Gemeinsames Konto Paare scheitern daran, ihr Geld gerecht zu teilen

Die meisten Paare in Deutschland sagen, dass sie ihr Geld teilen und gemeinsam darüber entscheiden wollen. In der Regel setzt bei Kaufentscheidungen aber derjenige seine Wünsche durch, der mehr verdient.

(Foto: Illu: Bitzl)

Wenn zwei Partner ungleich verdienen, wer hat dann das Sagen über das Geld? Die meisten geben an, gemeinsam zu entscheiden - aber niemand hält sich daran, sagt Ökonomin Miriam Beblo.

Interview von Larissa Holzki

Frauen verdienen in Deutschland weniger als Männer. Rund 21 Prozent, wenn man den Stundenlohn betrachtet. Schaut man auf das, was eine Familie im Monat gemeinsam als Einkommen hat, ist der Unterschied noch viel drastischer. Nur gut ein Fünftel des Familieneinkommens steuert im Durchschnitt die Frau dazu bei, heißt es in einer Studie der OECD.

Die ungleiche Beteiligung ist oft auch Folge einer Abmachung, die Paare untereinander treffen: Einer geht arbeiten, der andere kümmert sich um Kinder und Haushalt. Das zur Verfügung stehende Einkommen wird geteilt. Wenn sich die Partner wirklich daran halten würden, hätten zumindest Frauen und Männer in Partnerschaften gleich viel Geld zur Verfügung. Doch genau das bezweifelt die Wirtschaftsprofessorin Miriam Beblo. Sie führt mit Paaren Experimente durch, um herauszufinden, wie fair sie kooperieren, und berät das Bundesfamilienministerium in Fragen der Familienforschung und Familienpolitik.

SZ.de: Frau Beblo, die allermeisten Paare in Deutschland sagen: Uns ist egal, wer was verdient. Wir zahlen alles auf ein Konto und jeder nimmt, was er braucht. Warum glauben Sie ihnen nicht?

Miriam Beblo: Tatsächlich, das sagt die ganz große Mehrheit. Aber Experimente und Studien, bei denen man Konsumausgaben untersucht hat, zeigen etwas anderes: Die Person, die mehr einzahlt, weil sie mehr verdient oder Einkünfte aus anderen Quellen hat, hat in der Regel auch mehr Zugriffsrecht auf das Konto. Ein gemeinsames Konto ist kein Beweis dafür, dass beide sich gleichermaßen bedienen können.

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Das heißt, die Partner machen sich was vor?

Als Ökonomin kann ich nicht unterscheiden, ob die Befragten das, was sie sagen, selbst glauben oder bloß glauben machen wollen. Zum Beispiel weil sie denken, dass sie damit besser dastehen.

Jedenfalls sagen Sie, dass sie sich in Wirklichkeit unfairer verhalten. Wie haben Sie das herausgefunden?

Ich habe in der Literatur geguckt, ob der Empfänger oder die Empfängerin des Einkommens darauf Einfluss hat, wer seine Wünsche eher durchsetzen kann. In Feldexperimenten auf den Philippinen, in Kenia und Uganda hat man das so vorgefunden. Das hat uns animiert, das auch mal in Deutschland zu probieren, in einem völlig anderen kulturellen Setting.