"Fight Club" in China:Zensierte Revolution

Lesezeit: 2 min

"Fight Club" in China: Brad Pitt in "Fight Club".

Brad Pitt in "Fight Club".

(Foto: Imago)

Der Filmklassiker "Fight Club" ist auf einem chinesischen Streamingdienst zu sehen - mit einem neuen Ende.

Von David Steinitz

Der Filmklassiker "Fight Club" hat in China ein neues, zensiertes Ende bekommen, wie unter anderem Variety berichtet. Der Thriller ist dort bei Tencent Video zu sehen, einem erfolgreichen Streamingdienst mit knapp 90 Millionen Abonnenten.

In der Originalversion von 1999 endet der Film apokalyptisch. Der Erzähler des Films, von Edward Norton verkörpert, tötet sein Alter Ego namens Tyler, das von Brad Pitt gespielt wird. Danach sieht man gewaltige Explosionen, Gebäude brechen in sich zusammen und es sieht so aus, als wäre der Plan der Hauptfigur, die moderne Zivilisation und Gesellschaft zum Zusammenbruch zu bringen, aufgegangen. In der neuen chinesischen Schnittfassung endet der Film aber, bevor man die Skyline explodieren sieht. Stattdessen wird eine Schrifttafel eingeblendet, auf der erklärt wird, dass es den Behörden gelungen sei, die sinisteren Pläne der Hauptfigur zu vereiteln: "Die Polizei kam dem Plan schnell auf die Spur und verhaftete alle Kriminellen, womit sie es schaffte, die Explosion zu verhindern. Nachdem ihm der Prozess gemacht wurde, schickte man Tyler in die Psychiatrie, um behandelt zu werden. Er wurde 2012 aus dem Krankenhaus entlassen."

Aus "Bohemian Rhapsody" wurden alle Männerküsse herausgeschnitten

Es muss in den vergangenen Jahren aber auch die Originalversion des Films in China zirkuliert sein, sonst wäre die merkwürdige neue Schnittfassung wohl keinem Zuschauer aufgefallen. Dass ausländische Filme, besonders amerikanische, in China zensiert werden, ist nichts Neues. Besonders gern stürzen sich die Zensoren auf alles, was mit Homosexualität zu tun hat. Entsprechende Szenen wurden zum Beispiel aus dem Freddie-Mercury-Biopic "Bohemian Rhapsody" geschnitten oder aus "Alien: Covenant". Auch werden umstürzlerische, subversive, gegen das politische System gerichtete Szenen gerne gekickt, so wie jetzt in "Fight Club".

Auch einzelne Schauspieler wurden schon Daueropfer der chinesischen Zensur, besonders Brad Pitt. Er spielte 1997 die Hauptrolle in "Sieben Jahre in Tibet". Darin freundet er sich in seiner Rolle mit dem Dalai-Lama an. Das war kurz nachdem China in Tibet einmarschierte, und in der Folge landeten alle Pitt-Filme für Jahre auf dem Index. Auch "Fight Club" kam in China nicht ins Kino. Erst als Pitt 2016 in dem tendenziell chinafreundlichen Film "Allied" mitspielte, änderte sich das wieder.

Ob die neue Fassung von "Fight Club" ein nachträgliches Begehr der chinesischen Behörden war oder schon prophylaktisch vom amerikanischen Rechteinhaber angeboten wurde, ist bislang nicht klar. Beides kam schon vor. Denn vielen Hollywoodstudios ist es lieber, ein paar Minuten aus einem Film herauszuschneiden, als ganz auf den wichtigen chinesischen Markt verzichten zu müssen. Disney zum Beispiel durfte im vergangenen Jahr keinen einzigen Marvel-Film in China zeigen, was sich sofort auf die Jahresbilanz auswirkt. "Fight Club" gehört mittlerweile übrigens auch der Disney Company, die das Studio, das den Film damals produzierte, vor ein paar Jahren aufgekauft hat.

Zur SZ-Startseite
Abenteuer-Film ´The Great Wall"

Chinesisches Kino
:Die Mauer muss weg

Der chinesische Kinomarkt boomt und Hollywood wird nervös. Die Lösung: Der Verbrüderungsblockbuster "The Great Wall". Aber kann das funktionieren?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB