Diskriminierung von Frauen Gleichstellungsbehörde ermittelt gegen Hollywoods Einstellungspraxis

"Unwahre Behauptungen über mich und andere Frauen": "Twilight"-Regisseurin Catherine Hardwicke legt Beweise für die Diskriminierung weiblicher Filmschaffender vor.

(Foto: dpa)

Die "Twilight"-Regisseurin legt Beweise vor, wie Frauen in der Filmbranche diskriminiert werden.

Von Susan Vahabzadeh

Als Patricia Arquette in ihrer Oscar-Dankesrede im vergangenen Frühjahr auf die unterschiedliche Bezahlung von Schauspielerinnen und ihren männlichen Kollegen hinwies und Meryl Streep ihr zujubelte, taugte das noch für einen Gag später in der Show.

Inzwischen dürfte vielen, die die Debatte über Sexismus in Hollywood in diesem Jahr komisch fanden, das Lachen vergangen sein. Etliche sehr prominente Schauspielerinnen haben sich in den vergangenen Wochen zu Wort gemeldet. Reese Witherspoon hielt eine Rede. Jessica Chastain beklagte sich. Jennifer Lawrence veröffentlichte einen Text: Sie habe bei Verhandlungen nachgegeben, um nicht zickig zu wirken. So kam es, dass sie für "American Hustle" eine weit geringere Gage bekam als der unbekanntere Jeremy Renner. In dieser Woche schrieb Sandra Bullock in Variety, es gehe eigentlich gar nicht ums Geld. Sondern um alles, sprich: eine generelle Ungleichbehandlung.

Die US-Gleichstellungsbehörde ermittelt wegen ungleicher Einstellungspraktiken

Die geringeren Gagen weiblicher Stars sind tatsächlich nur ein Teil des Problems, wobei auch diese Ungleichbehandlung in einer Branche, die sich schon zu Greta Garbos Zeiten darauf verließ, mit weiblichen Stars Kinokarten zu verkaufen, und zwar möglichst auch an weibliche Zuschauer, ein ziemlich großer Skandal ist.

Aber auch die amerikanische Gleichstellungs-Bundesbehörde, die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) ermittelt nun wegen der Einstellungspraxis in Hollywood.

Der verschwindend geringe Anteil großer Hollywood-Filme, die von Frauen inszeniert werden, ist in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Das Sundance Institute und die Initiative Women in Film hatten bei der University of Southern California eine große Studie in Auftrag gegeben. Die 1300 erfolgreichsten amerikanischen Filme zwischen 2002 und 2014 wurden dafür ausgewertet. Nur 4,1 Prozent waren von Frauen inszeniert. Eine Tendenz nach oben gibt es nicht. Die EEOC kann Einzelfälle ahnden, sie kann aber auch eine ganze Industrie vor Gericht bringen, wenn sie ein Verhaltensmuster nachweisen kann.

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Subtile Diskriminierung

Die "Twilight"-Regisseurin Catherine Hardwicke hat nun vor der Kommission ausgesagt, stundenlang. Denn sie habe so viel zu erzählen, "einige sehr traurige, enttäuschende, kriminelle Details über Verleumdung und beleidigende, unwahre Behauptungen über mich und andere Frauen". Sie hat der Kommission E-Mails zur Verfügung gestellt, die belegen sollen, wie die Diskriminierung während der Vertragsverhandlungen abläuft - oft ganz subtil. Dabei spielt auch die Angst eine Rolle, gar nicht mehr beschäftigt zu werden, wenn man Ansprüche stellt.

Die Ermittlungen der EEOC könnten allerdings mehrere Jahre dauern.

Das Branchenblatt The Hollywood Reporter hat am Donnerstag seine Power-Liste für Frauen in der Unterhaltungsindustrie eingestellt, es wird künftig nur noch eine Liste für alle geben - die Liste nur für Frauen, schreibt Herausgeberin Janice Min dazu, würde vielleicht am Ende nur dazu beitragen, Frauen gegeneinander auszuspielen statt das System zu ändern.

Die Liste wurde vor 23 Jahren erstmals erstellt - damals wurde Sherry Lansing Chefin der Paramount-Studios. Und man glaubte, Frauen in Führungspositionen würden alles ändern.