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Rechtspopulismus:Verknüpft: Tourismus und lokaler Antisemitismus

Usedom gehört zu den traditionellen deutschen Tourismusregionen. Wenn jetzt erste Stimmen aus der Tourismusbranche vor negativen Folgen des Rechtsrucks bei den Landtagswahlen warnen oder beruhigend versichern, der Besucherzustrom werde auf solche Pendelausschläge kaum reagieren, geschieht das in einem Echoraum, der von den Historikern erst in jüngerer Zeit ausgemessen worden ist. "Willkommen in den Kaiserbädern", so begrüßen Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin ihre Gäste auf den Titelseiten von Broschüren oder im Netz. Im Kaiserreich ist Usedom zu einer Tourismusattraktion geworden, nicht zuletzt für das Berliner Bürgertum.

Ein Teil dieses Bürgertums waren deutsche Juden. Wie in den Nordseebädern war auch auf Usedom die Entfaltung des Tourismus mit der Entfaltung des lokalen Antisemitismus verknüpft. Der Zeithistoriker Michael Wildt hat 2001 in der Zeitschrift Mittelweg den Antisemitismus in deutschen Nord- und Ostseebädern zwischen 1920 und 1935 dargestellt, Frank Bajohr in seiner Studie "Unser Hotel ist judenfrei" (2003) den "Bäderantisemitismus" bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt.

Der "Bäderantisemitismus" war ein Pilotphänomen

Es führt in den Analysen der Zeithistoriker nicht von jedem Ort, an dem der Bäderantisemitismus auftrat, eine direkte Verbindung in den Holocaust. Bansin und Zinnowitz auf Usedom brüsteten sich auch deshalb schon lange vor 1933 damit, besonders "judenrein" zu sein, weil im benachbarten älteren und luxuriöseren Heringsdorf jüdische Gäste noch unbehelligt blieben. Der "Bäderantisemitismus" interessiert die Historiker als eine Art Pilotphänomen. Er machte in begrenzten lokalen Milieus Ausgrenzungen alltäglich und mehrheitsfähig, als sie im Deutschen Reich insgesamt noch nicht auf der Tagesordnung standen. Man kann in den Tagebüchern von Victor Klemperer, der im August 1927 in Heringsdorf Urlaub machte, das Echo der antisemitischen Lieder hören, die im nahen Zinnowitz gesungen und auch auf Postkarten verbreitet wurden.

Der 1921 ins Leben gerufene "Schutzbund für deutschvölkische Ostseebäder" trug zur Radikalisierung des "Bäder-Antisemitismus" in der Weimarer Republik bei. Den Begriff hatten die deutschen Juden selbst schon im späten 19. Jahrhundert in Reaktion auf antisemitische Pöbeleien geprägt. Da war noch das ältere Wort für Tourismus im Schwange: Fremdenverkehr. In diesem Wort sind Fremde willkommen. Der "Bäder-Antisemitismus" verwandelte Gäste in unwillkommene Fremde.

Mit Peenemünde beherbergte Usedom ein geheimes Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie. Das "Historisch-technische Museum" in Peenemünde im Kraftwerk der ehemaligen Heeresversuchsanstalt stellt Wernher von Braun, die V 2 und die Zwangsarbeiter in den historischen Kontext der Ferieninsel. Zu ihrer Literaturgeschichte gehört der Roman "Die Enden der Parabel" des amerikanischen Autors Thomas Pynchon (1973), in dem Peenemünde und die V 2 eine Schlüsselrolle spielen. Den historischen Raum, der die Insel umgibt, kann Usedom nicht abwählen.

Eine Diskussion mit dem frisch gewählten Vertreter des Wahlkreises Vorpommern-Greifswald III über seinen Wahlslogan und den Begriff "Fremdenverkehr" steht auf der Tagesordnung.

© SZ vom 07.09.2016/doer

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