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Ungerechtes Bildungssystem:Die Zukunft entscheidet sich im Kindergarten

Akademikerkinder machen häufiger Abitur als Arbeiterkinder - daran ändern auch idealistische Lehrer nichts. Die Eliten-Bildung beginnt schon vor der Einschulung.

Dass das deutsche Bildungssystem die soziale Auslese fördert und Ungleichheiten reproduziert und zementiert, ist bekannt. Geradezu gebetsmühlenartig mahnt die OECD immer wieder an, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten hierzulande geringere Erfolgschancen haben als anderswo. Und gerade erst belegten sowohl der Münchner Bildungsbericht als auch der bundesweite Ländervergleich Bildungsstandards wieder, wie skandalös eng schulische Leistungen und soziale Herkunft in Deutschland zusammenhängen. Im wohlhabenden Landkreis Starnberg schaffen 72 Prozent der Grundschüler den Sprung aufs Gymnasium, im weniger gut situierten Landkreis Dachau 36.

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Die Bildungsschere öffnet sich schon in den ersten Schulwochen - die Voraussetzungen dafür werden in der Kinderbetreuung geschaffen.

(Foto: ddp)

Nun wird bei der Exegese dieser Studien immer darauf hingewiesen, dass die Kinder so früh wie nirgends sonst auf der Welt nach ihren Leistungen auf die verschiedenen Schulformen verteilt und damit auch nach sozialen Schichten getrennt werden. Es stimmt schon, die ungewöhnlich große Leistungsstreuung unter den deutschen Schülern wird durch die frühe Auslese am Ende der vierten Klasse stark gefördert, man bleibt von Anfang an unter seinesgleichen. Es ist ein bildungspolitischer Skandal erster Güte, dass die Chancen eines bayerischen Akademikerkindes, aufs Gymnasium zu kommen, 6,6 mal so hoch sind wie die eines bayerischen Arbeiterkindes.

Aber die Segregation geht noch viel früher los. Wer selbst mal Kinder eingeschult hat, weiß, wie oft schon in den allerersten Wochen des ersten Schuljahres die Schere aufgeht; wie oft es die Kinder namens Mustafa oder Mesut sind, die vom ersten Tag an nicht mitkommen. Und dass noch der idealistischste Lehrer an der Aufgabe, diese Defizite aufzufangen, scheitern muss, wenn er dreißig Kinder in der Klasse hat.

Laut Münchner Bildungsbericht bräuchten 45 Prozent der Kinder vor der Schule bereits Deutschunterricht. Natürlich stellt sich da die Frage, wie das zu bezahlen sein soll. Aber auf lange Sicht würde sich ein besseres Kinderbetreuungsangebot für den Staat auf jeden Fall in Form einer enorm hohen Bildungsrendite rechnen: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat vor drei Jahren schon vorgerechnet, dass eine verbesserte und feinmaschigere frühkindliche Betreuungsinfrastruktur bis 2050 Mehreinnahmen von 14 Milliarden bringen würde. Pro Jahr. Und eine Studie des Zürcher Sozialdepartments kam zu dem ganz ähnlichen Schluss, dass "jeder Franken, der in eine Kindertagesstätte investiert wird, volkswirtschaftlich gesehen vier Franken an Nutzen" bringe: Zum einen können die Mütter Geld verdienen, vor allem aber hilft die frühe Förderung dabei, Kinder besser zu sozialisieren und zu integrieren - und spart so in späteren Jahren Sozialleistungen.

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