"3 Herzen" im Kino Wildes Pochen

Das Glück meint es mit Marc (Benoît Poelvoorde) und Sylvie (Charlotte Gainsbourg) in "Drei Herzen" zunächst nicht gut.

(Foto: Wild Bunch Germany)

Nie ganz im gleichen Takt: Mit dem wilden Pochen vor dem ersten Rendezvous fängt bei "3 Herzen" von Benoît Jacquot alles an. Doch dann ist vom adrenalin-induzierten Kollaps bis zur ruhigen Einfahrt in den Hafen der Ehe alles möglich. Bis das Herz wieder hämmert.

Von Philipp Stadelmaier

Als sie sich kennenlernen, nachts auf der leeren Straße der südfranzösischen Kleinstadt, fragt Marc Sylvie, ob sie das auch kennt. Was er meint, will Sylvie wissen. Da ballt Marc beide Hände zur Faust und imitiert ein wild pochendes Herz. Warum es nur immer so heftig sein müsse, sagt er.

Heftig war es allerdings schon kurz davor, als Marc durch die Nacht zum Bahnhof hetzte und seinen Zug zurück nach Paris verpasst hat. Und heftig geht es weiter.

Nachdem sie lange gemeinsam durch die Nacht marschiert sind, versprechen sie sich am nächsten Morgen, sich wiederzusehen, in Paris, im Jardin des Tuileries, eine Woche später. Aber Sylvie wird umsonst warten, da Marc, der als Steuerinspektor arbeitet, auf dem Weg zu ihr einen Schwächeanfall hat. Zu viel Stress. Das war's mit der großen Liebe. Telefonnummern wurden keine ausgetauscht.

Die "3 Herzen" im Film von Benoît Jacquot, das sind zunächst einmal drei Figuren - neben Marc und Sylvie ist da noch Sophie. Marc wird sie später kennenlernen und heiraten - ohne zu wissen, dass sie Sylvies Schwester ist, während Sylvie bald nach dem gescheiterten Treffen in Paris mit ihrem Freund in die USA umgezogen ist. Die Herzen pochen nicht nur vor und für die Emotion. Sondern auch im Takt einer tragischen Blutsverwandtschaft, welche die Story gehörig dramatisiert.

Vor allem aber geht es hier um eine Genealogie des Kinos, der Filmgeschichte. Chiara Mastroianni, die Sylvies Schwester spielt und Marcs zukünftige Frau, ist die leibliche Tochter von Catherine Deneuve, die im Film ihre Mutter darstellt. Von dort bis zu François Truffaut, zu dessen Musen Deneuve zählte, ist es nur ein kleiner Schritt.