bedeckt München 21°

"Beckmann" zu Edward Snowden:Kuriose Argumente des "Bild"-Reporters

Für seine Ansichten findet der Bild-Mann im Rest der Runde wenig Zustimmung, häufig wirken seine Argumente konstruiert, manchmal sogar komisch: Snowden sei Vegetarier, habe es zunächst geheißen, doch habe er mit Ströbele Steak gegessen. "Wir wissen nicht mal, was Herr Snowden isst. Woher sollen wir wissen, wer er ist?", folgert Reichelt.

Eine Grundsatzdebatte darüber, wie die entgrenzten Überwachungsmöglichkeiten von Geheimdiensten wieder begrenzt werden können, entsteht an diesem Abend nicht. In guten Momenten allerdings ermöglichen Beckmanns Gäste kurze Blicke auf die Zentren der vielen kleinen Kontroversen rund um die Ausspäh-Affäre.

Außer dem Hinweis auf das Kanzlerhandy gebe es "kein Dokument, das belegt, dass Deutsche in Deutschland abgehört wurden", erklärt beispielsweise Reichelt - die durchaus berechtigte Erinnerung daran, dass wir zwar das mögliche Ausmaß der Datensammlung, aber jenseits der Affäre Merkel hierzulande keine konkreten Fälle kennen.

Rechtfertigt dies angesichts der bekanntgewordenen Ausspähstrukturen und Datenmengen ein Grundvertrauen, dass NSA und GCHQ mit ihrer Macht verantwortungsvoll umgehen? Und was ist mit Geheimdiensten aus Ländern wie Russland und China, fragt Pleitgen. Wie nutzen sie die Datensammel-Möglichkeiten der digitalisierten Welt? Und was ist mit Snowden? "Wegen zivilen Ungehorsams muss man auch vor Gericht stehen", sagt US-Journalistin Crane, "Soll Edward Snowden dieses Opfer bringen? Das ist eine große und schmerzvolle Frage."

Asyl in Norwegen?

Welche Rolle Whistleblower in unserer Gesellschaft spielen und welchen Schutz wir ihnen geben können, diese Frage wird trotz der Anwesenheit von Transparency-Vertreterin Müller nur am Rande berührt. Auch die durchaus spannende Frage, ob Bild die Snowden-Dokumente veröffentlicht hätte, wenn sie sie denn bekommen hätte, beantwortet Chefreporter Reichelt nur ausweichend.

Etwas konkreter wird es, wenn es um die Zukunft Snowdens geht: Eine Vernehmung des NSA-Enthüllers in Russland hält Ströbele weiterhin für problematisch, an eine Aufenthaltserlaubnis durch das Bundesinnenministerium glaubt er dem Anschein nach allerdings selbst nicht so ganz.

Er spreche mit Abgeordneten aus fünf europäischen Ländern darüber, ob es für Snowden die Möglichkeit einer Aufnahme gäbe. Es gibt also durchaus ein bisschen Bewegung hinter den Kulissen.

Warum nicht Asyl für Snowden in Norwegen, fragt US-Journalistin Crane in Anlehnung an eine Idee Hans-Magnus Enzensbergers. Das wäre ein guter Ausgleich für den sehr verfrühten Friedensnobelpreis, den Obama in Oslo erhalten habe. Er sei mit einem nordischen Land im Gespräch, gibt der Grüne zu.

Kreuzbergs politischer Jopi Heesters verhilft Snowden zu Asyl in Skandinavien - das klingt nach einer ziemlich unrealistischen Geschichte. Andererseits: "Unrealistisch" - gibt es dieses Wort im Moment überhaupt im Wortschatz von Hans-Christian Ströbele?