Kolumne "Familie und andere Turbulenzen":War früher alles besser?

Den zeitlichen Rahmen sprengte dann die einstündige Wahl der Elternsprecher: Die stickige Luft im Klassenzimmer wurde von ausweichenden Blicken durchlöchert, weil niemand den Posten übernehmen wollte. Einer summte Reinhard Meys "Elternabend" (Text und Melodie): "Jetzt heißt es, sich ducken, sich tot stell'n, nicht aufmucken!" Ein Nervenkrieg, dem die aktuellen Elternvertreter nicht gewachsen waren. Kurz vor Mitternacht gaben sie auf und stellten sich zur Wahl. Sie bekamen alle Stimmen.

Doch waren die Elternabende zuvor im Kindergarten besser, weil kürzer? Immerhin ging es damals nicht um die Zukunft, sondern bestenfalls um die Frage, wer beim nächsten Sommerfest den Grill übernimmt. Und noch kein Lehrer torpedierte mit straffen Hausaufgabenplänen die Idee von einer glücklichen Kindheit inklusive nachmittäglichem Spiel mit Freunden.

Trotzdem zerrten solche Abende im Kindergarten an den Nerven, denn man war dort nicht allein. Die anderen Eltern waren leider auch da. Einige nutzten schon hier die Gelegenheit, ausführlich über ihr Kind zu reden. Und irgendwie auch über sich selbst. Bis es die anderen nicht mehr aushielten: Ob man vielleicht zum Ende kommen könne, bevor die Sonne wieder aufgehe?

Wenn dann das Licht in den Spielräumen und Klassenzimmern endlich verlosch und sich die erschöpften Mütter und Väter nach Hause schleppten, sangen sie auf nachtleeren Straßen resigniert die letzte Liedzeile von Reinhard Mey: Der nächste Elternabend kommt bestimmt.

Wie überstehen Sie den Elternabend? Verraten Sie uns Ihre Tipps und Tricks in den Kommentaren unter der Kolumne.

Auf SZ.de erscheint immer montags die Familienkolumne über das Zusammenleben von Eltern, Kindern und Großeltern, aber auch Tanten und Onkeln, Cousins, Nichten, Neffen - eben allen, die das Familienleben bereichern, erleichtern oder auch ein bisschen komplizierter machen.

Sie können gerne einen Themenvorschlag an die Autorin Katja Schnitzler mailen: Was treibt Sie in Ihrer Familie in den Wahnsinn oder was macht das Leben erst richtig schön?

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