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"3 Herzen" im Kino:Eine alte Amour fou flammt durch Familienbande auf

Wie in Truffauts "Die Frau nebenan" wird die große, tragisch verpasste Liebe zwischen Marc und Sylvie nie aufhören, die Ruhe einer arrangierten und aufgeräumten Ehe zu stören, um direkt in einen bürgerlichen Albtraum zu münden.

Wenn am Anfang Marc Sylvie fragt, ob sie sich nicht schon kennen würden, ist das, als würden Benoît Poelvoorde und Charlotte Gainsbourg in die Rollen von Gérard Depardieu und Fanny Ardant aus Truffauts Film schlüpfen.

Bei Truffaut flammte eine alte Amour fou durch Nachbarschaft neu auf, bei Jacquot durch Familienbande. Die Botschaft lautet in beiden Fällen: Der Schmerz alter Liebe, alter Trennung lauert direkt nebenan, ist ein Nachbar, eine Schwägerin - oder, noch näher, ein Herz.

Denn die Qualität von Jacquots Film liegt weniger da, wo diese Herzen ihre Blutsbande im französischen Kino nachzeichnen. Sondern dort, wo sie physische Organe sind, die den Rhythmus des Films bestimmen: Marc, der sich abhetzt, um seinen Zug zu kriegen, aus der Puste kommt und ein Mineralwasser in einer Bar trinken muss.

Sehnsucht, die im Zittern endet

Der später mit Sylvie eine Zigarette teilt (schlecht fürs Herz). Der sich erschrocken auf die Brust fasst, wenn ein Motorradfahrer an ihnen vorbei durch die Nacht braust (sehr schlecht fürs Herz). Der vor lauter Stress einen Herzanfall hat und daher seine große Liebe verpasst, was auf lange Sicht hin dem angegriffene Organ endgültig den Rest gibt.

Einerseits ist das recht symbolisch, und man kann darin eine Körperkino sehen, das allzu "echt" und natürlich sein und sich seiner Wahrheit beinahe medizinisch versichern will. Andererseits aber spürt man stets das Spiel der verschiedenen Herzrhythmen, nie ganz im gleichen Takt.

Da ist die Sehnsucht nach dem wilden Klopfen vor dem entscheidenden Rendezvous, die aber, wenn es zu viel wird, im zittrigen Griff nach dem Mineralwasser endet oder im ruhigen Hafen der Ehe. Bis alles von vorn losgeht.

3 Herzen, FRA 2014. - Regie: Benoît Jacquot, Buch: Jacquot, J. Boivent. Kamera: Julien Hirsch. Mit Benoît Poelvoorde, Charlotte Gainsbourg, Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve. Wild Bunch, 106 Min.