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"American Sniper" im Kino:Nur an einer Stelle Skepsis gegenüber dem Kriegshandwerk

Jason Hall, der Drehbuchautor, erkennt zudem recht schnell ein Grundproblem der Geschichte. Immer nur auf dem Dach zu liegen und nach und nach 160 Feinde umzuknipsen, wirkt nicht besonders heroisch.

Bald will der Film von dieser Mission auch nicht mehr viel wissen: Kyle muss zurück auf die Erde und mit in die Häuser reingehen, aus dem Scharfschützen wird eine Art Terroristenjäger. Den syrischen Sniper der Gegenseite, den er dann wie besessen verfolgt, gibt es vor allem auf Wunsch Steven Spielbergs. Der war der erste, der die Geschichte verfilmen wollte, bevor er kalte Füße bekam.

Bleibt natürlich die Frage, was der große alte Clint Eastwood mit der Sache zu tun hat, und die korrekte Antwort lautet: nicht viel. Der Autor Hall und der Hauptdarsteller Bradley Cooper, der sich im Übrigen sehr überzeugend in Chris Kyle verwandelt hat, waren zuerst an der Story dran, Cooper sogar als Produzent. Eastwood kam dazu, als das Buch längst fertig und Spielberg schon wieder gegangen war.

Er betont, dass ihm das Leid von Kyles Ehefrau wichtig war, und das zeigt er auch deutlich - das einzige Element des Films, das eine gewisse Skepsis gegenüber dem Kriegshandwerk ahnen lässt. Nur: In ein Gesamtwerk, das auch "Dirty Harry" enthält, einen anderen hochbegabten Hirtenhund, der unter der Hand zum Wolf mutierte, fügt sich "American Sniper" natürlich nahtlos ein.

Er darf nicht überleben

Wirklich ambivalent ist dann nur die finale Ironie der Geschichte. Kyle könnte nicht so gefeiert werden, wie Amerika es jetzt tut, wenn er nicht tot wäre. Das hängt mit dem immer noch wirkmächtigen Mythos vom "Natural Born Warrior" zusammen, den der Film so entschlossen bedient.

Spätestens seit Homer ist dieser Heros sehr klar definiert. Er darf all seinen Gegnern überlegen sein, fast unvorstellbare Verwüstung unter ihnen anrichten, aber er darf am Ende nicht überleben. Die Götter geben ihm eine Ferse der Verwundbarkeit, und sie bestimmen seinen frühen Tod, damit er wirklich in die Ruhmeshalle der großen Krieger eingehen kann.

Genauso haben sie es, wenn man so will, mit Chris Kyle gemacht. Erschossen wurde er nicht im Irakkrieg, da war er unbesiegbar geblieben, sondern zu Hause, im Frieden. Von einem traumatisierten Irakveteranen, dem er helfen wollte - der zu schwach war, länger ein Hirtenhund zu sein, und am Ende ein Wolf im Schafspelz wurde.

Es gibt drei Arten von Menschen, und am Ende kann sie niemand wirklich auseinanderhalten. Vielleicht ist das schon das ganze verdammte Problem.

American Sniper, USA 2014 - Regie: Clint Eastwood. Buch: Jason Hall. Kamera: Tom Stern. Mit Bradley Cooper, Sienna Miller. Warner, 132 Min.