnet Tesfai ihren Exfreund zum Beispiel niemals eingeladen, aber zum eritreischen Fest mit anderthalbtausend Gästen, klar, da hätte auch er kommen können.

Leider läuft Five Souls nicht im Fernsehen, sondern auf Youtube, wo die Öffentlich-Rechtlichen ihre jungen und interessanten Projekte gerne hinschieben, man könnte sagen: verstecken. So geschehen auch bei der schon wieder eingestellten, ebenfalls divers besetzten Sendung Karakaya Talk von Funk.

Ein paar Tausend Abrufe haben die ersten Folgen von Five Souls auf Youtube immerhin schon, auch auf Instagram ist die Talkshow aktiv, das ist schön und gut. Aber eigentlich spräche doch nichts dagegen, eine Sendung wie diese auch mal im Nachmittagsprogramm des SWR zu zeigen, vielleicht nach der Sendung Kaffee oder Tee, die dort ab 16 Uhr läuft und Haushaltstipps und Rezepte für gefüllten Schweinebraten zeigt. Oder irgendwo zwischen Tatort und Bodenseekrimi-Ausstrahlungen am späteren Abend? Nur Mut, lieber SWR, Fernsehzuschauer vertragen mehr als Schweinebraten.

© SZ/ebri
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