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Typologie der Mitarbeiter:Mit diesen Kollegen müssen Sie klarkommen

Gruppenarbeit ist das Gebot der Stunde, im Start-up wie im Konzern. Doch Dampfplauderer, Kontrolleurinnen und Blockierer machen die Zusammenarbeit schwer. Eine Anleitung.

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Anleitung zum Umgang mit Kollegen

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Teamwork ist aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Schon bei der Personalauswahl wird deshalb auf die sogenannten Soft Skills geachtet. Doch im Vorstellungsgespräch sagt natürlich jeder Bewerber, dass er teamfähig ist. Ich, kritikfähig? Klar! Kompromissbereit? Sowieso! Doch im Arbeitsalltag...

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Quelle: SZ

...zeigen die Mitarbeiter ihren wahren Charakter. Und wie kommen sie dann miteinander klar? Das weiß eine, die schon mit vielen Teams in verschiedenen Unternehmen zusammengearbeitet hat. Stephanie Wegener ist Projektleiterin bei der Strategieberatung Boston Consulting.

Die Macherin:

Daran ist sie zu erkennen: Die Macherin bringt sich mit eigenen Ideen ein, krempelt sofort die Ärmel hoch und nimmt die Dinge selbst in die Hand. Sie neigt zu Aktionismus. Während die anderen im Team sich noch in die Analyse vertiefen, startet sie schon mit der Umsetzung. Sie ist die Person im Team, die sagt: "Lasst uns nicht lange reden, wir fangen direkt an."

So lässt sich mit ihr arbeiten:

Das Team muss die Macherin manchmal bremsen, damit es seine Energie nicht für die falschen Dinge verschwendet und sich verrennt. Wichtig: Die anderen sollten Machertypen auch nicht demotivieren. Denn Macher können andere mitziehen. Die Unternehmensberaterin Stephanie Wegener rät daher zur Diplomatie, etwa so: "Ich finde es super, dass du gleich in Aktion gehen willst, aber lass uns doch vorher erst mal einen Aktionsplan aufstellen. Dann können wir zusammen richtig durchstarten."

Deshalb ist sie gut fürs Team:

Machertypen denken nicht ans Scheitern. Sie sorgen in Teams für das Wir-schaffen-das-Gefühl. Von ihnen können Kollegen etwas lernen, sagt Wegener. "Es ist besser, wenn man loslegt und Fehler macht, als wenn gar nichts passiert. Nachjustieren lässt sich immer noch."

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Der Dampfplauderer

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Quelle: SZ

Daran ist er zu erkennen:

Der Dampfplauderer kann gut reden, sagt aber wenig Konkretes. Und je besser er dampfplaudert, desto schwieriger ist er zu erkennen. Zu entlarven ist er nur mit konkreten Rückfragen: Was meinen Sie genau? Wie kommen Sie zu dieser Annahme? Eine Beobachtung hat Stephanie Wegener bei diesem Typen immer wieder gemacht: "Er versucht oft, Unwissenheit oder Unsicherheit zu verstecken."

So lässt sich mit ihm arbeiten:

Den Dampfplauderer muss man unterbrechen, um voranzukommen: "Okay, das habe ich verstanden. Aber was sind die drei Dinge, die wir jetzt machen müssen?" Schwierig für Mitarbeiter sind wolkige Arbeitsanweisungen, sagt Wegener: "Klären Sie mit einem Chef vom Typ Dampfplauderer unbedingt, was Sie konkret tun sollen und bis wann."

Deshalb ist er gut fürs Team:

Wer unsicher auftritt, dem wird oft nichts zugetraut - und andersherum. Vom Dampfplauderer können sich Kollegen deshalb etwas Wichtiges abschauen, sagt Wegener. Sie nennt es das Prinzip: "Fake it till you make it." Also: Tue so als ob, bis du es kannst. Psychologisch ist es nämlich viel einfacher, in eine Aufgabe hineinzuwachsen und sie zu erfüllen, wenn alle an den Erfolg glauben.

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Die Kontrolleurin

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Daran ist sie zu erkennen:

Kontrolleure nehmen alles ganz genau und lassen sich ungern in die Unterlagen schauen. Nie würden sie etwas präsentieren, was sie vorher nicht bis ins letzte Detail durchdacht haben. Damit bremsen sie oft das Team. Das Gehabe um die eigenen Auswertungen kann unterschiedliche Gründe haben, sagt Beraterin Wegener: "Entweder haben sie Angst, dass noch Fehler in den Daten sind oder sie wissen genau: Daten sind Macht."

So lässt sich mit ihr arbeiten:

Zuerst muss das Team herausfinden, warum die Kontrolleurin ihre Daten nicht rausgeben will. Dann gilt es, darauf einzugehen. "Bei Angst ist es wichtig zu zeigen: Wir müssen loslegen. Die Verantwortung liegt nicht bei dir, wir übernehmen die als Team," sagt Wegener. Geht es der Kontrolleurin um Macht, erkläre sie ihr: "Diese Daten und Ihre Fähigkeiten sind für eine kritische Analyse erforderlich. Wir werden sicherstellen, dass Ihr Beitrag dazu in jedem Fall hervorgehoben wird."

Deshalb ist sie gut fürs Team:

Kontrolleure sind für jedes Team ein Gewinn. "Das ist die Mitarbeiterin, der Sie die Aufgabe zuteilen können, sich in Details hereinzufuchsen." Kontrolleure arbeiten akkurat und haben ein gutes Verständnis von Zusammenhängen.

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Der Blockierer

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Quelle: SZ

Daran ist er zu erkennen:

Fast überall, wo Menschen etwas verändern wollen, sitzt auch ein Blockierer oder eine Blockiererin mit im Team. Der Blockierer gibt entweder grundsätzlich kritische Kommentare ab oder er kommt erst gar nicht zum Meeting. Mails zu den geplanten Neuerungen beantwortet er nicht.

So lässt sich mit ihm arbeiten:

Unternehmensberater treffen ständig auf Blockierer. Zum Beispiel, wenn Abteilungen zusammengelegt werden oder bestimmte Aufgaben digitalisiert werden sollen. "Wichtig ist herauszufinden, warum der Blockierer sich querstellt", sagt Stephanie Wegener, die deshalb mit solchen Typen viel Erfahrung hat. "Ist die Technik wirklich blöd? Arbeitet der lieber auf Papier? Oder hat er Angst, seinen Job zu verlieren?" Und dann gilt es, Verständnis zu zeigen: "Nehmen Sie sich Zeit, erklären Sie, warum Sie die Veränderung planen und dass dabei alle im gleichen Boot sitzen."

Deshalb ist er gut fürs Team:

Ein Team, in dem niemand bremst und hinterfragt, verrennt sich schnell. Dem Blockierer können Kollegen deshalb auch dankbar sein: Denn da ist einer dabei, der die Ideen wirklich kritisch hinterfragt hat.

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Die Ex-Beraterin

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Quelle: SZ

Daran ist sie zu erkennen:

Die Ex-Beraterin macht aus jeder Präsentation eine Powerpoint-Schlacht. Ihre Karriere hat sie bei einem Beratungsunternehmen begonnen, und das merkt man ihr auch an. Word-Dokumente kennt sie nicht - sie arbeitet grundsätzlich im Querformat. Oft sitzt sie bis in die Nacht an ihren Folien und verschickt ihre Mails auch am Wochenende an Kollegen. Das liegt an dem Berater-Arbeitsrhythmus, aber auch an ihrem Ehrgeiz.

So lässt sich mit ihr arbeiten:

Wer die Ex-Beraterin von Maßnahmen überzeugen will, muss ihr erklären, warum sie nötig und hilfreich sind, sagt Wegener. "Je nachdem, ob Sie es mit Mister Big Picture oder Misses Detailversessen zu tun haben, gewinnen Sie einen ehemaligen Berater mit knackigen Kernaussagen oder mit einer detaillierten Analyse und anschaulichen Grafiken für Ihre Idee."

Deshalb ist sie gut fürs Team:

"Vom Typ Ex-Beraterin kann man sich das strukturierte Denken abgucken", sagt Wegener. Sie redet nicht drauf los, sondern hat einen Plan: Erstens, zweitens, drittens - diese drei Punkte wollen wir besprechen. Von ihren Erfahrungen in großen und kleinen Unternehmen können die Kollegen profitieren, wenn sie Rat suchen.

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Der Karrierist

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Quelle: SZ

Daran ist er zu erkennen:

Der Karrierist sagt auch bei der Präsentation von Teamarbeiten lieber "Ich" als "Wir". Er betont gern seine individuelle Leistung. Oft geht es ihm weniger um die Sache als um den eigenen Aufstieg. Er engagiert sich, wenn er damit gut ankommt. Zum Beispiel vor dem Chef. Weil Karrieristen auch mal die Ellenbogen ausfahren, ist Vorsicht geboten.

So lässt sich mit ihm arbeiten:

Stephanie Wegener empfiehlt, für sich selbst Raum einzufordern: "Wenn der Karrierist ein Kollege ist und Sie wollen Ihre gemeinsam Arbeit dem Chef vorstellen, würde ich vorher klar sagen: Von Folie zehn bis 20, das war meine Analyse, die würde ich gerne selbst vorstellen."

Deshalb ist er gut fürs Team:

Ein karrieristischer Chef kann den eigenen Aufstieg beschleunigen. Wenn er eine bessere Position bekommt, nimmt er vertraute Mitarbeiter mit. Die steigen dadurch meist ebenfalls auf oder bekommen zum Dank für die Treue irgendwann einen guten Posten. "Bei einem karrieristischen Chef würde ich über die Schmeichelschiene gehen: Du bist ein Vorbild. Ich will was von dir lernen! Für diese Wertschätzung erhält man die Chance, sich etwas abzugucken", so Wegener. Sich nicht einschüchtern zu lassen, zum Beispiel.

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Der Kumpel

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

Daran ist er zu erkennen:

Kumpeltypen sind bodenständig. Sie denken nicht in starren Rollen nach dem Motto "Ich Chef, du Mitarbeiter". Man kann mit ihnen auch über Persönliches reden. Für einen Ausflug ins Stadion oder eine gemeinsame Shoppingtour sind sie immer gerne zu haben.

So lässt sich mit ihm arbeiten:

Die Zusammenarbeit mit Kumpeltypen ist unkompliziert - es sei denn, sie vergessen, dass der Freund auch der Vorgesetzte ist. "Chefs müssen Grenzen ziehen", sagt Wegener. Auch als Frau ist sie männlichen Kumpeltypen gegenüber vorsichtig. Auf die Einladung zum Abendessen schlägt sie ein Mittagessen vor: "Wir können uns gerne über Privates unterhalten, aber besser integriert in den Arbeitstag."

Deshalb ist er gut fürs Team:

Der Kumpeltyp ist kollegial und sorgt für ein Wir-Gefühl im Team. Oft ist er derjenige, der die Tassen in die Spülmaschine räumt. Wenn die Abteilung das ausnutzt, sollten Teamleiter eingreifen: "Solche kleinen Dinge sind groß in der Symbolik", sagt Wegener. Oft räumten etwa die Frauen im Team hinter den Kollegen auf und bestärkten damit unbewusst Rollenklischees: "Wenn man das als Chef sieht, kann man sagen: Jeder hat eine Woche Teeküchendienst."

Welche Typen es in jedem Unternehmen gibt, hat sich Stephanie Wegener zusammen mit ihren Beratungskollegen Thomas-Navin Lal und Ulrich Schlattmann für den "Consulting Survival Guide" überlegt. Damit wollen sie junge Berater beim Berufseinstieg unterstützen.

© SZ.de/lho

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