AfD-Podiumsdiskussion Sie haben sich nicht gekloppt, aber ...

Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, bei der AfD-Podiumsdiskussion zum Thema "Medien und Meinung" in Dresden. Es wurde auch mal heftiger zwischendurch.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)
  • In Dresden diskutieren AfD-Mitglieder und die Chefredakteure von ARD aktuell und ZDF, Kai Gniffke und Peter Frey.
  • Aus dem geplanten geordneten Disput wird jedoch nichts. Stattdessen offenbaren beide Seiten, wie groß die Differenzen sind.
  • Trotzdem konstatiert ZDF-Chef Frey: "Wir haben uns nicht gekloppt, insofern bin ich zufrieden."
Von Ulrike Nimz, Dresden

Dass diese Veranstaltung ein Erfolg ist, zumindest aus der Sicht der AfD, wird klar, bevor nur ein Wort ausgetauscht ist. Immerhin haben sich 70 Journalisten angemeldet zur Podiumsdiskussion mit dem Titel "Medien und Meinung". Das Konzept lässt sich so zusammenfassen: Die Chefredakteure von ARD-aktuell und ZDF im geordneten Disput mit Kritikern der öffentlich-rechtlichen Medien. Kein Abend zum Dampfablassen soll es werden, quasi hart aber fair.

Und so finden sich Kai Gniffke und Peter Frey am Donnerstagabend im Saal "Hamburg" der Dresdener Messe wieder, vor einem hellblauen Banner mit dem Slogan "Mut zur Wahrheit". Mit ihnen auf dem Podium: Nicolaus Fest, früher bei Bild am Sonntag, heute im Berliner Landesverband der AfD, und Michael Klonovsky, früher beim Focus und Berater von Frauke Petry, heute Redenschreiber von Alexander Gauland.

Nachdem eine hartnäckige Rückkopplung besiegt ist, präsentieren die beiden Parteienvertreter ihre Argumente für eine vermeintliche Unausgewogenheit der Berichterstattung. Da ist der Umgang mit Donald Trump, der den Ex-Journalisten aufstößt. Nach Mordfällen in Freiburg und Offenburg - in beiden Fällen waren die Tatverdächtigen Asylbewerber - sei gar nicht oder zu spät berichtet worden.

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Gniffke wiederholt die Einschätzung, die er bereits im Fall der Freiburger Studentin Maria L. geäußert hatte, nachdem in den sozialen Netzwerken der Volkszorn hochgekocht war: Die Tagesschau berichte selten bis nie über einzelne Kriminalfälle. Die Herkunft des mutmaßlichen Täters habe keinen Einfluss auf diese Entscheidung gehabt. Als weiteres Beispiel nennt er den Fall Mitja aus Leipzig. Der Neunjährige war 2007 missbraucht und ermordet worden. Das Verbrechen sorgte in Sachsen für Entsetzen, die Tagesschau berichtete trotzdem nicht. "Es gefällt mir auch nicht, so einen Fall auf Relevanz abzuklopfen", sagt Gniffke. Die Tagesschau müsse sich jedoch jeden Tag aufs Neue fragen, was für das Land wichtig sei, so Gniffke. "Wir können nicht nur über Mord und Totschlag berichten."

Höhnisches Gelächter rollt durch die Reihen

Wie entsteht eine Nachricht? Wie arbeitet der Rundfunkrat? Was steht in den Programmrichtlinien? Gniffke und Frey haben die Einladung der AfD auch angenommen, weil sie den Gebührenzahlern ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis transparenter machen wollen. "Wenn wir einmal die Standards nicht halten, ist es unsere Pflicht, das offenzulegen", so Gniffke. Frey verweist auf die Korrekturen-Rubrik auf der Webseite des Heute-Journals, wo Fehler dokumentiert werden: "Ein Handwerk ohne Fehler gibt es nicht."

Die gegnerische Seite und das Publikum überzeugt das nicht. Ein paar Hundert Menschen sitzen im Saal, darunter viele AfD- und Pegida-Sympathisanten. Gab es bei der Vorstellungsrunde noch höflichen Applaus, rollt nun immer häufiger höhnisches Gelächter durch die Reihen.

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Das Verhältnis von Medien und seiner Partei habe sich auf "unschöne Weise verkantet", konstatiert Fest. Der Mann, der auf seiner Webseite die Kanzlerin als "Raute der Zerstörung" bezeichnet, führt die heute-Show an, die Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen in einem satirischen Beitrag "Schädling" genannt und einen stotternden AfD-Abgeordneten veralbert hatte. "Mit dem Unterschied, dass Herr Welke sich entschuldigt hat", sagt ZDF-Chef Frey. "Von Herrn Gauland habe ich so etwas noch nie gehört." Man müsse auch über Gewalt gegen Journalisten reden und darüber, welchen Ton die AfD bisweilen pflege, sagt Frey und zitiert aus einer Aschermittwochsrede Klonovskys, in der dieser den Bundespräsidenten als "Marionette eines bestehenden Systems" bezeichnet hatte.

Gniffke und Frey sind an diesem Abend fast ausnahmslos in der Defensive - das hat auch mit der eigenwilligen Besetzung des Podiums zu tun. Neben Klonovsky und Fest sitzen als Moderatoren Andreas Lombard, Chefredakteur des rechtskonservativen Cato-Magazins, und Klaus Kelle, CDU-Mitglied und Medienunternehmer, in der Runde. Beide mögen über weite Strecken einen sachlichen Ton wahren. Neutral sind sie jedoch nicht. Wiederholt greifen sie Journalisten der Sendeanstalten in ihren Fragen persönlich an, den Nachrichtenredakteur und Rechtsextremismus-Experten Patrick Gensing oder die Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga. Konservative würden sich im Programm der Öffentlich-Rechtlichen hingegen nicht wiederfinden, klagen sie: "Kein einziger Tatort-Kommissar kommt aus einer normalen Vater-Mutter-Kind-Familie."

Peter Frey findet die Stimmung im Saal "bedrückend"

Es gebe keine Vorgaben in der Berichterstattung, entgegnet Frey. Im Gegenteil: Die Talkshowauftritte von Höcke und anderen AfD-Hardlinern hätten die Partei erst groß gemacht. Es sei auch nicht Absicht des Senders, zu erziehen. Das wegen seiner Moderationen harsch kritisierte Heute-Journal sei ein Angebot zur Meinungsbildung. "Am Ende muss ich sagen: Sie haben die Freiheit, abzuschalten." "Aber zahlen müssen wir!", schallt es zurück.

Gniffke kann offenen Dissens offenbar schwerer aushalten als sein Kollege. Immer wieder versucht er, die Wogen zu glätten, räumt ein, dass die Berichterstattung über Pegida anfangs zu pauschalisierend gewesen sei, bekennt, dass auch er die 17,50 Euro Rundfunkbeitrag nicht gern zahle. Er lässt sich zu Basta-Sätzen hinreißen wie: "Wer bei uns Trennung von Meinung und Bericht nicht beherrscht, fliegt raus."

Peter Frey wirkt besonnener, besser vorbereitet, aber zwei Stunden Gegenwind gehen auch an ihm nicht spurlos vorbei. "Bedrückend" nennt er die Stimmung im Saal. Als er aufgefordert wird, doch einmal die Grenze zwischen rechts und rechtsextrem zu definieren, reicht es ihm: "Ich finde es kurios", sagt Frey, "dass Sie so etwas von uns verlangen. Wenn Sie zur bürgerlichen Mitte gehören wollen, müssen Sie Ihr Verhältnis zum rechten Rand klären, nicht wir." Aus der Tiefe des Raumes ruft eine Frau: "Wir sind die bürgerliche Mitte!"

Am Ende gibt es kaum Annäherung, aber für alle in der Runde sächsischen Wein. Das Fazit des ZDF-Chefredakteurs fällt dennoch nüchtern aus. "Wir haben uns nicht gekloppt, insofern bin ich zufrieden."

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