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Humor:Wer bloß nachäfft, stellt nur seine Fassungslosigkeit aus

Witze über Dinge, die Menschen fassungslos machen, sind also gut für deren Psychohygiene. Und sie haben darin - theoretisch jedenfalls - ebenfalls eine politische Dimension. Wer sich in aussichtslose Wut versteigt, wirkt hilflos. Er wirkt klein. Wer Gegner verlacht, wahrt wenigstens vordergründig Souveränität. Vielleicht sogar Deutungshoheit. Humor kann dann als Waffe funktionieren. Donald Trump soll beispielsweise tief getroffen davon sein, dass sein Regierungssprecher Sean Spicer in der Satiresendung "Saturday Night Live" von einer Frau gespielt wird. Weil es Spicer angeblich schwach erscheinen lässt. Entlarvender geht es kaum.

Humor kann als Waffe aber auch schnell stumpf werden. Dann, wenn er sich abnutzt. Wenn er selbst zur schalen Phrase verkommt - siehe "Tremendous", siehe "Make xy great again". Oder, schlimmer, wenn die Persiflage zum eigenständigen Bild heranwächst. Was zurück zum Hitler-Test führt: Tauchen beim Namen des Diktators vor dem geistigen Auge nur noch oder überwiegend Helge Schneider oder andere Imitatoren auf, ist das ein Problem. Wenn die Persiflage an die Stelle der grausigen Realität tritt, ist die Banalität des Bösen nämlich nur noch banal - und damit nicht mehr böse. Überall "Switch Reloaded". Nirgends mehr der reale Schrecken.

Misstrauen und Paranoia zerfressen Amerikas Politik
USA

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Präsident Trump wettert gegen Barack Obama und sieht sich von Verschwörern umstellt. Die Vorgänge in der neuen US-Regierung müssen tatsächlich aufgeklärt werden.   Kommentar von Hubert Wetzel

Man besiegt den Wahnsinn nicht, indem man ihn bloß besonders gekonnt imitiert

Am Ende des Tages ist aber auch Donald Trump keine Comic-Figur. Er ist ein realer Präsident mit realer Macht. Seine Slogans sind reale Stimmungsmache, auf die gerade sehr reale Ab- und Ausgrenzungspolitik folgt - und sehr, sehr veritable Lügen. Die Komik könnte hier wirken. Sie hätte die Chance, sich als wichtige, vielleicht sogar wichtigste Instanz der Aufklärung zu etablieren. Dazu bräuchte sie aber zum Beispiel die Art von Recherche, die Art von Investigativ-Humor, die man etwa bei John Oliver und Jon Stewart erleben kann - oder in Deutschland seltener bei Jan Böhmermann. Nur zu parodieren, reicht nicht. Oder, wie es ein Kollege jüngst schrieb: "Man besiegt den Wahnsinn nicht, indem man ihn bloß besonders gekonnt imitiert."

Das liegt auch begründet im Wesen der Parodie. Wer bloß nachäfft, egal wie gekonnt, der agiert eben nicht im Geiste irgendeiner Aufklärung. Er entlarvt nichts, er bricht die Realität nicht. Er gewinnt gerade keine Deutungshoheit, sondern stellt bloß seine Fassungslosigkeit aus. Er macht sich klein. Im schlimmsten Fall feiert und adelt er das Original sogar.

Das gilt im besonderen Maße für alle, die die Welt professionell verhandeln - für die Medien, die Werbung, die Politik, die Comedians. Es gilt, zumindest dosiert, aber auch für private Runden. Trumps Worte nachzuäffen, mag dem Einzelnen "Comic relief" sein - und darin wohl auch legitim. Gesamtgesellschaftlich aber bringt es nichts. Außer Abnutzung. Das ist beim Bier wohl nicht gefährlich. Aber sehr, sehr überflüssig.

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