Unternehmensberatung Teurer Rat, bestens verkauft

Welcher Weg führt zum Ziel? Viele Unternehmen holen sich dafür Expertise von außen, doch nicht immer erfüllen sich die Erwartungen.

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Berater gehen in großen Firmen ein und aus. Doch viele Mitarbeiter sind ihnen gegenüber skeptisch: Können sie den Fach- und Führungskräften wirklich weiterhelfen?

Von Larissa Holzki

Keiner weiß, was sie mit ihren Excel-Tabellen und Powerpointfolien wirklich leisten. Trotzdem wachsen die Beratungsunternehmen in Deutschland seit Jahren - über die vergangenen acht Jahre hinweg waren es durchschnittlich 7,5 Prozent im Jahr. Und sie stellen laufend zusätzliche Berater ein. Angesichts dieser Entwicklung und vieler böser Vorurteile lässt sich also durchaus fragen, welchen Anteil Berater denn am Erfolg eines Unternehmens haben.

Viele Eisenbahner etwa zweifeln gerade daran, dass mehr externer Rat immer besser ist. Die Deutsche Bahn gibt jedes Jahr Hunderte Millionen Euro aus, um mithilfe von McKinsey, Boston Consulting und Strategy& besser zu werden. Trotzdem kommen die Züge oft zu spät, es hapert an der Wirtschaftlichkeit. Die Bahn "braucht nicht noch mehr externe Berater, sie braucht den Sachverstand, der im eigenen Haus im operativen Geschäft vorhanden ist und nur abgerufen werden muss", empörte sich jüngst der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Alexander Kirchner. Wie es ohne die Berater um die Bahn bestellt wäre: Man weiß es nicht.

"Was jetzt kommt, ist sehr wichtig"

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Von Beratern heißt es oft, dass sie alles besser wüssten, unverständlich redeten und Firmen rücksichtslos umkrempelten. Und, schlimmer noch: Berater hätten meist keine Ahnung. In der Tat setzt die Branche auf Einsteiger, die die Wirtschaftswelt oft nur aus dem Hörsaal kennen. Für Quereinsteiger, etwa aus der Physik, Psychologie oder Philosophie, gilt nicht mal das. Können sie erfahrenen Fach- und Führungskräften wirklich weiterhelfen? Die Management-Beraterin Elke Benning-Rohnke ist davon überzeugt, sie sagt: "Was die jungen Berater so leistungsfähig macht, sind die Methoden und Techniken, die sie in den Beratungsunternehmen sehr schnell erlernen."

Wer Unternehmensberater sagt, meint oft die großen Strategieberatungen, jene, die gerufen werden, um ganze Unternehmen umzukrempeln, zu zerschlagen, Stellen abzubauen. Ihnen hängt deshalb auch der Ruf an, die ganz bösen Buben zu sein. Ihren Auftraggebern ist das auch ganz recht: Denn so wird übersehen, dass es immer am Management, dem Aufsichtsrat oder den Eigentümern liegt, Vorschläge anzunehmen oder nicht. Zunehmend rufen Unternehmen aber auch Berater für spezielle Aufgaben zu Hilfe, Experten oder Trainer für bestimmte Fachgebiete wie IT und neue Anwendungen, als Moderatoren, die Abteilungen zusammenführen und eine konstruktive Diskussion leiten, als Daten-analytiker.

Immer eine Nacht voraus

Dazu müssen sie nicht unbedingt etwas von dem Produkt oder dem Marktsegment verstehen. "Was Unternehmensberater gut können müssen: aus einer hohen Komplexität an Daten die richtigen Daten erkennen, verarbeiten und auswerten", sagt Benning-Rohnke. Je mehr Firmen und Probleme ein Berater kennengelernt hat, desto besser wird er darin.

Das Fachwissen ist in den Unternehmen. Das ist eine der Regeln, wonach das Beratungsbusiness mit seinen Aufgaben für Jobneulinge und Quereinsteiger funktioniert. Die oft berichtete hohe Zahl an Überstunden, die Berater leisten müssen, kommt auch dadurch zustande, dass die Berater jeden Abend nach- und für den nächsten Tag vorrecherchieren müssen.

Drei Gründe gibt es, Beratung ins Haus zu holen: Die Firma will Spezialwissen einkaufen. Die Firma braucht Leute, die ohne hierarchische Verpflichtungen Probleme erkennen und benennen können - und Lösungsvorschläge erarbeiten. Oder: Die Firma ist überlastet. Je intensiver die Zusammenarbeit mit Consulting-Unternehmen wird, desto öfter ist das zu beobachten. "Heute geht es bei Beratungsaufträgen auch häufig darum, Aufgaben zu erledigen, die das Unternehmen früher selbst gemacht hat und die es heute mit einer dünneren Personaldecke nicht mehr bewältigen kann", sagt die Management-Beraterin Benning-Rohnke.