Das Kinojahr 2014Magische Momente

Allen Superhelden-Fortsetzungen und flachen Komödien zum Trotz hat das Kinojahr 2014 Bilder und Szenen bereitgehalten, die süchtig machen: in der Sebastião-Salgado-Dokumentation von Wim Wenders, im Ein-Mann-Thriller mit Robert Redford oder im wundervollen Ensemble-Wahnsinn von "American Hustle".

Augenmontage: "Adieu au langage"

Für Jean-Luc Godard hat das Kino noch einen anderen Namen: Montage. Also die Annäherung zweier möglichst weit voneinander entfernter Bilder. Das bringt der (natürlich unverständliche) Gott des Kinos in "Adieu au langage" dank 3 D auf einen Punkt, den nur Er machen konnte. Da sitzt eine Frau in einem Wohnzimmer, ein Mann läuft vor ihr auf und ab. Oder nicht? Denn wir erkennen nämlich auf einmal gar nichts mehr. Warum? Weil man beide Bilder gleichzeitig sieht: die sitzende Frau auf dem linken, den sich von ihr entfernenden Mann auf dem rechten Auge.

Schließt man ein Auge, sieht man auf dem anderen deutlich dessen eines Bild. Hat man aber beide offen, macht man die Montage mit den eigenen Augen. Und alles verschwimmt - würde man "sagen". Denn was soll man dazu noch sagen? Adieu au langage, bonjour cinéma.

Lust: "Nymphomaniac Vol.1", Lars von Trier

Frust: "Kreuzweg", von Dietrich Brüggemann

Zoé Bruneau in einer Szene von Jean-Luc Godards "Adieu au langage". Von Philipp Stadelmaier

Bild: Wild Bunch 31. Dezember 2014, 09:312014-12-31 09:31:35 © Süddeutsche.de/pak