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Gehaltsexperiment:Mit Geld spielt man doch

Live Escape Games in Frankfurt/Main

Wie kommen wir hier raus? In Escape Games müssen Rätsel gelöst werden - hier bei Tumult in Frankfurt. Münchner Ökonomen haben das für ein Experiment zu Bonuszahlungen genutzt.

(Foto: dpa)

Münchner Verhaltensökonomen wollten wissen, wie sich Boni auf die Teamarbeit auswirken. Das Ergebnis überrascht Psychologen und Manager.

Von Larissa Holzki

Was sagt eine Schnitzeljagd für Erwachsene über die Bezahlung im Job aus? Viel, meinen Verhaltensökonomen der Ludwig-Maximilians-Universität München. Eines ihrer jüngsten Experimente beruht auf dieser Annahme: In sogenannten Escape Games müssen Teams mit Hinweisen in Bildern, Zahlen und Geschichten innerhalb von 60 Minuten ein Rätsel lösen. Simeon Schudy und seine Kollegen wollten wissen: Kommen Gruppen schneller auf die Lösung, wenn wir dafür einen Bonus ausloben?

Bisher gehen Manager davon aus, dass finanzielle Anreize nur bei Routineaufgaben wirken. Spargelstecher ernten mehr Stangen in einer bestimmten Zeit, wenn sie dafür belohnt werden. Erdbeerpflücker sammeln ihre Körbe schneller voll, wenn sie gegen andere antreten und der Gewinner einen Preis erhält. "Für komplexere Aufgaben, bei denen man kreativ sein muss, galt so ein Effekt in der psychologischen Literatur bisher eher als ausgeschlossen", sagt Schudy.

Die Münchner haben den Gegenbeweis vorgelegt. "Wenn Ihr es schafft, die Aufgabe in 45 Minuten zu lösen, bekommt Ihr 50 Euro", ließen sie einen Teil der gut 900 Testgruppen wissen - reguläre Kunden des Spielanbieters Exit the Room und Studenten, die gegen Bezahlung mitspielten. Trotz Knobelaufgabe war der Effekt eindeutig: Mehr als doppelt so viele Teams als in der Vergleichsgruppe knackten die Marke.

Unklar ist, ob der Effekt dauerhaft wirkt

Aber können Menschen wirklich schneller um die Ecke denken, wenn es ums Geld geht? Die Verhaltensforscher haben eine andere Erklärung: "Teams, denen ein gemeinsamer Bonus winkt, überlegen möglicherweise fokussierter, wie sie ein Problem lösen", sagt Schudy. Das legen Umfragen unter den Studenten nahe: "Wenn Geld auf dem Tisch liegt, wird es wahrscheinlicher, dass jemand die Initiative ergreift und eine Strategie vorschlägt." Möglich ist auch, dass Mitstreiter mit der Aussicht auf ein Bonbon eher dazu bereit sind, mitzuziehen. Bei der Ehre allein waren sie hingegen nicht zu packen: Um das zu testen, wurde einigen Teams erzählt, es sei sehr gut, die Aufgabe in einer Dreiviertelstunde zu lösen.

Die Ökonomen wollten außerdem wissen, ob äußere Anreize der inneren Motivation schaden, wie Psychologen befürchten. "Deshalb war es wichtig, dass einige Gruppen sogar für die Aufgabe bezahlen wollten", sagt Schudy. Das Spiel war ihnen nicht kaputt zu machen: Fünf Tipps können sich die Spieler geben lassen. Während die bezahlten Teilnehmer darauf schneller zurückgriffen, um ihre Chance auf den Gewinn zu steigern, tüftelten die Spaßteilnehmer weiter selbst. "Je nachdem, ob ich einen Job ausschließlich mache, um Geld zu verdienen oder weil ich die Tätigkeit interessant finde, wirkt der Bonus offenbar unterschiedlich", überträgt Schudy auf die Arbeitswelt.

Die Forscher suchen nun nach Unternehmen, in denen sie ähnliche Tests wiederholen können. Unklar ist etwa, ob der Effekt dauerhaft wirkt. Ob sich Teamboni als Bezahlungskonzept eignen, hängt womöglich auch von den Zielen ab: Sollen alle mitreden oder sind schnelle Ergebnisse Priorität?

© SZ vom 02.06.2018/lho
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