Disneys "Encanto" im Kino:Hex, hex

ENCANTO

In dieser Familie hat jeder magische Kräfte: Die Helden im Trickfilm "Encanto".

(Foto: Disney)

Der Disney-Trickfilm "Encanto" erzählt von einer Familie mit magischen Kräften in den Bergen Kolumbiens. Und greift das Thema Flüchtlinge auf.

Von Josef Grübl

"Abre los ojos", sagt jemand zu Beginn dieses Films, öffne die Augen. Das schadet im Kino natürlich nie, und schließen sollte man sie auch auf keinen Fall im jährlichen Disney-Weihnachtstrickfilm: "Encanto" ist ein wahrer Augenöffner. Ein Fest aus Bildern, Bewegung, Tanz und Farben, kombiniert mit lateinamerikanischen Rhythmen, bonbonsüßen Melodien und Magie.

Erzählt wird eine Superheldengeschichte, was einen zunächst einmal abschrecken könnte, sind doch ausgerechnet diese Storys oft nicht mehr ganz so super: Ständig sieht man dieselben Superstarken, Superharten oder Superrabiaten, ständig geht es um nichts weniger als die Rettung der Welt. Zum Glück ist "Encanto" anders geworden. Die Regisseure Byron Howard und Jared Bush erzählen von einer magisch talentierten Familie aus Kolumbien.

"Abre los ojos": Das Publikum soll also nicht nur den Blick, sondern auch den eigenen Horizont weiten für diverse Charaktere und Storys jenseits der USA. Das hat bei Disney-Hits aus den letzten Jahren wie dem Mexiko-Musikfilm "Coco" oder dem Polynesien-Abenteuer "Vaiana" gut funktioniert, das dürfte auch bei "Encanto" klappen. Dass die Originalsprache Englisch und bis auf ein paar Einsprengsel doch nicht Spanisch ist, erscheint zwar nicht ganz so konsequent divers, wie sich Disney gerne gibt, aber so funktioniert nun mal Hollywood.

Die Mutter heilt Wunden, der Neffe spricht mit Tieren, die Schwester verwandelt alles in Blumen

Auch eine weibliche Hauptfigur macht sich gut, in diesem Fall ist es eine bebrillte junge Frau namens Mirabel. Sie wurde in eine Familie hineingeboren, die in einem magischen Mehrgenerationenhaus lebt, irgendwo in den Bergen Kolumbiens. Doch nicht nur das Haus hat Zauberkräfte, auch seine Bewohner sind mit besonderen Talenten gesegnet. Mirabels Mutter etwa heilt Schnittwunden mit ihren selbstgekochten Arepas, ihr Neffe kann so wie Doctor Dolittle mit Tieren sprechen. Die hübscheste Superkraft hat ihre Schwester, die alles um sich herum in Blumen verwandelt. Und Mirabel selbst? "Sie ist die Einzige, die kein Talent abbekommen hat", raunen sich die Kinder im Dorf zu.

Innerhalb ihrer Superfamilie führt sie also ein Aschenputtel-Dasein, sie muss sich um die anderen kümmern und ist sich ihrer Mittelmäßigkeit bewusst. Aber Mirabels Stunde wird noch schlagen. Als Gefahr von außen droht, ist sie die Einzige, die das Haus, die Familie und vor allem die Magie retten kann. Eine junge Heldin also, die über sich hinauswächst? So läuft das nicht nur in Superheldinnenhits, sondern auch in Animationsfilmen für die ganze Familie. Dabei greift diese Heldin auf die beste Superkraft von allen zurück: Empathie. Dass die Welt davon mehr vertragen könnte, auch davon erzählt der Film. So sieht man in Rückblenden Mirabels Großmutter, wie sie mit Ehemann und drei kleinen Kindern aus ihrer Heimat fliehen muss, in eine unsichere Zukunft, in ein anderes Land. Man lässt sie aber nicht durch, die Familie wird voneinander getrennt. Dass sich ein großer Hollywoodfilm mit den Geflüchteten aus Süd- und Mittelamerika solidarisiert und ihnen Namen, Gesichter und Geschichten gibt, ist vielleicht der schönste Dreh dieses schönen Films.

Encanto, USA 2021 - Regie: Byron Howard, Jared Bush. Mit den Originalstimmen von: Stephanie Beatriz, John Leguizamo. Disney, 99 Minuten. Kinostart: 25.11.2021.

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