Coronapolitik:Das tödliche Zaudern des Staates

Lesezeit: 5 min

Ein Demo-Teilnehmer aus dem Umfeld der Corona Rebellen Düsseldorf bahnt sich mit einem Schild den Weg durch Demonstrant

Die laute Minderheit der Impfgegner wirkt einschüchternd - und die Politik schweigt. Keine gute Kombination.

(Foto: Christoph Hardt/imago images/Future Image)

Lange dominierte Corona Gedanken, Sorgen, das öffentliche Leben und auch die Politik. Nun ist die Pandemie mit Macht zurück, doch die Bundesregierung wirkt wie entwendet. Man weiß, dass es diese Regierung noch gibt, aber wo, und was treibt sie?

Von Nils Minkmar

Am auffälligsten ist die Abwesenheit: keine Plakate, keine Radiospots und vor den Nachrichtensendungen nur die übliche Werbung für das offenbar unvermeidliche Mittel gegen Blähungen. Jedes Smartphone, jedes Hustenmittel und jedes Tierfutter wird intensiver angepriesen als Impfungen und andere Maßnahmen, die in der Covid-Pandemie Leben retten. Seinerzeit kam niemand auf die Idee, die Ausbreitung des HIV und von Aids einzudämmen, ohne für safer sex zu werben. Und heute? Masken trägt man oder nicht, die Leute gehen zur Arbeit, mal ist in diesem Raum eine Präsenzkonferenz, mal in jenem dort hinten, die Menschen nutzen volle Busse und Bahnen oder stopfen ihre Kinder für den Schulweg hinein, sie pferchen sich in Betriebe und Büros, und kaum wen interessiert ihr Impfstatus oder ihr Testergebnis. Fast zwei Jahre lang dominierte Corona die Gedanken und Sorgen und das öffentliche Leben, aber nun ist alles verschwunden, wie durch einen Zauber. Und nicht nur die Pandemie scheint auf und davon zu sein, auch die Bundesregierung wirkt wie entwendet. Man weiß, dass es diese Regierung noch gibt, aber wo, und was treibt sie? Der geschäftsführende Gesundheitsminister ist offenbar, hört man, zugleich Kandidat auf die Führung seiner Partei in der Opposition.

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